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Studieren im Ausland

Buffet der Sprachen

Mein Tag in Brügge fängt, wie für fast jeden, mit dem Klingeln des Weckers an. Doch schon kurz nach dem Aufstehen wird es anders: Ich sitze jeden Tag mit Personen am Tisch, die aus vielen verschiedenen Ländern kommen. Ich höre Deutsch, Englisch, Französisch, Italienisch, Spanisch, Russisch – und das schon zum Frühstück.
Dann schwinge ich mich aufs Fahrrad und düse zu einem der zwei College-Gebäude in Brüssel. Entweder geht es an wunderschönen Kanälen entlang und durch ruhige Gassen nach Verversdijk, oder ich kämpfe mich durch die Touristenströme am Großen Markt nach Dijver. Wo ich am Vormittag bin, bestimmt meine Route am Mittag: Gibt es wieder Kanäle und Touristen auf Bootstouren zu sehen oder muss ich nur einmal kurz eine Straße hinablaufen?
Ein Gefühl bleibt jedoch immer gleich: Die „Angst“ vor der Schlange. Unsere Kantine stammt nämlich anscheinend aus den 50er oder 60er Jahren, als es nur 100 Studierende hier am Europakolleg gab. Inzwischen sind wir 350 – aber es gibt weiterhin nur eine Essensausgabe und eine Kasse. Da sind nervige Wartezeiten von 20 Minuten schon mal drin. Dafür habe ich hier die Möglichkeit, neue Leute kennenzulernen. Will ich mich entspannen und nur Deutsch reden? Oder mich zum Beispiel mit einem extrovertierten Spanier unterhalten? Jeder Tag ist anders, aber immerhin traue ich mich inzwischen, mich mit den Franzosen auf Französisch zu unterhalten.
Nach dem Mittagessen geht es weiter, entweder mit Diskussionsrunden, Tutorials, Vorlesungen oder einer Leserunde in der Bibliothek. Jede Woche bekommen wir einen neuen Stundenplan. Manchmal haben wir 30 Stunden Vorlesungen pro Woche, manchmal nur zehn. Manchmal ist sogar samstags Unterricht, manchmal nur an vier Tagen pro Woche. Ich mag Strukturen sehr und muss mit so wenig Konstanz erst mal klarkommen. Ein Grund dafür, dass ich noch immer keine Lernstruktur habe und auf den großen Knall vor der Klausurphase warte.
Abends kommt, wenn man nicht das Pech von einem spätabendlichen Kurs hat, die Qual der Wahl des Abendprogramms: Entspannt mit Leuten einen Tee trinken; mit der Aussicht auf wenig Schlaf in eine Bar mitgehen; oder den vielen Leuten entfliehen und sich einen ruhigen Abend zu Hause machen? Eines ist sicher: Langweilig wird mir hier nicht.

Autor: Luisa  |  Rubrik: studium  |  Oct 18, 2017
Autor: Luisa
Rubrik: studium
Oct 18, 2017

