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Studieren im Ausland

Back in Bruges

Die Motivation, im neuen Jahr zurück nach Brügge zu gehen, war ehrlich gesagt nicht groß, denn dort hat mich viel Arbeit erwartet: Neben dem Simulations-Spiel und den Kursen, die Vorbereitung und teilweise auch die Ausarbeitung von Aufsätzen und Präsentationen verlangten, muss ich innerhalb von vier Monaten eine Masterarbeit schreiben. Vergleichbar mit einer Masterarbeit an einer deutschen Universität ist diese nicht. Sie soll etwa 40 bis 60 Seiten umfassen und ist daher eher wie eine Bachelorarbeit – aber eine Menge Arbeit erfordert das trotzdem. Und ich fühlte mich mit meinem juristischen Hintergrund immer noch nicht in der Lage, eine wissenschaftliche Arbeit im Bereich der Politikwissenschaften zu schreiben.
Aber dann habe ich mich doch schnell wieder eingelebt. Meine „residence-lady“ hatte jedem Wohnheimmitbewohner eine kleine Schachtel Pralinen zu Neujahr hingelegt und gleich am ersten Abend feierten wir im Gemeinschaftsraum unser Wiedersehen. In der ersten Woche ging es los mit den sogenannten „National Weeks“. Hier tun sich Studierende geografisch naher Länder zusammen und stellen eine Woche lang ihre Region vor – mit Abendveranstaltungen, Reden und kulinarischen Besonderheiten. Diese Woche sind Ungarn und die Slowakei an der Reihe und so durfte ich an einem äußerst spannenden Vortrag des ungarischen Staatssekretärs teilnehmen. Mit all seinen Aussagen war ich nicht einverstanden, aber seine Sichtweisen und Begründungen kennenzulernen war sehr interessant.
Nach dem ersten Treffen von „European Horizons“, wo wir Emmanuel Macrons Vorschläge zur Reform der EU diskutiert haben, arbeiteten wir voller Energie neue Ideen für das nächste Semester aus – die Diskussion verspricht, äußerst spannend zu werden. Die Vorbereitung der nächsten „Pulse of Europe“-Kundgebung steht kurz bevor. Und auch bei der Masterarbeit habe ich mittlerweile ein ganz gutes Gefühl, da ich passende Artikel für mein Thema gefunden habe.
Von daher kann das nächste Semester kommen!

Autor: Luisa  |  Rubrik: studium  |  Jan 23, 2018
Autor: Luisa
Rubrik: studium
Jan 23, 2018

Studieren im Ausland

Adventszeit voller Klausuren

Mal wieder wird mir die Vorweihnachtszeit von einer Klausurphase vermiest. Statt gemütlich auf dem Weihnachtsmarkt gebrannte Mandeln zu essen oder Schlittschuh zu laufen, habe ich im Dezember jede Woche eine Klausur. Das ist zwar einerseits ziemlich luxuriös – noch nie hatte ich eine ganze Woche Zeit zum Lernen. Andererseits nervt mich diese extrem lange Klausurphase. Da ist mir das Prinzip „Augen zu und durch“ doch lieber.
Meine erste Klausur behandelte das Thema Eurokrise aus wirtschafts- und politikwissenschaftlicher Sicht. Da mich dies schon das ganze Semester über interessiert hat und ich gut mitgearbeitet hatte, war das kein großes Problem. Das zweite Thema „Politics and Policies in the EU“ ist DER politikwissenschaftliche Kurs, sodass ich vor der Klausur dementsprechend Bammel hatte. Aber ich habe mich gut geschlagen und die Essay-Fragen ausgewählt, die eher auf Wissen als auf politikwissenschaftliche Analysefähigkeiten abzielten.
Die Klausur „Droit institutionnel de l’Union Européenne“ sollte für mich als Juristin am einfachsten sein. Aber von wegen – hier wurde am meisten Stoff abgefragt, und dazu auch noch auf Französisch! Die juristischen Probleme zu verstehen, war für mich zwar keine große Herausforderung. Dafür aber die französische Art, einen großen Teil stumpf auswendig zu lernen, um Fragen beantworten zu können wie „Welche Mehrheit braucht man im Parlament in der zweiten Lesung, um einen Gesetzgebungsvorschlag abändern zu können“ – ohne im Gesetzestext zu gucken. Als deutsche Juristin, die immer ihr Gesetz als Hilfsmittel dabei hat und wo es mehr um Systemverständnis als um reines Wissen geht, kann man bei einer solchen Herangehensweise nur den Kopf schütteln.
Die drei Klausuren spezifisch für meinen Master habe ich inzwischen geschafft. Es fehlt nur noch die für das „Studium generale“. Ich kann also einen Gang runterschalten. Und trotz Klausuren kam ich doch noch in weihnachtliche Stimmung gekommen, als Brügge nach fünf schneelosen Jahren an zwei Tagen total zugeschneit wurde. Wir Deutschen haben den Südeuropäern unseres Colleges dann erst mal gezeigt, wie man einen großen und schönen Schneeman baut – sehr zur Freude unserer Bibliothekarin, die den Schneemann mit europäischer Flagge in der „Hand“ von ihrem Tresen aus beobachten konnte.

