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Studieren im Ausland

Verlorene Zeit?

Nachdem ich beschlossen hatte, doch nicht gleich nach Köln zurückzukehren, sondern meine geplanten Reisen nach Nicaragua und nach Texas anzutreten, wies mich eine Freundin aus Deutschland darauf hin, dass ich doch damit noch ein Semester verlieren würde. Durch mein Auslandsjahr in Fortaleza verlor ich ja bereits Zeit, da mir in Köln nicht alle Kurse angerechnet werden konnten. Sie machte mir Angst, dass es in meinem Lebenslauf nicht gut aussehen würde, wenn ich mehrere Semester über die Regelstudienzeit hinaus studiere.

Doch in mir sträubte sich alles gegen diese Ansichten. Natürlich habe ich einiges während meines Studiums in Köln und hier in Fortaleza einiges gelernt. Ich habe interessante Texte gelesen und spannende Vorträge gehört. Doch die Diskussionen, die wirklich etwas in mir ausgelöst haben und mich zum kritischen Nachdenken angeregt haben, die habe ich allesamt außerhalb der Seminare und Vorlesungen geführt. Wie viel habe ich in den letzten Wochen, in denen die Uni gestreikt hat, über Politik diskutiert und über die Ursprünge und Auswirkungen des Rassismus in Brasilien gelernt?

In den vergangenen Monaten ist so viel passiert! Zudem habe ich immer noch meine zwölf Stunden Tanzunterricht pro Woche und treffe mich jeden zweiten Tag mit Andy, meinem Freund aus den Kapverden, um Kreol zu lernen. Mittlerweile verstehe ich beinahe alles ohne Probleme, wenn er mit mir spricht und kann auch schon das Meiste, was ich sagen will, zum Ausdruck bringen. Gelangweilt habe ich mich also die letzten Monate auch ohne die Uni keineswegs!

Wie kann mir also jemand sagen, dass diese Zeit „verloren“sei? Ich habe so viele Freundschaften, Diskussionen, Fähigkeiten und Wissen gewonnen! Und die Lücke im Lebenslauf – wie sie es genannt hatte? Die ist mir ziemlich egal. Ich möchte schließlich nicht mein ganzes Leben für den Lebenslauf leben. Auch deshalb beschloss ich, dass ich die restlichen drei Monate des Semesters als Gasthörerin an einigen Kursen teilnehmen und weiterhin wie gewohnt Kreol lernen und tanzen würde, um dann im Januar nach Nicaragua und anschließend weiter nach Texas zu fliegen.

Autor: Esther  |  Rubrik: studium  |  Nov 16, 2015
Autor: Esther
Rubrik: studium
Nov 16, 2015

Studieren im Ausland

Was sollte ich tun?

Seit knapp zwei Wochen bin ich von meiner Reise aus dem Bundesstaat Bahia zurück und endlich erreichte mich die Nachricht, dass die Professoren meiner Uni ihren Streik beenden. Eigentlich sollte mein zweites Semester an der UFC schon im August anfangen, nun verschiebt es sich. In den vergangenen Wochen habe ich immer wieder darüber nachgedacht, was das für mich bedeutet. Vor Monaten, als der Streik noch nicht begonnen hatte, habe ich nämlich ein Flugticket für den 7. Januar von Fortaleza nach Nicaragua gekauft. Da das Semester offiziell Anfang Dezember enden sollte, hätte ich noch genügend Zeit gehabt, mich von allen meinen Freunden in Brasilien zu verabschieden und meine Zeit hier entspannt ausklingen zu lassen. In Nicaragua möchte ich im Anschluss meine Gastfamilie und Freunde besuchen, die ich während meines Freiwilligen Sozialen Jahres kennengelernt habe. Anschließend will ich noch für drei Wochen nach Texas fliegen, wo ich 2005 ein Austauschjahr verbracht habe.

Nun wird das Semester jedoch erst Anfang März enden. Was soll ich nun tun? Soll ich die Flüge nach Nicaragua und Texas stornieren und direkt zurück nach Köln fliegen? Die Leute, die ich besuchen möchte, habe ich aber schon seit über zwei Jahren nicht mehr gesehen. Sie haben sich so gefreut, als ich ihnen erzählt habe, dass ich bald kommen werde. Schließlich weiß ich überhaupt nicht, wann ich das nächste Mal die Gelegenheit haben werde, sie zu besuchen. Je länger ich darüber nachdenke, desto deutlicher wird mir bewusst, dass ich diese Reise nicht stornieren will.

Autor: Esther  |  Rubrik: studium  |  Nov 9, 2015
Autor: Esther
Rubrik: studium
Nov 9, 2015

Studieren im Ausland

Bei der Familie meines besten Freundes

Mein Freund Rapha wurde eigentlich gar nicht in Vitória da Conquista geboren, sondern in einem kleinen Dorf, das circa. zwei Stunden entfernt lag. Erst als er auf eine weiterführende Schule ging, war er nach Vitória da Conquista zu seiner Schwester, die bereits Ende dreißig war, und zu seiner Nichte gezogen, die beide bei einer Großtante lebten. Die Stadt hat etwas über 250.000 Einwohner. Da es dort nicht so viele touristische Attraktionen gibt, verbrachten wir viel Zeit mit der Familie oder im Park und gingen abends mit anderen Freunden von Rapha weg. Seine Cousine Carol lieh mir zwei dicke Pullover und eine Jacke, weil es vor allem abends richtig kalt wurde. Vitória da Conquista liegt ziemlich genau an der Grenze zwischen dem Nord- und Südosten Brasiliens, sodass es im August frisch werden konnte. Wie damals auch schon in Rio hatte ich nicht damit gerechnet, dass es so kalt werden würde, und hatte aus Fortaleza nur ein paar langärmelige T-Shirts mitgebracht. Aber Carol meinte, dass ich hier zu Hause sei und sie mir, was auch immer ich bräuchte, leihen würde.

Nach einer Woche in Vitória da Conquista nahmen wir einen Bus und fuhren in das Dorf, in dem Rapha und Fa geboren waren. Es sei wirklich sehr klein und eigentlich gäbe es dort nicht viel zu tun, aber die Natur sei wirklich schön, und um sich etwas von der Großstadt zu erholen, sei es perfekt, erklärte mir Fa. Außerdem müsse ich ja seinen Heimatort und seine Mutter kennenlernen, fügte Rapha hinzu. Als wir dort ankamen, erwartete sie uns auch schon in der Tür stehend. Sie hatte zu unserer Begrüßung eine unglaublich leckere „Feijoada“ – einen Bohneneintopf, der als das Nationalgericht Brasiliens gilt – gekocht und umarmte mich herzlich. Auch sie sagte mir, ich solle mich wie zu Hause fühlen. Und das tat ich. Mit Rapha und Fa besuchte ich alle im Dorf zurückgebliebenen Freunde und wir unternahmen zusammen verschiedene Tagesausflüge; mal zu einem Wasserfall, mal auf die Fazenda eines Großonkels. Wie schon in Salvador verging auch hier im Süden der Bahia die Zeit schnell, und das Ende der Reise kam näher.

Autor: Esther  |  Rubrik: studium  |  Nov 2, 2015
Autor: Esther
Rubrik: studium
Nov 2, 2015