interaktiv

Studieren im Ausland

(K)eine Perspektive

Autor:
Esther

Rubrik:
studium

02.10.2015

Während der gesamten Fahrt vom Flughafen zur Wohnung erzählte mir Alex von der Geschichte Brasiliens und der Situation der Bevölkerung. Er sprach von den sozialen Ungerechtigkeiten und dem historisch gewachsenen Rassismus, unter dem ein Großteil der Bevölkerung Salvadors leide. Ich war unglaublich überrascht, wie viel er über politische und geschichtliche Themen wusste. Als wir uns in Deutschland kennengelernt hatten, sprachen wir, zum Teil auch wegen der Sprachbarriere, nur über oberflächliche Dinge.

Der Stadtteil, in dem Alex und sein Mitbewohner Gilson lebten, war eines der ärmsten und gefährlichsten Viertel Salvadors. Alex beruhigte mich aber, dass ich mir keine Sorgen zu machen bräuchte, da Außenstehenden normalerweise nichts passieren würde. Meistens handelte es sich bei den Auseinandersetzungen um Bandenkriege. Fast alle Jungs, die mit Alex aufgewachsen und in seinem Alter waren, seien jetzt entweder tot oder im Gefängnis. Deshalb habe er fast nur ältere Freunde oder jüngere, so wie Gilson.

Ihn und seinen Bruder Gilmar lernte Alex im Jugendzentrum kennen, in dem er Capoeira und Jiu Jitsu unterrichtet. Dort versuchen sie die Kinder und Jugendlichen davon abzuhalten, sich kriminellen Banden anzuschließen. Die Realität sieht hier nämlich leider so aus, dass es für viele einfach die einzige Option ist. Das wollen die Mitarbeiter des Jugendzentrums ändern und ihnen eine Perspektive geben. Bei Gilson hat es schon funktioniert. Er macht dort jetzt einen Kamerakurs und möchte später Kameramann werden. Er glaubt fest an sich und weiß, dass er es schaffen kann.

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