Autor: Luisa  |  Rubrik: studium  |  Dec 20, 2017
Autor: Luisa
Rubrik: studium
Dec 20, 2017

Studieren im Ausland

Eine erste Bilanz

Mein erstes Semester in Brügge geht zu Ende. Die Vorlesungen sind bereits beendet, nächste Woche gibt es noch Tutorien, und dann geht die Klausurphase los – der perfekte Zeitpunkt, um eine erste Bilanz meines wissenschaftlichen Lebens hier zu ziehen.
Um ganz ehrlich zu sein: Ich weiß immer noch nicht genau, was Politikwissenschaften sind. Was machen sie, was sind Herangehensweisen, was ist ihr Ziel? Einen kleinen Einblick habe ich natürlich bekommen. Ich kenne ein paar Theorien und ich weiß, dass Politikwissenschaften politische Entwicklungen erklären wollen. Aber ich habe schon nach manchem Tutorien die wissenschaftlichen Mitarbeiter frei heraus gefragt: „Was bringt das eigentlich?“ Als Jurist kann man den Sinn von einigen der Theorien nur schwer verstehen und auch die Befragten konnten nicht umhin, meine Zweifel nachvollziehen zu können.
Das führt mich zu meiner größten Herausforderung momentan: die Masterarbeit. Ab Januar nächsten Jahres soll ich eine politikwissenschaftliche, etwa 50-seitige Arbeit schreiben. Das ungefähre Thema habe ich schon vor einem Monat ausgesucht. Als nächstes muss ich meinem betreuenden Professor eine Übersicht über meine Herangehensweise schicken. Und wisst ihr was? Ich habe wenig Ahnung. Ein paar Erste-Hilfe-Gespräche mit Freunden, die auch Politikwissenschaften studiert haben, hatte ich zwar schon, aber die können mir auch keine passende Theorie für mein Problem aus dem Hut zaubern. Das heißt also: Lesen, lesen, lesen; mit dem Wissen, dass ich mich in eine neue Herangehensweise einarbeiten muss – und dem Kribbeln des Interesses, der Neugierde und der Herausforderung.
Ansonsten ist meine erste Bilanz positiv. Ich habe zumindest schon einen politikwissenschaftlichen Aufsatz geschrieben, ein Positionspapier für eine Nicht-Regierungsorganisation zu einem aktuellen Reformvorschlag zum europäischen Asylrecht sowie einen Vorschlag, wie sich die Slowakei zu den Reformvorschlägen der Europäischen Wirtschafts- und Währungsunion positionieren sollte. Ich habe in den Diskussionsgruppen lebhaft über politikwissenschaftliche Theorien und aktuelle Probleme der europäischen Politikfelder mitdiskutiert und einen Vortrag gehalten – etwas, das ich vom Jurastudium gar nicht gewöhnt bin.
Ich bin zwar noch nicht fit für eine Masterarbeit – aber die ersten Schritte auf dem Feld der Politikwissenschaften bin ich schon gegangen.

Autor: Luisa  |  Rubrik: studium  |  Dec 8, 2017
Autor: Luisa
Rubrik: studium
Dec 8, 2017