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Studieren im Ausland

Eine erste Bilanz

Autor:
Luisa

Rubrik:
studium

08.12.2017

Mein erstes Semester in Brügge geht zu Ende. Die Vorlesungen sind bereits beendet, nächste Woche gibt es noch Tutorien, und dann geht die Klausurphase los – der perfekte Zeitpunkt, um eine erste Bilanz meines wissenschaftlichen Lebens hier zu ziehen.
Um ganz ehrlich zu sein: Ich weiß immer noch nicht genau, was Politikwissenschaften sind. Was machen sie, was sind Herangehensweisen, was ist ihr Ziel? Einen kleinen Einblick habe ich natürlich bekommen. Ich kenne ein paar Theorien und ich weiß, dass Politikwissenschaften politische Entwicklungen erklären wollen. Aber ich habe schon nach manchem Tutorien die wissenschaftlichen Mitarbeiter frei heraus gefragt: „Was bringt das eigentlich?“ Als Jurist kann man den Sinn von einigen der Theorien nur schwer verstehen und auch die Befragten konnten nicht umhin, meine Zweifel nachvollziehen zu können.
Das führt mich zu meiner größten Herausforderung momentan: die Masterarbeit. Ab Januar nächsten Jahres soll ich eine politikwissenschaftliche, etwa 50-seitige Arbeit schreiben. Das ungefähre Thema habe ich schon vor einem Monat ausgesucht. Als nächstes muss ich meinem betreuenden Professor eine Übersicht über meine Herangehensweise schicken. Und wisst ihr was? Ich habe wenig Ahnung. Ein paar Erste-Hilfe-Gespräche mit Freunden, die auch Politikwissenschaften studiert haben, hatte ich zwar schon, aber die können mir auch keine passende Theorie für mein Problem aus dem Hut zaubern. Das heißt also: Lesen, lesen, lesen; mit dem Wissen, dass ich mich in eine neue Herangehensweise einarbeiten muss – und dem Kribbeln des Interesses, der Neugierde und der Herausforderung.
Ansonsten ist meine erste Bilanz positiv. Ich habe zumindest schon einen politikwissenschaftlichen Aufsatz geschrieben, ein Positionspapier für eine Nicht-Regierungsorganisation zu einem aktuellen Reformvorschlag zum europäischen Asylrecht sowie einen Vorschlag, wie sich die Slowakei zu den Reformvorschlägen der Europäischen Wirtschafts- und Währungsunion positionieren sollte. Ich habe in den Diskussionsgruppen lebhaft über politikwissenschaftliche Theorien und aktuelle Probleme der europäischen Politikfelder mitdiskutiert und einen Vortrag gehalten – etwas, das ich vom Jurastudium gar nicht gewöhnt bin.
Ich bin zwar noch nicht fit für eine Masterarbeit – aber die ersten Schritte auf dem Feld der Politikwissenschaften bin ich schon gegangen.

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