interaktiv

Studieren im Ausland

Was wird aus Dublin III? Teil 2

Autor:
Luisa

Rubrik:
studium

07.03.2018

Für unser Simulationsspiel rund um das Thema Dublin III (siehe voriger Beitrag) wurden die Rollen ausgelost. Ich zog Politico, der europäische Ableger einer US-amerikanischen Zeitung. Damit konnte ich als Journalistin alles von außen beobachten: die aufgeladenen Diskussionen zwischen der rechtspopulistischen Fraktion ENF und den Grünen im Parlament, das Schmieden von Koalitionen im Rat, die Demonstration von „Flüchtlingen“ in einem „Flüchtlingscamp“ (wofür unser Studentenwohnheim herhalten musste), die Ausstellung von Fotos von Flüchtenden in unserem Café und natürlich die endlosen Diskussionen der wichtigsten Akteure während der Triloge. Während der heißen Phase der Verhandlungen hatte ich das Gefühl, dass einige kaum geschlafen und die gesamte Zeit mit der Ausarbeitung von Vorschlägen verbracht haben, die sowohl der Kommission, dem Rat und dem Parlament zusagten. Das Ende verlief so, wie in einem Simulationsspiel nun mal üblich: Es wurde ein Kompromiss gefunden, dem sowohl das Parlament als auch der Rat zugestimmt haben.
Wie realistisch unser Vorhaben war, wurde in der Abschlusskonferenz von Personen beurteilt, die tatsächlich in den verschiedenen Institutionen an der Ausarbeitung der Reform mitwirken. Unseren Vorschlägen würden die Mitgliedsstaaten aus verschiedenen Gründen wohl nie zustimmen, auch wenn das Europaparlament mit einem Großteil einverstanden gewesen wäre. Bei der Konferenz wurde noch mal die Wichtigkeit dieser Reform hervorgehoben, die – was bei EU-Gesetzgebungsvorschlägen sonst fast nie passiert – sogar zum Thema nationaler Wahlkämpfe gemacht worden ist.
Die Simulation dauerte insgesamt fast vier Wochen – eine Zeit, in der einige unglaublich viel gearbeitet haben, Freundschaften an der Intensität der Diskussionen fast zerbrochen wären und in der alle sehr viel gelernt haben. Meine Erfahrung: Politik kann wirklich zäh sein; als Journalist ist es manchmal sehr schwierig, an Informationen zu kommen; und ich kann mir überhaupt nicht vorstellen, wie bei dieser hochsensiblen Materie eine Einigung im Rat zustande kommen soll – auch wenn das bitter nötig ist.

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