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Studieren im Ausland

Bilder einer neuen Stadt

Autor:
Lea

Rubrik:
studium

17.10.2017

An drei Tagen der Woche beginnt mein Unterricht im französischen Rennes, wo ich im deutsch-französischen Studiengang der Politikwissenschaften studiere, um acht Uhr morgens. Ich stelle – wie zu Schulzeiten – meinen Wecker auf sechs oder halb sieben. Zu dieser Zeit ist es noch stockfinster. Das Fenster unserer WG zeigt nach Osten und wenn der Himmel über Rennes sich ausnahmsweise einmal unbedeckt präsentiert, kann ich zusehen, wie der letzte Stern erlischt und der Horizont sich langsam erhellt. An manchen Tagen bleibt einfach alles grau. Es ist schwer abzuschätzen, wie das Wetter wird – die Bretagne verhält sich in dieser Hinsicht sehr launisch.
Die Bretonen sind daran gewöhnt. Im wahrsten Sinne des Wortes mit allen Wassern gewaschen, scheint sie der typische feine Nieselregen dieser Region, „crachin breton“ genannt, kaum zu stören. Sie laufen sie sogar im T-Shirt durch die Stadt, während ich meinen Schal ins Gesicht ziehe. Tatsächlich sind die Tropfen so klein und zahlreich, dass man sie gar nicht mehr spürt. Nach einiger Zeit ist man aber trotzdem nass. Ich bin wild entschlossen, der Feuchtigkeit zu trotzen und fahre trotzdem jeden Morgen mit dem Fahrrad zur Uni. Mal sehen, wie lange ich das noch durchhalte, denn mit durchweichten Hosen in einem kalten Hörsaal zu sitzen, ist extrem unangenehm.
Viele dieser kleinen Unterschiede zum Alltag in Eichstätt fallen mir nach und nach auf. Das frühe Aufstehen zum Beispiel: In Deutschland begann mein frühester Kurs um zehn Uhr und dank der maximal zwei Minuten Fußweg zur Uni musste ich erst eine halbe Stunde vorher aufstehen. In Rennes hingegen wohne ich am Stadtrand, mit dem Fahrrad eine viertel Stunde vom Zentrum entfernt. Die Stadt ist mit ihren etwa 200.000 Einwohnern deutlich größer als Eichstätt, doch mit dem Fahrrad oder den öffentlichen Verkehrsmitteln kommt man dennoch schnell von A nach B. Das Busnetz ist gut ausgebaut und auch eine U-Bahnlinie zieht sich quer unter Rennes hindurch, eine zweite ist im Bau. Rennes ist eine sehr studentisch geprägte Stadt, was man spätestens dann bemerkt, wenn man einmal einen Donnerstagabend an den Plätzen „Sainte-Anne“ und „des Lices“ und in der sie verbindenden „Rue de la soif“, zu Deutsch „Straße des Dursts“, verbracht hat. Doch das ist es, was diese Stadt so lebendig macht, auch kulturell.
Wenn ich also durch die morgendlichen Straßen fahre, umgibt mich eine erwachende Stadt, die einiges an Geschichte birgt, von der die altehrwürdigen kleinen Villen, Fachwerkhäuser und Verwaltungsgebäude zeugen. Es herrscht zwar viel Verkehr, aber es gibt Bemühungen zur Erhaltung und Schaffung von Grünflächen, Alleen und Parkanlagen und ich profitiere von den vielen Fahrradwegen. Und ich sehe die Menschen, darunter viele junge Leute, die zu dem beitragen was diese Stadt zu bieten hat.
Ich glaube ich werde mir eine Regenhose besorgen und trotz dem Wetter weiterhin mit dem Fahrrad zur Uni fahren.

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