interaktiv

Studieren im Ausland

Bürokratie in Brasilien

Autor:
Esther

Rubrik:
studium

09.07.2014

Zwei Tage, nachdem ich mit meinem Betreuer Jonathan im Kulturzentrum „Dragão do Mar“ gewesen war, rief mich Thais, meine andere Betreuerin an. „Nächste Woche fängt schon die Uni an. Um sich immatrikulieren zu können, muss man sich erst einmal im Rathaus melden”, erklärte sie mir. So verabredeten wir uns für den nächsten Tag früh morgens, um nicht all zu lange warten zu müssen. Als wir jedoch um kurz vor acht am Rathaus ankamen, wartete schon eine riesige Schlange vor den verschlossenen Türen. Es dauerte fast zwei Stunden, bis wir an der Reihe waren. Doch so hatten wir Zeit, uns zu unterhalten, und Thais erklärte mir das ganze Prozedere: „Du wirst hier als Ausländerin registriert und bekommst einen kleinen Ausweis mit einer Nummer. Das ist der RNE. Und dann wirst du noch als ganz normale Person, die hier in Brasilien lebt, mit ins Register aufgenommen. Die Nummer, die du hierfür erhalten wirst, ist der CPF. Beide Dokumente solltest du immer bei dir haben. Aber vor allem die Nummer des CPF wirst du oft brauchen. Wenn man zum Beispiel in einem Einkaufszentrum etwas kauft, wird man immer danach gefragt. Außerdem benötigst du diese beiden Dokumente, um zur Polizei zu gehen, wo du dein Visum beantragen musst. Und nicht nur dafür. Auch um dich in der Uni einzuschreiben, brauchst du den RNE und den CPF. Du siehst also, du hast noch einiges an Bürokratie vor dir.”

Schließlich wurden wir aufgerufen. Um mich registrieren zu können, brauchte ich meinen Pass, die Aufnahmebestätigung der Universität in Fortaleza, meine Adresse und schließlich die Namen und Geburtstage meiner Eltern. Das überraschte mich. In Deutschland hatte mich noch nie jemand in einer Behörde nach den Daten meiner Eltern gefragt. Thais sah mir mein Erstaunen an und sagte: „Ja, ich weiß! Alle Austauschstudierenden finden das komisch. Ich weiß auch nicht genau, wozu man die Angaben der Eltern braucht. Aber dafür sind hier alle immer total überrascht, dass viele von euch nur einen Nachnamen haben. In Brasilien hat so gut wie jeder zwei: Er setzt sich aus den Nachnamen der Mutter und des Vaters zusammen.“

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