interaktiv

Studieren im Ausland

Studieren auf Slowenisch

Autor:
Rose

Rubrik:
studium

27.02.2014

Im Gegensatz zu meinen Freunden in Freiburg, die jetzt ihre Semesterferien (offiziell natürlich „vorlesungsfreie Zeit“) genießen, hat bei mir am Montag die Uni begonnen. Studierst du dann auf Slowenisch? Haben mich zu Hause viele irritiert gefragt. Natürlich, schließlich gibt es an der Uni Freiburg am Seminar für Klassische Philologie auch keine Vorlesungen auf Englisch oder irgendeiner anderen Fremdsprache. Als ich hier ankam, war ich mir sicher, auf Gleichgesinnte zu treffen, doch auch hier erklärten mich die anderen Erasmus-Studis für verrückt, dass ich Kurse auf Slowenisch belegen will.

Die erste Woche habe ich jetzt überstanden und ja, zum Teil komme ich sehr schlecht mit. Vor allem, wenn die Professoren keine Visualisierung benutzen (sei es Folie, Tafel oder Power Point) und ich alles mit den Ohren aufnehmen muss. Und die meisten Kurse gehen hier über zwei Semester, das heißt, ich habe die Hälfte schon verpasst und steige mittendrin mit ein.

Die Krönung war mein Kurs zu mittelalterlichem Latein, der erst mal mit einem kleinen Test (90 Minuten) begann. Leider verstand ich weder die Fragen, noch wusste ich die Antworten, nachdem ich sie mithilfe meines Wörterbuchs übersetzt hatte. Etwas mehr Selbstvertrauen gab mir der Kurs zur griechischen Sprachgeschichte. Dort habe ich eigentlich alles verstanden, weil ich den Text kannte, den wir besprochen haben, und weil die Dozentin die Sprachphänomene anhand griechischer Beispielwörter erklärt und an die Tafel geschrieben hat. Denn auch die Aussprache der griechischen Wörter ist anders als in Deutschland.

Weil das Seminar so klein ist, freuen sich alle Professoren über Erasmus-Studierende, die sich Mühe geben, und ich muss nicht die slowenischen Klausuren mitschreiben, die die anderen absolvieren müssen, sondern darf entweder auf Englisch schreiben oder habe eine mündliche Prüfung (auch auf Englisch).

Ich bin also zuversichtlich, dass mir die Sitzungen etwas bringen werden. Schließlich halte ich nicht viel von der Lösung, die uns am historischen Seminar angetragen wurde: „Gehen Sie einfach zum Professor, der soll Ihnen ein Buch nennen, das Sie lesen, und am Ende gibt es dann eine mündliche Prüfung.“ Wie soll ich denn Menschen kennenlernen, wenn ich den ganzen Tag alleine Bücher lese? Und welcher Professor gibt zu, dass seine Lehrveranstaltung völlig irrelevant ist, und man auch einfach ein Buch über den Stoff lesen kann? Aber auch hier gehen sie davon aus, dass man eh kein Wort Slowenisch kann und daher dort nur seine Zeit absitzen würde.

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