interaktiv

Studieren im Ausland

Feindschaft und Vorurteile

Autor:
Esther

Rubrik:
studium

16.04.2015

Rafael konnte unglaublich gut Geschichten erzählen. Während der ganzen Autofahrt zum Strand unterhielten wir uns, und wenn er seine Eltern oder seine Chefin imitierte, konnten Rapha und ich uns kaum halten vor Lachen. Kurz bevor wir jedoch am Strand ankamen, schaute mich Rafael plötzlich ernst an und verunsicherte mich durch diesen plötzlichen Wechsel der Stimmung. Was war nur los? Ich merkte, dass ihm etwas unter den Nägeln brannte. „Ich bin schwul“, brachte er schließlich heraus. Ich konnte es nicht fassen. Warum sollte das ein Problem für mich sein? Ich hatte eher Angst, er würde mir gestehen, dass er Drogendealer ist. Deshalb lachte ich nur und winkte ab. Als er meine Reaktion sah, war er sichtlich erleichtert. Er erzählte mir, mit wie viel Feindschaft und Vorurteilen er deshalb schon zu tun hatte. Hier in Brasilien ist Homosexualität offenbar wirklich ein großes Problem. Einen Mitbewohner fand Rafael wohl auch deshalb nur schwer. Mehrere seiner Freundschaften sind deshalb schon in die Brüche gegangen und selbst sein eigener Vater weigert sich anzuerkennen, dass er und sein Bruder schwul sind. Gott sei Dank ist seine Mutter anders. Ihr kann er immerhin seine Freunde vorstellen. Ich fand die Geschichte unglaublich traurig und versicherte ihm, dass er sich meinetwegen keine Sorgen machen müsse. Wie es aussah, hatte ich den richtigen Ton getroffen und Rafael beruhigte sich. Dem Tag am Strand stand nun nichts mehr im Weg.

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