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Studieren im Ausland

Die Herausforderungen des Kollegs

In meinem Studium am Europakolleg muss ich einige Herausforderungen meistern. Ein kleiner Überblick:

1. Neulich in der „Droit institutionnel de l’Union Européenne“-Vorlesung, also der zum institutionellen Recht der EU. Zwar spricht der Professor einigermaßen langsam, aber auf Französisch zuhören und mitschreiben gleichzeitig geht nicht. Dann schreibe ich halt auf Deutsch mit. Und nutze die weitläufigen Exkurse des Professors, um meinem Gehirn zwischendurch eine Pause zu genehmigen.

2.Sich nicht davon stressen lassen, dass alle (Franzosen) in der Vorlesung wie verrückt mittippen – kriegen die nicht Muskelkater in den Fingern?

3. Einen politikwissenschaftlichen Aufsatz schreiben. Nicht nur, dass ich seit der Schule keinen Aufsatz mehr geschrieben habe (Gutachten zählen nicht), auch die Struktur am Kolleg ist mir noch nicht so ganz klar. Was ist der Unterschied zwischen dem Thema, das mir gegeben wird, der Untersuchungsfrage und der Hypothese? Was soll ich alles genau erklären und was ist überflüssig? Der Tipp von meinem akademischen Assistenten, das Paper so zu schreiben, als würde ich es an einen Politikwissenschaftler adressieren, bringt mir auch nichts. Ich bin doch Juristin!

4. Mit einem Spanier, einem Italiener, einem Portugiesen und einer Französin einen Vorschlag für die wirtschaftspolitische Ausrichtung von einem kleinen, europäischen Staat schreiben.

5. Mich zwischen den vielen Studentengruppen entscheiden. Will ich lieber mit der Umweltgruppe die Welt retten, über Menschenrechte oder die Zukunft diskutieren, an meinen Debattierfähigkeiten arbeiten, tanzen lernen, Restaurants ausprobieren, im Chor teilnehmen oder dem Romanclub beitreten?

6. Am Tag gefühlt eintausend Mal zwischen Französisch, Englisch und Deutsch wechseln.

7. Ein Thema für die Masterarbeit finden. Ich habe doch grade erst hier angefangen, und gerade erst zu Politikwissenschaften gewechselt, und beschäftige mich doch gerade erst seit langem wieder ausführlicher mit dem Thema Europa! Und woher soll ich wissen, ob das Thema zu groß oder zu klein ist für eine Masterarbeit? Ob ich damit wirklich (wenn auch nur ein klitzekleines bisschen) etwas Neues zur Literatur beitragen kann?

8. Immer wieder neue Leute kennenlernen und Smalltalk führen. Und Namen nicht vergessen!

Autor: Luisa  |  Rubrik: studium  |  Oct 23, 2017
Autor: Luisa
Rubrik: studium
Oct 23, 2017

Studieren im Ausland

Buffet der Sprachen

Mein Tag in Brügge fängt, wie für fast jeden, mit dem Klingeln des Weckers an. Doch schon kurz nach dem Aufstehen wird es anders: Ich sitze jeden Tag mit Personen am Tisch, die aus vielen verschiedenen Ländern kommen. Ich höre Deutsch, Englisch, Französisch, Italienisch, Spanisch, Russisch – und das schon zum Frühstück.
Dann schwinge ich mich aufs Fahrrad und düse zu einem der zwei College-Gebäude in Brüssel. Entweder geht es an wunderschönen Kanälen entlang und durch ruhige Gassen nach Verversdijk, oder ich kämpfe mich durch die Touristenströme am Großen Markt nach Dijver. Wo ich am Vormittag bin, bestimmt meine Route am Mittag: Gibt es wieder Kanäle und Touristen auf Bootstouren zu sehen oder muss ich nur einmal kurz eine Straße hinablaufen?
Ein Gefühl bleibt jedoch immer gleich: Die „Angst“ vor der Schlange. Unsere Kantine stammt nämlich anscheinend aus den 50er oder 60er Jahren, als es nur 100 Studierende hier am Europakolleg gab. Inzwischen sind wir 350 – aber es gibt weiterhin nur eine Essensausgabe und eine Kasse. Da sind nervige Wartezeiten von 20 Minuten schon mal drin. Dafür habe ich hier die Möglichkeit, neue Leute kennenzulernen. Will ich mich entspannen und nur Deutsch reden? Oder mich zum Beispiel mit einem extrovertierten Spanier unterhalten? Jeder Tag ist anders, aber immerhin traue ich mich inzwischen, mich mit den Franzosen auf Französisch zu unterhalten.
Nach dem Mittagessen geht es weiter, entweder mit Diskussionsrunden, Tutorials, Vorlesungen oder einer Leserunde in der Bibliothek. Jede Woche bekommen wir einen neuen Stundenplan. Manchmal haben wir 30 Stunden Vorlesungen pro Woche, manchmal nur zehn. Manchmal ist sogar samstags Unterricht, manchmal nur an vier Tagen pro Woche. Ich mag Strukturen sehr und muss mit so wenig Konstanz erst mal klarkommen. Ein Grund dafür, dass ich noch immer keine Lernstruktur habe und auf den großen Knall vor der Klausurphase warte.
Abends kommt, wenn man nicht das Pech von einem spätabendlichen Kurs hat, die Qual der Wahl des Abendprogramms: Entspannt mit Leuten einen Tee trinken; mit der Aussicht auf wenig Schlaf in eine Bar mitgehen; oder den vielen Leuten entfliehen und sich einen ruhigen Abend zu Hause machen? Eines ist sicher: Langweilig wird mir hier nicht.

