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Studieren im Ausland

Vom Karma eins auf den Deckel bekommen

Heute habe ich wieder mal eine Lehrstunde in Sachen Vorurteil und Leichtgläubigkeit erhalten. Eigentlich bin ich immer diejenige, die predigt, dass man sich sein eigenes Bild von allem und jedem selbst machen soll, anstatt vorgefertigte Meinungen zu übernehmen. Aber genau mir ist das jetzt passiert. Als Helena und ich vor ein paar Wochen in unser Haus eingezogen sind, in dem auch noch andere Mieter wohnen, mit denen wir uns Küche, Wohnzimmer und Esszimmer teilen, hatten wir noch keinen Kühlschrank in unserem Zimmer. Die Vermieterin wollte sich darum kümmern und wir sollten derweil unser Essen im Gemeinschaftskühlschrank lagern. Daran bin ich ja aus meinen Aufenthalten in Hostels gewohnt, also war es kein Problem. Doch jeden Tag fehlte etwas. Mal eine Packung Toast, mal drei Joghurts, mal zwei Päckchen Schinken. Wir hatten einen Essensdieb! Als wir mal wieder ungläubig vor dem leeren Kühlschrankregal standen, sprach uns ein Student an, der im Stock unter uns wohnt, und wir haben ihm von unseren fehlenden Sachen erzählt. Er meinte, dass es ihm genauso ging und er sicher wisse, dass der Italiener aus Zimmer fünf der Dieb sei. Er habe ihn dabei schon erwischt. Als wir den besagten Mann zum ersten Mal sahen, glaubten wir die Geschichte dann sofort. Er trug einen abgewetzten Jogginganzug, roch stark nach Rauch, hatte eine gelbliche Hautfarbe und sprach nur gebrochenes Englisch. Jeden Tag blockierte er stundenlang die Küche und schwärzte jeden bei der Vermieterin an, der sein Geschirr nicht abwusch. Mit dem war sicher nicht gut Kirschen essen. Wir versuchten, ihm aus dem Weg zu gehen. Er war uns unheimlich, ja, wir ekelten uns sogar vor ihm und erzählten unseren Freunden, was das für ein komischer Kauz sei. Und wir waren froh, als wir endlich unseren eigenen Kühlschrank bekamen.

Heute schlug dann das Karma mit aller Gewalt zu. Ich war an der Reihe, die Dreckwäsche in den Waschsalon zu bringen und Essen einzukaufen. Halb zu Tode geschleppt und triefend nass vom strömenden irischen Regen, nahm ich gerade meine Wäsche aus der Trommel, als ein feiner Herr im Anzug den Salon betrat und sein Hemd aus der Reinigung abholte. Ich erschrak, als er mich grüßte und ich ihn erkannte. Es war der Italiener. Er fragte mich, ob er mich nach Hause fahren soll. Verwirrt stieg ich in sein Auto. Das sollte derselbe Typ sein, der in seinem vermoderten Jogginganzug unser Essen klaute? Es stellte sich heraus, dass sein Name Claudio ist, er hier in Dublin arbeitet und das Geld an seine Familie in Italien schickt. Er erzählte, dass er sich manchmal reicht einsam fühle. Sein großes Hobby sei das Kochen, weshalb er oft stundenlang am Herd stünde. Vor unserem Haus angekommen, bugsierte er meine Taschen aus dem Auto, trug sie ins Haus und verabschiedete sich. Er müsse wieder zur Arbeit, aber wir würden uns ja bestimmt heute Abend beim Kochen treffen.

