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USA

Bewerben und Bangen

Autor:

Rubrik:
studium

05.09.2008

Da staunte ich nicht schlecht, als ich mich in den USA auf den Internetseiten verschiedener deutscher Unis umschaute. Philosophie wollte ich studieren, und vor einem Jahr verließ ich Deutschland noch mit dem Glauben, für so ein Studium könne man sich einfach einschreiben, wo man wollte. Schließlich, so dachte ich, braucht man für das Studium der Philosophie keine Labore oder andere teure Einrichtungen. Den Unis müsste es also egal sein, ob da ein paar Studenten mehr oder weniger kämen. Falsch gedacht. Für das Wintersemester 2007/08 nahm die Freie Universität Berlin zum Beispiel nur Studieninteressierte mit einer Durchschnittsnote von 1,8 und besser auf. An der Humboldt-Universität in Berlin war man sogar noch strenger.

In der Hoffnung im kommenden Semester könnten sich vielleicht weniger Leute bewerben und ich würde dann auch mit meinem Abi-Schnitt von 2,3 genommen, bewarb ich mich trotzdem dort - aufgrund der Unsicherheit aber auch an anderen Unis. In München an der Ludwig-Maximilians-Universität, so fand ich heraus, würde man nicht auf zwei Ziffern reduziert. Hier soll man ein Motivationsschreiben verfassen, woraufhin man zu einem Gespräch mit einem der Philosophieprofessoren eingeladen wird. Der Gedanke in München zu studieren gefiel mir zwar nicht so sehr, die „humanere" Behandlung aber dafür umso mehr.

Kurzum setzte ich mich an den Computer und schrieb mit großem Vergnügen an einem zweiseitigen Motivationsschreiben. Warum bin ich für das Studium der Philosophie geeignet und warum gerade in München? Das, so hieß es auf der Internetseite, solle Leitfaden des Schreibens sein. Für Letzteres fiel mir nicht so viel ein, für Ersteres aber umso mehr. Nach eineinhalb Stunden hatte ich eine erste Version. Ich schrieb, dass mir das Lernen viel Freude macht, dass sich durch meine vielen Reisen mein Horizont erweitert hat und dass ich schon den einen oder anderen Philosophen gelesen hätte. Das war Mitte Juli. Wenige Wochen darauf trat ich meine Rückreise nach Deutschland an. Und kurz nach meiner Rückkehr flatterte auch ein Brief aus München ins Haus - die erwartete Einladung zum Gespräch!

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