interaktiv

Studieren im Ausland

Wieso Großbritannien zu mir passt

Autor:
Manuel

Rubrik:
studium

30.09.2015

Nach einem gemütlichen Meeting fragte mich meine Kollegin im Vorbeigehen, wieso ich denn eigentlich in Großbritannien studiert hätte. Was sich fast vorwurfsvoll anhörte, meinte die gebürtige Irin eigentlich ganz anders. Für sie war es merkwürdig, einer gebührenfreien Schul- und Universitätsbildung zu entsagen und dann hierher zu kommen. Meine übliche Antwort, dass mir ein Freund erzählt hatte, man dürfe in Schottland als Europäer auch gebührenfrei studieren, schien mir nach vier Jahren nicht mehr angebracht. Wenn ich abgebrochen hätte, hätte ich ja Studiengebühren zahlen müssen und das neuseeländische Bildungssystem – inklusive Studiengebühren – habe ich ja auch genießen dürfen. Wieso bin ich dann also im Vereinigten Königreich geblieben und jetzt zum Praktikum wieder hier gelandet?

Mein anderes Argument, dass ich in Deutschland mein Studium vielleicht hingeschmissen hätte, weil doch alles sehr strikt und auf Prüfungen ausgelegt ist, schien auch nur ein Teil der Lösung zu sein. Aber ja, die Freiheiten, die ich während meines Studiums genießen durfte – hier mal Spanisch, da mal Thermodynamik, da mal Bauingenieurwesen zu studieren – waren schon ausschlaggebend. All diese Möglichkeiten, die ich mir erhoffte, als ich mich über das Studium und die Auslandsaufenthalte informierte, habe ich gut genutzt. Ich konnte weiterhin, anstatt mich zu spezialisieren, quasi ein Studium Generale und eine ausgedehnte Selbst-, Kultur- und Gesellschaftsfindung betreiben.

Meine Kollegin konnte das bestätigen, denn ihr Mann ist Italiener und hatte in seiner Heimat ebenfalls Schwierigkeiten, über den Bereich, in dem er sein Studium gemacht und schon Arbeitserfahrung gesammelt hat, hinaus zu kommen. Sie war auch der Meinung, hier auf der Insel wäre ein Quereinstieg im Vergleich zum Kontinent viel einfacher möglich. Es würde auch mehr Wert auf soziale Kompetenzen gelegt werden. Was ich in früheren Blogs, als Land voller Manager betitelte, bekam nun einen neuen Schleier aufgesetzt. Vielleicht war es ja doch gerade das, was mich wieder nach Großbritannien gebracht hat. Der Generalismus, das systematische Denken, die kulturellen Freiheiten, die Möglichkeiten und eine gewisse Akzeptanz meines Interesses überall ein wenig rein zu schnuppern.

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