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Studieren im Ausland

Die schönste Hauptsache der Welt: Essen und Trinken

Autor:
Manuel

Rubrik:
studium

01.08.2014

Eigentlich dreht sich ja doch alles darum: Ohne Essen verweigert unser Körper die Arbeit, und wie wir alle wissen, ist nach drei Tagen ohne Wasser das physikalische Ende in Sicht. Essen ist aber mehr als biologischer Zwang: es schmeckt, es erlaubt Ausflüchte, kulturelle Ausflüge, Kommunikation (Liebe geht ja bekanntlich durch den Magen), aber leider auch Störungen. Essen geht jeden an, auch dich! Und als soziale Größe ist Essen auch Plattform für Austausch. Ich stelle fest, dass sich alle meine Interessen darin vereinen: Ökologie, Soziologie und Wirtschaft. Ist die momentane Lage auf den Lebensmittelmärkten auf der Welt gerecht? Und kann man Natur und Kultur wirklich trennen?

Als ich an der Uni in Auckland „Future Bio und Food Economies“ belegte, arbeiteten wir aus sozialwissenschaftlicher Hinsicht auf, wie Essen all diese Funktionen erfüllt und man zum Beispiel mit einem verbesserten Label mehr Wertsteigerung erreicht, als durch wissenschaftliche Errungenschaften. Ich bemerkte, dass Vegetarismus eine Reduzierung von Treibhausgasemissionen beschleunigen würde und man sich als Umweltwissenschaftler dem nicht entziehen kann. Außerdem habe ich gelernt, dass Zucker- und Kaffeeimporte häufig als die Triebwerke für die industrielle Revolution bezeichnet werden.

Aber auch in meinem persönlichen Umfeld ist das Thema überall präsent. Mein Bruder geht auf ein ernährungswissenschaftliches Gymnasium und vertritt die Auffassung, dass vom Salat der Bizeps schrumpft und darum Proteine her müssen – Proteine, die wir zurzeit nicht gerade nachhaltig gewinnen. Ein Kumpel von mir wird nächstes Jahr ein Brauereistudium angehen und kann schon jetzt Vorträge über Whisky, Bier und das passende Essen halten. Immer mehr Leute erzählen mir, dass sie laktoseintolerant sind oder Gluten nicht vertragen. Von muslimischen und jüdischen Freunden bekomme ich dann die Bedeutung von „halal“ (laut Koran eraubte Lebensmittel) und „koscher“ (ebenfalls zum Verzehr erlaubte Lebensmittel) genauestens erklärt. Eine gute Freundin ernährt sich aus Überzeugung von Rohkost, Bio und Fastengetränken. Wiederum Freunde aus Freiburg berichten von der Volxküche (ein Event, bei dem man ein- bis mehrmals pro Woche gemeinsam kocht), dem Containern und Food Sharing als aktive soziale Handlungen gegen das derzeitige System. Es ist eine Form des Protests und ein Aufzeigen von Alternativen. Außerdem schickt mir Papa stolze Bilder von der Kartoffelernte, selbst gemachten Trünken und seinen Chillizüchtungen.

Zu guter Letzt fängt der Tag auch gleich viel besser an, wenn man den Kollegen Cookies zum Frühstück mitbringt. Und wenn ich einkaufen gehe könnte, ich stundenlang nach Herkunftsort, Herstellungsweise, Zusatzmittel, Verpackungsmaterialen und so weiter auf Etiketten forschen. Jedes Nahrungsmittel hat eine Geschichte zu erzählen – über den Ort, wo es herkommt.

Und manchmal muss man einfach nur zubeißen. Meinem usbekischen Mitbewohner kann ich nur sehr schwer erklären, was ich unter „Flexitarier sein“ verstehe, denn er besteht darauf, dass ich mindestens zwei Steaks und eine Wurst beim Grillen esse – denn bei ihm daheim ist es unhöflich, Essen oder Trinken auszuschlagen. In ein kulturelles Fettnäpfchen tritt man eben vor allem bei den Tischmanieren.

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