Toll Sabrina, dachte ich, Claudio ist so ein netter Mensch, der einfach nur ein bisschen Anschluss sucht, sich aber mit seinem gebrochenen Englisch schwer tut. Er hat mich extra nach Hause gefahren, damit ich nicht im Gussregen auf den Bus warten muss. Vielleicht hat er dafür sogar Ärger mit seinem Boss riskiert. Und ich hatte nichts Besseres zu tun als ihn aufgrund einer Bemerkung sofort zu verurteilen und abzustempeln. Das ist mir hoffentlich eine Lehre, denn ich fühle mich richtig mies! Heute Abend koche ich definitiv für ihn mit! Und hoffentlich hat die Waschmaschine zur Strafe einen meiner Socken gefressen …

Autor: Sabrina  |  Rubrik: studium  |  Oct 1, 2014
Autor: Sabrina
Rubrik: studium
Oct 1, 2014

Studieren im Ausland

Jugend und Vielfalt

Eins der spannendsten Themen ist und bleibt die Rassendiskriminierung, die sich durch so viele Länder dieser Welt zieht, in Südafrika aber ein besonderes Ausmaß erfahren hat. Ich habe mich durch die 600-seitige Autobiographie von Nelson Mandela gewälzt, kurz darauf einen Ausflug nach Robben Island gemacht und den Film „Long Walk to Freedom“ gesehen. Das war ein kurzer Abstecher in die junge Geschichte des Landes und eine beeindruckende Demonstration der Ereignisse, die die Stimmung im Land auch heute noch prägen.

Ich bin unglaublich beeindruckt von Mandelas Weitsichtigkeit und seiner Fähigkeit zu vergeben. Sein andauernder Glaube an das Gute im Menschen fasziniert mich. Die Tatsache, dass er sein Leben dem Kampf für Freiheit und Gerechtigkeit gewidmet hat, inspiriert mich. Die ersten freien Wahlen fanden 1994 in Südafrika statt, also genau vor 20 Jahren. Die Szenen aus „Long Walk to Freedom“, die ein Südafrika vor der Schwelle zum Bürgerkrieg zeigen, schockieren mich. Wahnsinn, was für eine Entwicklung dieses Land in so kurzer Zeit durchgemacht hat. Die Menschen, die auf der Straße um Geld betteln, sind hier oftmals das Produkt eines unterdrückerischen Systems und nicht so sehr nur Folgen “unglücklicher Umstände”. Wie auch in Botswana und Namibia werde ich mir des Privilegs bewusst, einfach in ein Auto oder Flugzeug steigen und der Armut entfliehen zu können.

Autor: Luisa  |  Rubrik: studium  |  Sep 29, 2014
Autor: Luisa
Rubrik: studium
Sep 29, 2014

Studieren im Ausland

Mickey Mouse Degree?

Jetzt fuehle ich mich wieder heimisch im Klassenzimmer. Endlich bin ich weg von öden Statistiken über Marktwirtschaften in verschiedenen Ländern und wieder da, wo ich mich auskenne: In Kursen, wo man die Herkunft von Printmedien, von Funk und Fernsehen studiert. Und das Beste ist: Diese Kurse werden von echt lässigen Professoren gehalten. Während die VWL-Lehrer buchstäblich von Power-Point-Präsentationen ablesen, brauchen manche Media-Profs nicht einmal Notizen, um die Klasse zu unterrichten. Da werden Geschichten erzählt, es wird von Erfahrungen berichtet und Filme werden gezeigt. Außerdem erzählen sie viele Witze, um die Studierenden bei Laune zu halten.

Hier in den USA werden kommunikationswissenschaftliche und Medien- sowie Journalismus-Studiengänge gerne unter dem Begriff „Mickey Mouse Degree“ zusammengefasst. Das heißt, dass das Studium nicht besonders anspruchsvoll sei und man – je nach Laune des Dozenten – die guten Noten hinterhergeschmissen bekomme. Ich muss gestehen, ich hatte mit den Professoren immer großes Glück. Die Hausaufgaben haben immer Spaß gemacht und wurden großzügig benotet. Das lag aber meiner Meinung nach eher an meiner guten Arbeit und daran, dass die Professoren das zu schätzen wussten. In den VWL-Kursen gab es nur richtig oder falsch, während es in den Medienkursen eher darum geht, seine Meinung gut genug zu begründen. Wie auch immer, ich bin sehr froh, meinen Bachelorabschluss in einem Medien-Fach zu machen. für den Master kann ich dann ja immer noch ein angeseheneres Fach wählen.

Autor: Katharina  |  Rubrik: studium  |  Sep 29, 2014
Autor: Katharina
Rubrik: studium
Sep 29, 2014