interaktiv

Studieren im Ausland

Mein Bruder Klösterlicherseits

Autor:
Manuel

Rubrik:
studium

07.03.2011

Auf der anderen Seite des Rheins, gegenüber der Germania, strotz eine Marienstatue. Hier beginnt der Tag um 6:15 Uhr, wenn Männer in schwarzen Kutten zu Glockengeläut in die Klosterkirche huschen, um dort in der Stille zu beten und zu singen. Nein, keine Verschwörung á la Illuminati, sondern das alltägliche Mönchsleben der Missionsbenediktiner von St. Ottilien. Und mit andern Zivis aus ganz Deutschland durfte ich in diese „Enklave“ eintauchen.

Ich hätte eigentlich nicht gedacht, dass es mich mal in ein katholisches Kloster verschlägt, da ich selbst Protestant bin. Okay, da war schon immer die Faszination für buddhistische Klöster, Meditation und Stille. Aber als sich dann die Möglichkeit bot, für wenig Geld diese Erfahrung mitzunehmen, wollte ich mir diese Auszeit gönnen. Und das wollten auch noch andere. Es kamen Zivis von Sylt bis Freiburg. Die einen auf der Suche nach Gott, die anderen, um zu sich zu finden und wieder andere, um einfach nur eine kleine Pause zu machen. Wobei trotz der Stille einiges los war.

Wir hatten die Möglichkeit, nicht nur im Klostergarten und im umgebenden Weingut zu arbeiten, sondern auch, mit den Mönchen zu essen. Hier hieß es schweigen und der Lesung lauschen und erst auf Klopfen mit dem Essen anfangen. Das Gute daran ist, dass man sich in der Zeit schon alle möglichen Fragen zu Recht legen konnte: Seit wann sind sie denn schon im Kloster? Was haben sie einmal gelernt? Haben sie noch Familie? Wieso sind sie ins Kloster eingetreten?

In der Kirche waren wir fasziniert von den Choralgesängen der Mönche. Man darf mitsingen, kann aber auch bei seinen Gedanken bleiben. Genauso wie unsere Meditationsversuche. Im Alltag sollen wir ständig zuhören, machen, nachdenken, entscheiden und aufpassen. Und jetzt einfach mal an gar nichts denken, seine Körpermitte finden? Aber irgendwann stelle sich dann doch so ein Gefühl von Zufriedenheit ein.

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