interaktiv

Studieren im Ausland

Luftanhalten am anderen Ende der Welt (1)

Autor:
Manuel

Rubrik:
auszeit nach dem abi

22.02.2011

Im Vergleich zur großen weiten Welt ist man selbst nur ein Sandkorn. Ein Grund, weshalb ich schon vor meinem Zivildienst angedacht hatte, vor Studienbeginn nochmals ins Ausland zu gehen. An dem Tag, als ein Brief bei mir ins Haus flatterte, auf dem das Gerücht bestätigt wurde, dass ich nur noch sechs Monate abzuleisten hätte, verfestigete sich der Plan. Drei Monate mehr Zeit: Das erhöhte das Potenzial meiner Reise umso mehr. Also fing ich mit der Planung an. Europa und Nordamerika sollten später kommen, die Südsee, Australien und Asien schwirrten in meinem Kopf herum. Auf jeden Fall musste ein „Around the World”-Ticket her. Ich dachte daran, Freunde in Südamerika zu besuchen, mich in Neuseeland oder Australien freiwillig zu melden oder zu woofen* und auch dort Freunde zu besuchen. In Singapur hätte ich auch noch Unterschlupf gefunden und im Sommer wäre auch ein Kumpel wieder bei seiner ehemaligen Gastfamilie in Thailand gewesen. Und vielleicht hätte es sogar noch nach China gereicht.

Ganz unerwartet kehrte dann eine Freundin von der Osterinsel zurück und erzählte mir von ihren Plänen, dorthin zurückkehren und sich eine Hütte zu bauen. Ich könnte ihr ja helfen, sozusagen bei ihr woofen. Noch ein Puzzlestück mehr: Deutschland, Argentinien, Chile, die Osterinsel, Tahiti, Neuseeland, Australien, Singapur, Thailand, Kambodscha, Borneo; mittlerweile hatte ich so viele Anlaufstellen, dass mein Zeitplan, den ich mir im Reisebüro habe geben lassen, doch immer knapper wurde.

Irgendwie sollte ich mir doch einen Überblick verschaffen, bevor ich meine Reisen intensiviere, oder etwa nicht? Sollte ich nicht mal im Luxushotel, im Zelt, unter freiem Himmel oder auf hartem Boden geschlafen haben? Und das auch noch in verschiedenen Ländern? Klar, da wären auch Praktika, die ich machen könnte, manche sogar dringend notwendig für Studiengänge, für dich ich mich dann eben vom anderen Ende der Welt aus beworben hätte. Und natürlich das Geld. Sollte ich alles ausgeben, was ich mir bis jetzt fürs Studium angespart hatte?

(* Anm. d. Red.: Beim „Woofen“ erhält man gegen Arbeitseinsatz auf einer Farm kostenlose Unterkunft und Verpflegung.)

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