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Studieren im Ausland

Etwas ausprobieren, das man in Deutschland nicht machen kann

Von einer Freundin aus meiner Folkloretanzgruppe „Oré Anacã“ hatte ich erfahren, dass das Kultur- und Kunstinstitut der „Universidade Federal do Ceará“ die fünfte „Mostra pro Dança“, eine Art Tanzfestival, organisieren würde, bei dem man verschiedene Workshops belegen konnte. Als sich die Nachricht in der Gruppe verbreitete, waren die meisten so begeistert, dass wir nach den drei Stunden Training noch eine weitere Stunde blieben, um zu diskutieren, bei welchen Workshops wir teilnehmen sollten.

Ich merkte, dass es gar nicht so einfach war, für die Workshops Zeit in meinem Terminkalender zu finden, da ich ja auch noch dreimal pro Woche meinen Kreolunterricht hatte und zwei weitere Kurse, die jeweils zweimal pro Woche stattfanden, als Gasthörerin besuchte. Einer der Kurse war ein Anthropologie-Seminar zur brasilianischen Kultur am sozialwissenschaftlichen Institut, und obwohl ich nur Gasthörerin war, versuchte ich natürlich, alle Texte zu lesen, um den Inhalt des Seminars auch wirklich zu verstehen. Der andere Kurs („Die Lehre des Tanzes“) fand im Sportinstitut statt, in dem auch meine Tanzgruppe trainierte. Zwar hatte dieses Seminar gar nichts mit meinem eigentlichen Studiengang „Regionalstudien Lateinamerika und Sozialwissenschaften“ zu tun, doch interessierte er mich sehr, da ich bereits als Jugendliche öfter meine Tanzlehrerin vertreten hatte und an einer Hauptschule Tanz unterrichtet hatte.

Schließlich entschied ich, mich für zwei Workshops anzumelden, die übersetzt so viel hießen wie „Rhythmen brasilianischer Folklore“ und „Brasilianischer Stepptanz“. Zwar hatte ich auch Lust, endlich mal wieder Ballett und Jazz zu tanzen, doch dachte ich mir, dass ich schon früh genug wieder in Deutschland sein und in meinem Tanzstudio genau diese Kurse belegen würde. So wollte ich lieber etwas typisch Brasilianisches ausprobieren, was ich in Köln nicht so leicht finden konnte.

Autor: Esther  |  Rubrik: studium  |  Nov 20, 2015
Autor: Esther
Rubrik: studium
Nov 20, 2015

Studieren im Ausland

Ich hätte gerne dein Leben

Das Online-Festival „Disruptive Innovation Festival“ hat begonnen. Über drei Wochen haben wir Unternehmer, Kreative, Wortführer, Lernende und Machende eingeladen, um sich über verschiedene Formate auszutauschen und sich mit der Frage zu beschäftigen: Die Wirtschaft ändert sich – was muss ich wissen, erfahren und tun?

Für mich und meine Kollegen bedeutet das, Live-Webinare vor der Webcam in unserem kleinen Studio zu hosten und organisatorisch alles beisammen zu halten – mit jeder Menge Google Documents und anderen geteilten Daten in der Cloud. Technologisch ist das eine tolle Erfahrung, die meiner Meinung nach nur von den Beiträgen übertrumpft wird, die von personalisierenden Algorithmen, Internet of Things oder Blockchains (das ist die Technologie, auf der Bitcoins basieren) handeln. Um das alles zu organisieren, sitze ich gute zehn Stunden am Tag vorm Computer. Klingt das für euch gut?

Bei der Betriebsfeier im Supermarkt, in dem ich nebenbei arbeite, sagte mir meine Chefin beim ernsthaften, leicht angetrunkenen Gespräch auf dem Tanzparkett ins Gesicht, dass sie es toll finde, was ich tue und sie gerne mein Leben hätte. Einfach tun, was einem so gerade in den Kopf kommt. Reisen, in einem anderen Land studieren, Erfahrungen sammeln und nicht auf einer Insel feststecken. Aber das würde sich ändern, sobald sie ihren Freund, der ebenfalls im Supermarkt Manager ist, nächstes Jahr heiraten wird und die beiden dann höchstwahrscheinlich wegziehen werden.

