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Studieren im Ausland

Auf dem Pelourinho

Die Woche, die ich bei Alex in Salvador verbrachte, war einfach klasse! An meinem ersten Tag gingen wir zusammen mit seinem Mitbewohner Gilson und dessen Bruder Gilmar an einen wunderschönen, verlassenen Strand und machten dort ein Picknick. Mit 24 Grad und Sonnenschein hätte das Wetter dafür nicht besser sein können. Alex meinte, ich wäre zur perfekten Jahreszeit gekommen. Während es in Deutschland Hochsommer war, befanden wir uns in Brasilien im Winter. Doch in Salvador wird es, wie ich nun weiß, nie so richtig kalt. Das liegt an der Nähe zum Äquator. Abends zeigten mir die drei Jungs dann den „Pelourinho“, das historische Zentrum Salvadors, das mittlerweile Teil des Weltkulturerbes der UNESCO ist. Ich kannte die wunderschöne, im Kolonialstil gebaute Altstadt bereits von Fotos.

Zahlreiche Künstler verkauften dort ihre Werke, Straßenmusiker spielten Samba und eine Gruppe von Leuten übte  Capoeira. Als sie Alex und seine Freunde sahen, begrüßten sie die drei und luden sie ein, mit ihnen zu „spielen“ – wie es bezeichnet wird, wenn man Capoeira mit einem Partner praktiziert. Während die beiden Brüder sofort in den Kreis der Spielenden eintraten, blieb Alex mit mir ein paar Meter von ihnen entfernt stehen und erklärte mir, dass es sich dabei um „Capoeira Regional“ handelt, eine moderne Form, die mit den ursprünglichen Bewegungen viel Akrobatik verbindet. Er hingegen spiele „Capoeira Angola“, die traditionelle Form. Bereits als wir uns in Deutschland kennenlernten, hatte er mir von den beiden Arten erzählt, da er diesen Sport in einem Kulturzentrum in der Nähe von Erlangen selbst für ein Jahr unterrichtet hatte. Und so fand ich es unheimlich spannend, diese Mischung aus Kampf und Tanz einmal mitzuerleben.

Autor: Esther  |  Rubrik: studium  |  Oct 7, 2015
Autor: Esther
Rubrik: studium
Oct 7, 2015

Studieren im Ausland

(K)eine Perspektive

Während der gesamten Fahrt vom Flughafen zur Wohnung erzählte mir Alex von der Geschichte Brasiliens und der Situation der Bevölkerung. Er sprach von den sozialen Ungerechtigkeiten und dem historisch gewachsenen Rassismus, unter dem ein Großteil der Bevölkerung Salvadors leide. Ich war unglaublich überrascht, wie viel er über politische und geschichtliche Themen wusste. Als wir uns in Deutschland kennengelernt hatten, sprachen wir, zum Teil auch wegen der Sprachbarriere, nur über oberflächliche Dinge.

Der Stadtteil, in dem Alex und sein Mitbewohner Gilson lebten, war eines der ärmsten und gefährlichsten Viertel Salvadors. Alex beruhigte mich aber, dass ich mir keine Sorgen zu machen bräuchte, da Außenstehenden normalerweise nichts passieren würde. Meistens handelte es sich bei den Auseinandersetzungen um Bandenkriege. Fast alle Jungs, die mit Alex aufgewachsen und in seinem Alter waren, seien jetzt entweder tot oder im Gefängnis. Deshalb habe er fast nur ältere Freunde oder jüngere, so wie Gilson.

Ihn und seinen Bruder Gilmar lernte Alex im Jugendzentrum kennen, in dem er Capoeira und Jiu Jitsu unterrichtet. Dort versuchen sie die Kinder und Jugendlichen davon abzuhalten, sich kriminellen Banden anzuschließen. Die Realität sieht hier nämlich leider so aus, dass es für viele einfach die einzige Option ist. Das wollen die Mitarbeiter des Jugendzentrums ändern und ihnen eine Perspektive geben. Bei Gilson hat es schon funktioniert. Er macht dort jetzt einen Kamerakurs und möchte später Kameramann werden. Er glaubt fest an sich und weiß, dass er es schaffen kann.

Autor: Esther  |  Rubrik: studium  |  Oct 2, 2015
Autor: Esther
Rubrik: studium
Oct 2, 2015

Studieren im Ausland

Wieso Großbritannien zu mir passt

Nach einem gemütlichen Meeting fragte mich meine Kollegin im Vorbeigehen, wieso ich denn eigentlich in Großbritannien studiert hätte. Was sich fast vorwurfsvoll anhörte, meinte die gebürtige Irin eigentlich ganz anders. Für sie war es merkwürdig, einer gebührenfreien Schul- und Universitätsbildung zu entsagen und dann hierher zu kommen. Meine übliche Antwort, dass mir ein Freund erzählt hatte, man dürfe in Schottland als Europäer auch gebührenfrei studieren, schien mir nach vier Jahren nicht mehr angebracht. Wenn ich abgebrochen hätte, hätte ich ja Studiengebühren zahlen müssen und das neuseeländische Bildungssystem – inklusive Studiengebühren – habe ich ja auch genießen dürfen. Wieso bin ich dann also im Vereinigten Königreich geblieben und jetzt zum Praktikum wieder hier gelandet?

Mein anderes Argument, dass ich in Deutschland mein Studium vielleicht hingeschmissen hätte, weil doch alles sehr strikt und auf Prüfungen ausgelegt ist, schien auch nur ein Teil der Lösung zu sein. Aber ja, die Freiheiten, die ich während meines Studiums genießen durfte – hier mal Spanisch, da mal Thermodynamik, da mal Bauingenieurwesen zu studieren – waren schon ausschlaggebend. All diese Möglichkeiten, die ich mir erhoffte, als ich mich über das Studium und die Auslandsaufenthalte informierte, habe ich gut genutzt. Ich konnte weiterhin, anstatt mich zu spezialisieren, quasi ein Studium Generale und eine ausgedehnte Selbst-, Kultur- und Gesellschaftsfindung betreiben.

Meine Kollegin konnte das bestätigen, denn ihr Mann ist Italiener und hatte in seiner Heimat ebenfalls Schwierigkeiten, über den Bereich, in dem er sein Studium gemacht und schon Arbeitserfahrung gesammelt hat, hinaus zu kommen. Sie war auch der Meinung, hier auf der Insel wäre ein Quereinstieg im Vergleich zum Kontinent viel einfacher möglich. Es würde auch mehr Wert auf soziale Kompetenzen gelegt werden. Was ich in früheren Blogs, als Land voller Manager betitelte, bekam nun einen neuen Schleier aufgesetzt. Vielleicht war es ja doch gerade das, was mich wieder nach Großbritannien gebracht hat. Der Generalismus, das systematische Denken, die kulturellen Freiheiten, die Möglichkeiten und eine gewisse Akzeptanz meines Interesses überall ein wenig rein zu schnuppern.

Autor: Manuel  |  Rubrik: studium  |  Sep 30, 2015
Autor: Manuel
Rubrik: studium
Sep 30, 2015