Studieren im Ausland

Bilder einer neuen Stadt

An drei Tagen der Woche beginnt mein Unterricht im französischen Rennes, wo ich im deutsch-französischen Studiengang der Politikwissenschaften studiere, um acht Uhr morgens. Ich stelle – wie zu Schulzeiten – meinen Wecker auf sechs oder halb sieben. Zu dieser Zeit ist es noch stockfinster. Das Fenster unserer WG zeigt nach Osten und wenn der Himmel über Rennes sich ausnahmsweise einmal unbedeckt präsentiert, kann ich zusehen, wie der letzte Stern erlischt und der Horizont sich langsam erhellt. An manchen Tagen bleibt einfach alles grau. Es ist schwer abzuschätzen, wie das Wetter wird – die Bretagne verhält sich in dieser Hinsicht sehr launisch.
Die Bretonen sind daran gewöhnt. Im wahrsten Sinne des Wortes mit allen Wassern gewaschen, scheint sie der typische feine Nieselregen dieser Region, „crachin breton“ genannt, kaum zu stören. Sie laufen sie sogar im T-Shirt durch die Stadt, während ich meinen Schal ins Gesicht ziehe. Tatsächlich sind die Tropfen so klein und zahlreich, dass man sie gar nicht mehr spürt. Nach einiger Zeit ist man aber trotzdem nass. Ich bin wild entschlossen, der Feuchtigkeit zu trotzen und fahre trotzdem jeden Morgen mit dem Fahrrad zur Uni. Mal sehen, wie lange ich das noch durchhalte, denn mit durchweichten Hosen in einem kalten Hörsaal zu sitzen, ist extrem unangenehm.
Viele dieser kleinen Unterschiede zum Alltag in Eichstätt fallen mir nach und nach auf. Das frühe Aufstehen zum Beispiel: In Deutschland begann mein frühester Kurs um zehn Uhr und dank der maximal zwei Minuten Fußweg zur Uni musste ich erst eine halbe Stunde vorher aufstehen. In Rennes hingegen wohne ich am Stadtrand, mit dem Fahrrad eine viertel Stunde vom Zentrum entfernt. Die Stadt ist mit ihren etwa 200.000 Einwohnern deutlich größer als Eichstätt, doch mit dem Fahrrad oder den öffentlichen Verkehrsmitteln kommt man dennoch schnell von A nach B. Das Busnetz ist gut ausgebaut und auch eine U-Bahnlinie zieht sich quer unter Rennes hindurch, eine zweite ist im Bau. Rennes ist eine sehr studentisch geprägte Stadt, was man spätestens dann bemerkt, wenn man einmal einen Donnerstagabend an den Plätzen „Sainte-Anne“ und „des Lices“ und in der sie verbindenden „Rue de la soif“, zu Deutsch „Straße des Dursts“, verbracht hat. Doch das ist es, was diese Stadt so lebendig macht, auch kulturell.
Wenn ich also durch die morgendlichen Straßen fahre, umgibt mich eine erwachende Stadt, die einiges an Geschichte birgt, von der die altehrwürdigen kleinen Villen, Fachwerkhäuser und Verwaltungsgebäude zeugen. Es herrscht zwar viel Verkehr, aber es gibt Bemühungen zur Erhaltung und Schaffung von Grünflächen, Alleen und Parkanlagen und ich profitiere von den vielen Fahrradwegen. Und ich sehe die Menschen, darunter viele junge Leute, die zu dem beitragen was diese Stadt zu bieten hat.
Ich glaube ich werde mir eine Regenhose besorgen und trotz dem Wetter weiterhin mit dem Fahrrad zur Uni fahren.

Autor: Lea  |  Rubrik: studium  |  Oct 17, 2017
Autor: Lea
Rubrik: studium
Oct 17, 2017

Studieren im Ausland

In Brügge

Als ich mit dem Auto zum ersten Mal nach Brügge reingefahren bin, war ich ein bisschen schockiert. So kleinstädtisch hatte ich mir das nicht vorgestellt. Es sah aus, als wären an diesem Montagmittag die Bürgersteige hochgeklappt worden. Innerhalb des Rings von Brügge wurde dieses Bild dann von alten flämischen Gebäuden und Touristenströmen abgelöst, aber mein (Großstadt-)Herz hat ganz schön gepocht: Hier soll ich für zehn Monate leben?!
Auf dem Empfang vom College of Europe habe ich neugierige andere Studierende begrüßt und eine kurze Einführung bekommen, bevor ich erfahren habe, in welchem Studentenwohnheim ich wohnen werde, kurzum: was mein neues Zuhause wird. Die Residenz liegt in einer ruhigen Nebenstraße fernab des Touristentrubels, hat 47 Zimmer und zwei Fahrradschuppen. Mein Zimmer ist klein. Nachdem ich alle Möbel verschoben hatte, ging es schon ein bisschen besser. Aber an das Leben in einem Studentenwohnheim muss ich mich noch gewöhnen.
Genauso wie an vieles hier in Brügge: an die Tatsache, dass es (nur) zu festen Uhrzeiten Essen gibt, denn kochen dürfen wir hier nicht. An die Tatsache, dass ich, damit ich auch samstags Müsli zum Frühstück bekomme, erst zur Residenz-Lady, dann zum Facility Manager und dann zu den Studentenvertretern gehen muss. An die Tatsache, dass ich von nun an bei jeder Mahlzeit von vielen Leuten umgeben sein werde. Und die Tatsache, dass ich für kaum einen Weg mit dem Fahrrad länger als zehn Minuten brauche – aber an diese Neuheit werde ich mich schnell gewöhnen.
Was ich sofort mochte: So viel auf Französisch und Englisch zu reden. Mehr über die Europäische Union und andere Nationen zu lernen. Mal einen Aufsatz zu schreiben und kein Gutachten. Überall fremde Sprachen und neue Geschichten zu hören.
Aber eine Woche reicht definitiv nicht, um sich hier angekommen zu fühlen. Es überforderte mich, in der Einführungswoche 150 Menschen aus 52 Nationen auf einen Schlag kennenzulernen. Aber nachdem ich mein Zimmer mit meiner Deko und Bildern ausgestattet habe, fühle ich mich darin nun doch wohl. Und das ist beruhigend: Dass mir ein paar Dinge genügen, damit ich mich irgendwo zuhause fühlen kann.

Autor: Luisa  |  Rubrik: studium  |  Oct 5, 2017
Autor: Luisa
Rubrik: studium
Oct 5, 2017