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Studieren im Ausland

Es geht auf Klassenfahrt!

Anfang Februar ist die gesamte politikwissenschaftliche Abteilung auf einen „study trip“ nach Luxemburg und Straßburg gefahren – bei 100 Teilnehmern in zwei Bussen kam da richtige Klassenfahrt-Stimmung auf. Die wissenschaftlichen Mitarbeiter hatten ein spannendes Programm vorbereitet mit dem Besuch der Europäischen Investitionsbank und des Europäischen Gerichtshofs in Luxemburg, des Europarats und des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte (beides keine Institutionen der EU) sowie des Eurokorps und des Europaparlaments in Straßburg. Außerdem war eine Führung durch die Zentrale des deutsch-französischen Fernsehsenders Arte geplant.
Der Ausflug startete um 6.45 Uhr, deshalb an zirkulierten schnell Bilder schlafender Studierender in den sozialen Netzwerken, denen dann auch bei Vorträgen in Institutionen mal der Kopf nach vorne nickte. Die Qualität der Vorträge reichte ohnehin von „sehr gut“ bis „ungenügend“: Im Europarat war der Vortrag unglaublich spannend, während dem im Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte aufgrund des genuschelten Französisch und des Wiederhalls im Gerichtssaal fast nicht zu folgen war. Ein General des Eurokorps schockte insbesondere die Studentinnen mit Aussagen, dass Frauen dort nicht sehr willkommen wären, weil sie ja schwanger werden würden. Ein Highlight war, als Antonio Tajani, Präsident des Europaparlaments, für 10 Minuten zu unserer Gruppe kam, um unseren Glauben an die europäischen Werte zu bestärken und uns daran zu erinnern, dass man egal, wo man arbeitet, sowohl den Bürgern zuhören als auch die europäische Idee verbreiten solle.
Zwischendurch gab es kleine Empfänge, beispielsweise in der Regierungsstelle der „Region Nord-West“ von Frankreich und im Rathaus von Straßburg. Die „Networking-Veranstaltung“ am Abend wirkte auf mich allerdings wie ein zwanghafter Versuch, mit jungen Mitarbeitern von Abgeordneten – böse gesagt „Karriere-Robotern“ – an der eigenen Karriere zu feilen. Dieser Fokus des Europakollegs auf Karriere nervt mich manchmal, denn es wirkt so erzwungen und irgendwie auch bar jeder inneren Motivation. Aber der Ausflug an sich hat mir sehr viele interessante Einblicke beschert.

Autor: Luisa  |  Rubrik: studium  |  Mar 13, 2018
Autor: Luisa
Rubrik: studium
Mar 13, 2018

Studieren im Ausland

Was wird aus Dublin III? Teil 2

Für unser Simulationsspiel rund um das Thema Dublin III (siehe voriger Beitrag) wurden die Rollen ausgelost. Ich zog Politico, der europäische Ableger einer US-amerikanischen Zeitung. Damit konnte ich als Journalistin alles von außen beobachten: die aufgeladenen Diskussionen zwischen der rechtspopulistischen Fraktion ENF und den Grünen im Parlament, das Schmieden von Koalitionen im Rat, die Demonstration von „Flüchtlingen“ in einem „Flüchtlingscamp“ (wofür unser Studentenwohnheim herhalten musste), die Ausstellung von Fotos von Flüchtenden in unserem Café und natürlich die endlosen Diskussionen der wichtigsten Akteure während der Triloge. Während der heißen Phase der Verhandlungen hatte ich das Gefühl, dass einige kaum geschlafen und die gesamte Zeit mit der Ausarbeitung von Vorschlägen verbracht haben, die sowohl der Kommission, dem Rat und dem Parlament zusagten. Das Ende verlief so, wie in einem Simulationsspiel nun mal üblich: Es wurde ein Kompromiss gefunden, dem sowohl das Parlament als auch der Rat zugestimmt haben.
Wie realistisch unser Vorhaben war, wurde in der Abschlusskonferenz von Personen beurteilt, die tatsächlich in den verschiedenen Institutionen an der Ausarbeitung der Reform mitwirken. Unseren Vorschlägen würden die Mitgliedsstaaten aus verschiedenen Gründen wohl nie zustimmen, auch wenn das Europaparlament mit einem Großteil einverstanden gewesen wäre. Bei der Konferenz wurde noch mal die Wichtigkeit dieser Reform hervorgehoben, die – was bei EU-Gesetzgebungsvorschlägen sonst fast nie passiert – sogar zum Thema nationaler Wahlkämpfe gemacht worden ist.
Die Simulation dauerte insgesamt fast vier Wochen – eine Zeit, in der einige unglaublich viel gearbeitet haben, Freundschaften an der Intensität der Diskussionen fast zerbrochen wären und in der alle sehr viel gelernt haben. Meine Erfahrung: Politik kann wirklich zäh sein; als Journalist ist es manchmal sehr schwierig, an Informationen zu kommen; und ich kann mir überhaupt nicht vorstellen, wie bei dieser hochsensiblen Materie eine Einigung im Rat zustande kommen soll – auch wenn das bitter nötig ist.

