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Studieren im Ausland

Bereit fürs Spontan-Referat?

Im Rückblick vergingen die ersten zwei Monate hier im französischen Rennes schnell. Das ist kein Wunder, denn meine Wochen waren gut gefüllt mit Vorlesungen, Übungen und allerlei Hausaufgaben. Beispielsweise müssen wir in Makroökonomie jede Woche ein Dossier mit Artikeln durcharbeiten, was ohne tiefergehende Wirtschaftskenntnisse  viel Zeit in Anspruch nimmt – nicht zu vergessen, dass ich alles in einer Fremdsprache lernen muss. Jede Woche geht es um ein anderes Thema und unsere Professorin erwartet von uns einen ausreichenden Überblick über die Materie, sodass jede Arbeitsgruppe immer in der Lage wäre, ein kleines, spontanes Referat zum Besten zu geben. Die konkrete Fragestellung erfahren wir erst in der Stunde selbst, woraufhin sie uns 20 Minuten Zeit gibt, mit unserem Partner einen Plan auszuarbeiten.
Diese und ähnliche Anforderungen in anderen Fächern übten anfangs einen gewissen Druck auf uns Deutsche aus, die es nicht gewohnt waren, während des Semesters Leistungsnachweise erbringen zu müssen. Insgesamt fühle ich mich durch diese Atmosphäre oft in meine Schulzeit zurückversetzt, was sich allein schon in der Zahl der Fächer ausdrückt – wir haben insgesamt acht verschiedene, von privatem Recht bis zur Geschichte des Osmanischen Reichs sind so gut wie alle Themen der Geisteswissenschaften abgedeckt.
Diese Vielseitigkeit ist aber keine Eigenheit französischer Hochschulen, denn an Universitäten in Frankreich wählt man meines Wissens nur ein Fachgebiet, wie auch in Deutschland. Aber genau hier liegt der Knackpunkt: Ich gehe nicht auf eine „normale“ Universität. Was es mit den sogenannten „Grandes Écoles“ auf sich hat, erfahrt ihr in meinem nächsten Beitrag.

Autor: Lea  |  Rubrik: studium  |  Nov 8, 2017
Autor: Lea
Rubrik: studium
Nov 8, 2017

Studieren im Ausland

Am Puls Europas

Am Europakolleg zu studieren, heißt, nah am Puls der (europäischen) Zeit zu sein. Mitzuerleben, wie die Spanier entsetzt und fassungslos den Vorlesungssaal verlassen, als die Katalanen ihre Unabhängigkeit erklären. Einem Streitgespräch zwischen zwei Italienern zu lauschen, ob die Lombardei die Unabhängigkeit verdient hätte. Mit den Briten darüber zu trauern, dass es den Brexit geben wird. Und auch mehr über Nachbarländer der EU zu lernen, beispielsweise über den Konflikt zwischen Armenien und Aserbaidschan, der immer noch Auswirkungen auf die jüngste Generation hat.
Ich muss zugeben, am Anfang war diese Internationalität einer der Gründe, warum mir das Einleben schwerer fiel als zu Beginn meines Studiums in Hamburg. Ich habe hier gemerkt, dass ich mit Deutschen mehr gemeinsam habe, als ich dachte. Die Unterschiede zu den anderen Nationalitäten haben es mir erschwert, schnell Freundschaften zu schließen. Denn hier gibt es nicht den „kleinsten gemeinsamen Nenner“, auf den man sich bei Auslandssemestern berufen kann – zum Beispiel, aus dem gleichen Land oder vom gleichen Kontinent zu kommen. Denn es geht ja gerade darum, sich nicht immer mit den Deutschen zusammenzutun, sondern darum, unter diesen 50 Nationalitäten seine Freunde zu finden, ohne sich auf Gemeinsamkeiten wie Sprache, Filme aus der Kindheit oder Politik auszuruhen. So kann man nur wenige Filter anwenden, um sich Freunde aus diesen 350 Menschen rauszusuchen – und das führt zu Überforderung.
Wenn man sich jedoch an diese Vielfalt gewöhnt hat, ist sie wahnsinnig bereichernd. Ich genieße es, kurz nach der Wahl in Österreich mit mehreren Österreichern über das Ergebnis diskutieren zu können. Oder mit Belgiern darüber, warum Populismus bei ihnen gar nicht als problematisch angesehen wird. Ich finde es aufregend, auf einer persönlichen Ebene so viele der aktuellen europa- und weltpolitischen Probleme mitzuerleben, und möchte immer wieder daran erinnert werden, warum ich so von der Idee und den Werten der Europäischen Union überzeugt bin. Und je weiter das akademische Jahr fortschreitet, desto eher finden sich Gemeinsamkeiten. Zum Beispiel das schwierige Paper über eine wirtschaftspolitische Empfehlung für einen europäischen Staat, unter dem meine Kommilitonen und ich gerade leiden - gemeinsam.

Autor: Luisa  |  Rubrik: studium  |  Nov 6, 2017
Autor: Luisa
Rubrik: studium
Nov 6, 2017

Studieren im Ausland

Simulationsspiel

Schon des Öfteren habe ich mit Kommilitonen darüber diskutiert, ob das Studium hier das Zertifikat „wissenschaftlich“ verdient. Wohl eher nicht. Man lernt hier Effizienz, mit Druck umzugehen, in einer kurzen Zeit viel aufs Papier zu bringen und praktisch zu arbeiten. Aber das soll es ja auch sein – eine Vorbereitung auf das Berufsleben nach dem College.
Und diesen Praxisbezug finde ich ziemlich spannend. Einer der Pflichtkurse, der wohl die meiste Praxisrelevanz aufweist, ist das sogenannte Simulationsspiel. Hier bekommt man einen aktuellen Gesetzgebungsvorschlag aus der Europäischen Union zugewiesen sowie eine Rollen im Prozess, und dann simuliert man die Verhandlungen in den verschiedenen europäischen Institutionen. Die Rollen reichen über nationale Regierungen, rechts-populistische Abgeordnete im Europaparlament, Kommissionäre bis hin zu Nicht-Regierungsorganisationen, bekannt auch unter der englischen Abkürzung NGO. Mir wurde Letzteres zugewiesen – ziemlich spannend, insbesondere, da ich gar nicht weiß, wie sie auf den Gesetzgebungsprozess Einfluss nehmen. Denn institutionalisiert ist ihre Rolle nicht.
Auch das Thema an sich ist toll: Unser Gesetzgebungsvorschlag ist eine Reform des Dublin-Systems, also der Regulierung von Einwanderung in Europa. Gerade in Zeiten kurz nach der Flüchtlingskrise ein hochbrisantes und wichtiges Thema. Aber auch hier bin ich unsicher, wie die konkreten Reformvorschläge aussehen.
Jetzt muss ich ein Positionspapier schreiben und stehe noch vor zwei großen Fragen: Welche Rolle spielen NGOs im Gesetzgebungsprozess und welche Veränderungen enthält der Reformvorschlag? Latent gestresst bin ich schon, weil dieses Paper in drei Wochen fertig sein muss, zusammen mit zwei anderen Aufsätzen, mit denen ich noch nicht angefangen habe. Aber es wird laufen, wie es immer läuft: Langsam vortasten, mehr Ahnung bekommen, das Paper runterschreiben. Und auf die richtige Simulation, die dann im zweiten Semester stattfindet, freue ich mich schon sehr.

Autor: Luisa  |  Rubrik: studium  |  Oct 30, 2017
Autor: Luisa
Rubrik: studium
Oct 30, 2017