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Studieren im Ausland

Der frühe Vogel ...

Autor:
Esther

Rubrik:
studium

15.08.2014

Da mein erster Uni-Tag nicht so erfolgreich war, hoffte ich, dass es mir am zweiten besser ergehen würde. Ich kam 15 Minuten vor Seminarbeginn an der sozialwissenschaftlichen Fakultät an. Den Raum fand ich diese Mal auf Anhieb. Als ich ihn betrat, saß nur ein einziger Junge an einem der Tische. Er blickte auf und ich fragte ihn schüchtern, ob dies der Kurs „Die Entstehung der brasilianischen Gesellschaft“ sei. Er nickte lächelnd, woraufhin ich mich an einen Tisch zwei Plätze neben ihn setzte. Nach ein paar Minuten Stille fragte er mich, woher ich denn käme. Als ich ihm erzählte, dass ich eine Austauschstudentin aus Deutschland bin, war er völlig begeistert. „Wirklich? Ich dachte, du kommst aus Südbrasilien. Da gibt es ganz viele blonde Leute.“ Durch meinen Freiwilligendienst in Nicaragua hatte ich mich mittlerweile daran gewöhnt, als „blond“ bezeichnet zu werden, auch wenn ich in Deutschland ganz klar als brünett gelte. „Und du?“, fragte ich. „Kommst du aus Fortaleza?“ Er erzählte mir, dass er aus einer kleinen Stadt im Landesinneren des Bundesstaats Bahia käme und erst seit einer guten Woche in Fortaleza war. Davor hatte er in Cuiabá studiert, der Hauptstadt des Bundesstaats Mato Grosso. Als ich ihn fragte, wo genau das liegt, lachte er und antwortete, dass selbst viele Brasilianer nicht genau wüssten, wo das ist. „Ganz im Westen, fast schon an der Grenze zu Bolivien“, fügte er hinzu. „Aber es war so heiß dort, dass ich mich dazu entschloss, den Studienort zu wechseln.“ Da musste ich wiederum lachen, da ich bei den 35 Grad, die seit meiner Ankunft hier herrschten, eigentlich konstant am Schwitzen war. „Wenn du Fortaleza als kühl empfindest, dann muss es in Cuiabá ja wirklich unerträglich gewesen sein.“

Nach zehn Minuten kam es mir so vor, als ob Rapha, wie er sich mir später vorstellte, und ich uns schon seit Jahren kannten. Vielleicht lag es daran, dass wir beide ganz neu in der Stadt waren, noch niemanden kannten und uns dadurch von Anfang an miteinander verbunden fühlten. Ein paar Monate später erzählten wir unseren Familien: „Es war einfach Freundschaft auf den ersten Blick!“

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