Autor: Luisa  |  Rubrik: studium  |  Mar 7, 2018
Autor: Luisa
Rubrik: studium
Mar 7, 2018

Studieren im Ausland

Registrieren an der Prager Uni

An der Prager Uni, wo ich ja seit Neuestem ein Auslandssemester absolviere, läuft so einiges anders als an meiner Alma Mater in Leipzig. Zum Beispiel die Bürokratie: Während ich von meiner Leipziger Uni nicht einmal Post bekommen habe, weil dort alles online läuft, schickte man mir meine Prager Studiendokumente per Einschreiben in den Leipziger Briefkasten.
Auch die Immatrikulation funktioniert hier ein wenig anders. In Leipzig genügt es, die Uni-Karte am angegebenen Tag abzuholen und fertig. Diese Karte ist alles in einem: Mit ihr leiht man Bücher aus, bezahlt das Essen in der Mensa und kann im Mitteldeutschen Verkehrsverbund Straßenbahn, Bus und Zug nutzen. In Prag musste ich als Austauschstudent mit dem per Einschreiben verschickten Dokument im International Relations Office aufkreuzen. Dort erklärte ich per Unterschrift, die Brandschutzbestimmungen des Gebäudes der Philosophischen Fakultät zu kennen, nicht alkoholisiert in Lehrveranstaltungen aufzukreuzen und so weiter. Dann bekam ich einen etwa drei mal vier Zentimeter großen Zettel mit einem Wasserzeichen und einer Zahlenkombination darauf. Auf einer Liste musste ich den Erhalt dieses orangen Papierschnipsels bestätigen.
Mit diesem ging es dann weiter zur Juristischen Fakultät, wo ich ihn gegen die Uni-Karte eintauschen sollte. In Zimmer 34 saß eine ältere Dame an ihrem Schreibtisch. Sie schien – wohl wegen des Semesterbeginns – nicht viel anderes zu machen, als gegen Vorlage des Papierschnipsels die Plastekarte auszugeben. Sie verlangte noch meinen Personalausweis, dann musste ich auf einem Stuhl Platz nehmen, wo ich – von zwei Scheinwerfern gut ausgeleuchtet – fotografiert wurde. Ich erhielt meinen Perso zurück, ebenso den Papierschnipsel. Letzteren bekam ich zusammen mit der Plastekarte mit integriertem Foto in einem durchsichtigen Etui.
Als stolzer Austauschstudent musste ich mich dann nur noch in der Bibliothek registrieren und bei den Prager Verkehrsbetrieben ein Abo erwerben. Das kostet für fünf Monate zwar nur 1200 Kronen (etwa 40 Euro), der Kauf ist aber erst 24 Stunden nach der Anmeldung an der Uni möglich. Aber eigentlich tut so eine Pause vom Anmelden auch mal gut.

Autor: Ferdinand  |  Rubrik: studium  |  Mar 2, 2018
Autor: Ferdinand
Rubrik: studium
Mar 2, 2018