interaktiv

Studieren im Ausland

In Brügge

Autor:
Luisa

Rubrik:
studium

05.10.2017

Als ich mit dem Auto zum ersten Mal nach Brügge reingefahren bin, war ich ein bisschen schockiert. So kleinstädtisch hatte ich mir das nicht vorgestellt. Es sah aus, als wären an diesem Montagmittag die Bürgersteige hochgeklappt worden. Innerhalb des Rings von Brügge wurde dieses Bild dann von alten flämischen Gebäuden und Touristenströmen abgelöst, aber mein (Großstadt-)Herz hat ganz schön gepocht: Hier soll ich für zehn Monate leben?!
Auf dem Empfang vom College of Europe habe ich neugierige andere Studierende begrüßt und eine kurze Einführung bekommen, bevor ich erfahren habe, in welchem Studentenwohnheim ich wohnen werde, kurzum: was mein neues Zuhause wird. Die Residenz liegt in einer ruhigen Nebenstraße fernab des Touristentrubels, hat 47 Zimmer und zwei Fahrradschuppen. Mein Zimmer ist klein. Nachdem ich alle Möbel verschoben hatte, ging es schon ein bisschen besser. Aber an das Leben in einem Studentenwohnheim muss ich mich noch gewöhnen.
Genauso wie an vieles hier in Brügge: an die Tatsache, dass es (nur) zu festen Uhrzeiten Essen gibt, denn kochen dürfen wir hier nicht. An die Tatsache, dass ich, damit ich auch samstags Müsli zum Frühstück bekomme, erst zur Residenz-Lady, dann zum Facility Manager und dann zu den Studentenvertretern gehen muss. An die Tatsache, dass ich von nun an bei jeder Mahlzeit von vielen Leuten umgeben sein werde. Und die Tatsache, dass ich für kaum einen Weg mit dem Fahrrad länger als zehn Minuten brauche – aber an diese Neuheit werde ich mich schnell gewöhnen.
Was ich sofort mochte: So viel auf Französisch und Englisch zu reden. Mehr über die Europäische Union und andere Nationen zu lernen. Mal einen Aufsatz zu schreiben und kein Gutachten. Überall fremde Sprachen und neue Geschichten zu hören.
Aber eine Woche reicht definitiv nicht, um sich hier angekommen zu fühlen. Es überforderte mich, in der Einführungswoche 150 Menschen aus 52 Nationen auf einen Schlag kennenzulernen. Aber nachdem ich mein Zimmer mit meiner Deko und Bildern ausgestattet habe, fühle ich mich darin nun doch wohl. Und das ist beruhigend: Dass mir ein paar Dinge genügen, damit ich mich irgendwo zuhause fühlen kann.

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