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Studieren im Ausland

Verlorene Zeit?

Autor:
Esther

Rubrik:
studium

16.11.2015

Nachdem ich beschlossen hatte, doch nicht gleich nach Köln zurückzukehren, sondern meine geplanten Reisen nach Nicaragua und nach Texas anzutreten, wies mich eine Freundin aus Deutschland darauf hin, dass ich doch damit noch ein Semester verlieren würde. Durch mein Auslandsjahr in Fortaleza verlor ich ja bereits Zeit, da mir in Köln nicht alle Kurse angerechnet werden konnten. Sie machte mir Angst, dass es in meinem Lebenslauf nicht gut aussehen würde, wenn ich mehrere Semester über die Regelstudienzeit hinaus studiere.

Doch in mir sträubte sich alles gegen diese Ansichten. Natürlich habe ich einiges während meines Studiums in Köln und hier in Fortaleza einiges gelernt. Ich habe interessante Texte gelesen und spannende Vorträge gehört. Doch die Diskussionen, die wirklich etwas in mir ausgelöst haben und mich zum kritischen Nachdenken angeregt haben, die habe ich allesamt außerhalb der Seminare und Vorlesungen geführt. Wie viel habe ich in den letzten Wochen, in denen die Uni gestreikt hat, über Politik diskutiert und über die Ursprünge und Auswirkungen des Rassismus in Brasilien gelernt?

In den vergangenen Monaten ist so viel passiert! Zudem habe ich immer noch meine zwölf Stunden Tanzunterricht pro Woche und treffe mich jeden zweiten Tag mit Andy, meinem Freund aus den Kapverden, um Kreol zu lernen. Mittlerweile verstehe ich beinahe alles ohne Probleme, wenn er mit mir spricht und kann auch schon das Meiste, was ich sagen will, zum Ausdruck bringen. Gelangweilt habe ich mich also die letzten Monate auch ohne die Uni keineswegs!

Wie kann mir also jemand sagen, dass diese Zeit „verloren“sei? Ich habe so viele Freundschaften, Diskussionen, Fähigkeiten und Wissen gewonnen! Und die Lücke im Lebenslauf – wie sie es genannt hatte? Die ist mir ziemlich egal. Ich möchte schließlich nicht mein ganzes Leben für den Lebenslauf leben. Auch deshalb beschloss ich, dass ich die restlichen drei Monate des Semesters als Gasthörerin an einigen Kursen teilnehmen und weiterhin wie gewohnt Kreol lernen und tanzen würde, um dann im Januar nach Nicaragua und anschließend weiter nach Texas zu fliegen.

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