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USA

Orgelius aus Berlin

Beim alljährlichen Chestnut Hill Art Festival, das in der Hauptstrasse des Stadtviertels Germantown stattfindet, sah ich zwischen Fotografen, Malern, Zeichnern und anderen Künstler und Kunsthandwerkern auch einen Leierkastenmann.

Ein kleiner, netter, runder Mann mit schwarzem Zylinder. Auf seinem Wagen stand "Orgelius aus Berlin".  Ich sprach ihn natürlich gleich an und er freute sich wieder einmal seine Muttersprache zu hören. Tatsächlich kam er - vor gut einem halben Jahrhundert - aus Deutschland hierher. Ich müsse unbedingt am kommenden Freitag mit ihm zum Treffen der Schlaraffen kommen - ein toller Verein, wie Rotary, nur lustiger meinte er zu mir. Er gab mir seine Telefonnummer und drehte fröhlich seinen Leierkasten weiter. Jedes Mal, wenn ein Kind einen Dollar in eine kleine Box steckte, seinen Zylinder lüftend.

Ich hatte Orgelius inzwischen mal angerufen und wir hatten uns für sieben Uhr abends vor seinem Haus verabredet. In einer typisch amerikanischen Straßenkutsche fuhren wir ein paar Meilen aus der Stadt zu einer etwas abseits gelegenen Kneipe. Als wir eintraten grüßten Orgelius ein paar ältere skatspielende Herren auf Deutsch. Wir aber gingen zu einem etwas abgelegenen Raum hinter der Bar.

Was war das?! Als ich eintrat fühlte ich mich wie mit einer Zeitmaschiene ins Mittelalter versetzt. An den Wänden hingen gekreuzte Schwerter und Hellebarden. Alles war in schwerem Holz gefasst und links und rechts von mir reihten sich zwei Tafeln, an deren Ende quer dazu ein dreifacher Thron stand. Dunkles grob gearbeitetes Holz. Viele Kerzen, schwere Samtstoffe und allerlei dekoratives Klimbim. Kurz darauf kamen die anderen Schlaraffen herein. Lustig bunte mit Metallanhängern geschmückte phrygische Mützen trugen diese Herren, deren Alter ich auf 75 bis 85 schätzte.

Als sich alle eingefunden und an der Tafel Platz genommen hatten, entdeckte ich auch ein paar jüngere Gesichter. Alle trugen sie Anzüge und auf dem Kopf diese Mützen. Es hieß nicht ich und du, sondern wir und ihr, wie bei der englischen Königin. Sie nannten sich Junker und Ritter und mich einen Pilger. Ihre Sprache war insgesamt mittelalterlich. Man sprach nicht von Bezirken der Schlaraffen, sondern von Reychen. Es hieß nicht mein Beileid, sondern meine Kondolenz. Orgelius hatte mir nicht zuviel versprochen, als er sagte hier sei es lustig, denn nach etwas offiziellen Tamtam gingen einzelne Männer zu einem kleinen Podium am anderen Ende der Tafel und trugen Gedichte vor, hier Fechsungen genannt. Spottgedichte und Persiflagen zu gesellschaftliche Themen, einer spielte ein selbstkomponiertes Klavierstück.

Das war eine interessante Erfahrung, so weit von der Heimat und doch so urig deutsch.

Autor:   |  Rubrik: studium  |  May 2, 2008
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May 2, 2008

USA

Auf den Spuren der Unabhängigkeit

Gestern, als das Wetter mal der Jahreszeit entsprach und es frühlingshaft warm war, machte Mr. Walice, ein Geschichtsprofessor, mit uns Auslandsstudenten eine kleine Exkursion zur Independence Mall in Philadelphia, der einstigen Hauptstadt der USA. Dies ist tatsächlich ein historischer Ort; hier unterzeichnete eine Gruppe von Aufsässigen die Unabhängigkeitserklärung am 4. Juli 1776. Diese 'Aufsässigen' waren, wie Mr. Walice uns erzählte, wohl vielmehr eine Gruppe von hochkarätigen Männern, darunter Thomas Jefferson, John Adams und James Madison, Präsident 2, 3 und 4 nach George Washington. Nationalhelden, die die Unabhängigkeitserklärung und die Verfassung redigierten und in der französischen Revolution mitmischten.

Danach sind wir in der City Tavern - das gleiche Gebäude in dem sich die Konspiratoren vor 230 Jahren trafen - einkehrt. Beim Eintreten fühlt man sich in diese Zeit zurück versetzt. Die Bedienung ist in Tracht gekleidet, man trinkt aus Zinnkelchen und die Rezepte sind zum Teil von damals. Die Küche wird übrigens von einem Deutschen dirigiert.

Autor:   |  Rubrik: studium  |  Apr 24, 2008
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Rubrik: studium
Apr 24, 2008

USA

Politik aus der Nähe

Gestern Abend hatte ich Gelegenheit US-Politik aus der Nähe zu erfahren. Der letzten Oktober gewählte Bürgermeister von Philadelphia, Michael Nutter - ein Afroamerikaner - und ein Senator kamen in einem Klubhaus nicht weit von meiner Wohnung zusammen und debattierten über die Kandidatur von Barack Obama und Hillary Clinton. Ich ging zusammen mit zwei befreundeten Kommilitonen (ein Amerikaner und ein Bolivianer) dort hin. An der Straße schwenkten Anhänger beider Fraktionen ihre Schilder und die vorbeifahrenden Autos hupten im Takt. Da wir rechtzeitig ankamen fanden wir noch einen Platz in der ersten Reihe, direkt vor dem Podium. Insgesamt war die Stimmung recht familiär und heiter.

Natürlich kamen nur Demokraten zu diesem Treffen. Das liegt daran, dass nun einmal 90 Prozent der Bewohner dieses Stadtteils Demokraten sind und es um den Wahlkampf innerhalb der Partei ging.

Keineswegs abgehoben waren die beiden. Sie gaben sich Mühe die Fragen der Gäste zu beantworten. Anhänger Obamas vergleichen ihn mit Kennedy. Er wäre der erste liberale Präsident seit Kennedy. Hillarys Befürworter waren meist mit ihrem Ehemann sehr zufrieden und sehen in ihr die Repräsentantin des Bürgertums und der Frauen. Obama ist der wohl intellektuellere, der viele Randgruppen anspricht.

Manchen wird der Wahlkampf jetzt schon zu viel, dabei hat er noch gar nicht richtig angefangen: Die Wahlen sind erst im November. Im Moment streiten sich die Demokraten immer noch, wen sie ins Rennen schicken sollen.

Autor:   |  Rubrik: studium  |  Apr 17, 2008
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Rubrik: studium
Apr 17, 2008