Autor: Luisa  |  Rubrik: studium  |  Oct 18, 2017
Autor: Luisa
Rubrik: studium
Oct 18, 2017

Studieren im Ausland

Bilder einer neuen Stadt

An drei Tagen der Woche beginnt mein Unterricht im französischen Rennes, wo ich im deutsch-französischen Studiengang der Politikwissenschaften studiere, um acht Uhr morgens. Ich stelle – wie zu Schulzeiten – meinen Wecker auf sechs oder halb sieben. Zu dieser Zeit ist es noch stockfinster. Das Fenster unserer WG zeigt nach Osten und wenn der Himmel über Rennes sich ausnahmsweise einmal unbedeckt präsentiert, kann ich zusehen, wie der letzte Stern erlischt und der Horizont sich langsam erhellt. An manchen Tagen bleibt einfach alles grau. Es ist schwer abzuschätzen, wie das Wetter wird – die Bretagne verhält sich in dieser Hinsicht sehr launisch.
Die Bretonen sind daran gewöhnt. Im wahrsten Sinne des Wortes mit allen Wassern gewaschen, scheint sie der typische feine Nieselregen dieser Region, „crachin breton“ genannt, kaum zu stören. Sie laufen sie sogar im T-Shirt durch die Stadt, während ich meinen Schal ins Gesicht ziehe. Tatsächlich sind die Tropfen so klein und zahlreich, dass man sie gar nicht mehr spürt. Nach einiger Zeit ist man aber trotzdem nass. Ich bin wild entschlossen, der Feuchtigkeit zu trotzen und fahre trotzdem jeden Morgen mit dem Fahrrad zur Uni. Mal sehen, wie lange ich das noch durchhalte, denn mit durchweichten Hosen in einem kalten Hörsaal zu sitzen, ist extrem unangenehm.
Viele dieser kleinen Unterschiede zum Alltag in Eichstätt fallen mir nach und nach auf. Das frühe Aufstehen zum Beispiel: In Deutschland begann mein frühester Kurs um zehn Uhr und dank der maximal zwei Minuten Fußweg zur Uni musste ich erst eine halbe Stunde vorher aufstehen. In Rennes hingegen wohne ich am Stadtrand, mit dem Fahrrad eine viertel Stunde vom Zentrum entfernt. Die Stadt ist mit ihren etwa 200.000 Einwohnern deutlich größer als Eichstätt, doch mit dem Fahrrad oder den öffentlichen Verkehrsmitteln kommt man dennoch schnell von A nach B. Das Busnetz ist gut ausgebaut und auch eine U-Bahnlinie zieht sich quer unter Rennes hindurch, eine zweite ist im Bau. Rennes ist eine sehr studentisch geprägte Stadt, was man spätestens dann bemerkt, wenn man einmal einen Donnerstagabend an den Plätzen „Sainte-Anne“ und „des Lices“ und in der sie verbindenden „Rue de la soif“, zu Deutsch „Straße des Dursts“, verbracht hat. Doch das ist es, was diese Stadt so lebendig macht, auch kulturell.
Wenn ich also durch die morgendlichen Straßen fahre, umgibt mich eine erwachende Stadt, die einiges an Geschichte birgt, von der die altehrwürdigen kleinen Villen, Fachwerkhäuser und Verwaltungsgebäude zeugen. Es herrscht zwar viel Verkehr, aber es gibt Bemühungen zur Erhaltung und Schaffung von Grünflächen, Alleen und Parkanlagen und ich profitiere von den vielen Fahrradwegen. Und ich sehe die Menschen, darunter viele junge Leute, die zu dem beitragen was diese Stadt zu bieten hat.
Ich glaube ich werde mir eine Regenhose besorgen und trotz dem Wetter weiterhin mit dem Fahrrad zur Uni fahren.

Autor: Lea  |  Rubrik: studium  |  Oct 17, 2017
Autor: Lea
Rubrik: studium
Oct 17, 2017