Der Auslöser für dieses Gespräch war wahrscheinlich, dass ich mit einer Kollegin aus Ghana rhythmisch getanzt hatte und meine Chefin vielleicht neidisch wurde auf meine Fähigkeit, Loszulassen. Wir hatten einfach Spaß mit Respekt und Rücksicht auf andere. Nichtsdestotrotz macht es mich eigentlich immer eher ein wenig traurig, wenn ich Gedanken wie diese von anderen Leuten höre. Wahrscheinlich weil ich niemandem etwas vorschreiben oder vorleben möchte. Nur weil jemand nicht studiert hat oder noch nicht in zwanzig Länder gereist ist, macht das keinen schlechteren Menschen aus ihm. Aber das ist natürlich immer schwer zu kommunizieren. Mehr dazu im nächsten Blog.

Autor: Manuel  |  Rubrik: studium  |  Nov 18, 2015
Autor: Manuel
Rubrik: studium
Nov 18, 2015

Studieren im Ausland

Verlorene Zeit?

Nachdem ich beschlossen hatte, doch nicht gleich nach Köln zurückzukehren, sondern meine geplanten Reisen nach Nicaragua und nach Texas anzutreten, wies mich eine Freundin aus Deutschland darauf hin, dass ich doch damit noch ein Semester verlieren würde. Durch mein Auslandsjahr in Fortaleza verlor ich ja bereits Zeit, da mir in Köln nicht alle Kurse angerechnet werden konnten. Sie machte mir Angst, dass es in meinem Lebenslauf nicht gut aussehen würde, wenn ich mehrere Semester über die Regelstudienzeit hinaus studiere.

Doch in mir sträubte sich alles gegen diese Ansichten. Natürlich habe ich einiges während meines Studiums in Köln und hier in Fortaleza einiges gelernt. Ich habe interessante Texte gelesen und spannende Vorträge gehört. Doch die Diskussionen, die wirklich etwas in mir ausgelöst haben und mich zum kritischen Nachdenken angeregt haben, die habe ich allesamt außerhalb der Seminare und Vorlesungen geführt. Wie viel habe ich in den letzten Wochen, in denen die Uni gestreikt hat, über Politik diskutiert und über die Ursprünge und Auswirkungen des Rassismus in Brasilien gelernt?

In den vergangenen Monaten ist so viel passiert! Zudem habe ich immer noch meine zwölf Stunden Tanzunterricht pro Woche und treffe mich jeden zweiten Tag mit Andy, meinem Freund aus den Kapverden, um Kreol zu lernen. Mittlerweile verstehe ich beinahe alles ohne Probleme, wenn er mit mir spricht und kann auch schon das Meiste, was ich sagen will, zum Ausdruck bringen. Gelangweilt habe ich mich also die letzten Monate auch ohne die Uni keineswegs!

Wie kann mir also jemand sagen, dass diese Zeit „verloren“sei? Ich habe so viele Freundschaften, Diskussionen, Fähigkeiten und Wissen gewonnen! Und die Lücke im Lebenslauf – wie sie es genannt hatte? Die ist mir ziemlich egal. Ich möchte schließlich nicht mein ganzes Leben für den Lebenslauf leben. Auch deshalb beschloss ich, dass ich die restlichen drei Monate des Semesters als Gasthörerin an einigen Kursen teilnehmen und weiterhin wie gewohnt Kreol lernen und tanzen würde, um dann im Januar nach Nicaragua und anschließend weiter nach Texas zu fliegen.

Autor: Esther  |  Rubrik: studium  |  Nov 16, 2015
Autor: Esther
Rubrik: studium
Nov 16, 2015