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Studieren im Ausland

Sesam öffne dich

Die Einwohner Brügges fand ich von Beginn an nett. Ich wurde schon auf der Straße angesprochen (natürlich nur auf solchen, die nicht von Touristen überfüllt waren) und gefragt, ob ich hier neu bin, wie mir die Stadt gefällt, wo ich herkomme und was ich hier mache. Dabei führt eine bestimmte Kombination aus Eigenschaften dazu, dass noch mehr Türen geöffnet werden als erwartet: Nett und offen zu sein – und Studierender am Europakolleg.
In letzter Zeit häuften sich die positiven Erlebnisse: Ich bekam überraschend eine kostenlose Führung durch eine der Radiostationen in Brügge, erhielt in einer Kirche den Schlüssel für einen Turm, auf den sonst kein Tourist darf, und in einem Frauenkloster traf ich die Frau eines der ersten Rektoren des Europakollegs, die sich unbedingt mit heutigen Studierenden unterhalten wollte.
Solche inspirierenden Begegnunen zeigen mir, dass das Interesse am Europakolleg groß ist. Das einzige Problem: Wir leben hier in einer Blase. Da man alle Mahlzeiten am Kolleg bekommt, müsste man theoretisch nicht mal einkaufen gehen! Die Routen beschränken sich für viele auf Wohnheim – Bibliothek – Mensa. Selbst wenn man abends weggehen will, ist donnerstags die Studentenbar geöffnet und samstags sind oft Veranstaltungen in den Wohnheimen geboten. Berührungspunkte mit der Außenwelt gibt es kaum.
Daher ist es schwierig, mit den Einheimischen in Kontakt zu treten. Viele Brüggeler vermeiden die touristische Innenstadt, Hochschulsport gibt es nicht und die Veranstaltungen, die für alle Studierende aus Brügge offen sind, fallen für uns vom Europakolleg meist in Klausurphasen oder Phasen mit sonstigen Abgabefristen. Manchmal habe ich das Gefühl, dass ich hier gar nicht so richtig Fuß gefasst habe.
Ein Schritt in die richtige Richtung ist daher aus meiner Sicht das Gastfamilienprogramm, bei dem der Kontakt zwischen einem Studierenden und einem Ehepaar aus Brügge hergestellt wird. Schon jetzt bin ich mir ziemlich sicher, dass ich mit meiner Gastfamilie mein Leben lang in Kontakt bleiben werde.

Autor: Luisa  |  Rubrik: studium  |  May 29, 2018

Studieren im Ausland

Kulturelles Prag

Jedes Jahr im Frühling wird der Prager Stadtteil Zizkov zum Zentrum der Kultur – so auch dieses Jahr.
Zizkov war früher ein graues Arbeiterviertel, hat sich aber mittlerweile zu einem Zentrum der Prager Subkultur entwickelt. Es gibt hier viele Bars, Clubs und junge Menschen. Beim Festival Zizkovska noc (Zizkov-Nacht) ist hier noch mehr los als sonst, der Eintritt kostete nur wenig Geld. Ich war bei einigen Konzerten meiner tschechischen Lieblingsbands. Die musikalische Spannweite des Festivals umfasst alles von Jazz bis Hip-Hop und Metal.
Das Besondere: Die Zizkovska noc ist dabei nicht nur ein reines Musikfestival mit Konzerten und Partys; darüber hinaus gibt es ein umfangreiches Programm mit Theater und Ausstellungen. Ich besuchte beispielsweise das Stück „F.E.A.R.“ einer britischen Theaterkompanie. Sehr eindrucksvoll brachte der Schauspieler verschiedene Aspekte von Angst in Wort und Bewegung zum Ausdruck.
Auch wenn die Zizkovska noc nun vorüber ist, stehen eine Reihe weiterer Veranstaltungen und Festivals bereits in meinem Kalender, auf die ich mich als nächstes freue. Und wenn gerade einmal kein Festival ist, besuche ich eines der vielen Theater oder eine Galerie. Die Prager Theaterszene ist breit gefächert – selbst die tschechische Nationalhymne entstammt einem Theaterstück – und in den großen Kunsttempeln löst eine spannende Ausstellung die andere ab. In Prag ist einfach immer etwas los.

Autor: Ferdinand  |  Rubrik: studium  |  May 22, 2018

Studieren im Ausland

Tschechisch lernen in Prag

In meinem Auslandssemester an der Karls-Universität Prag absolviere ich das Programm „Cestina pro cizince“, also Tschechisch für Ausländer. Die intensiven Kurse laufen auf verschiedenen Ebenen ab. Ich besuche etwa das Seminar „Analyse authentischer tschechischer Texte“. Hier beschäftigen wir uns mit ausgewählten Texten. Auch die anderen Seminare wie „Mündlicher und schriftlicher Ausdruck“ sowie „Morphologie und Syntax“ tragen dazu bei, dass mein Tschechisch immer besser wird. Ich muss zum Beispiel regelmäßig kurze, schriftliche Essays abgeben, was meinen schriftlichen Ausdruck erheblich trainiert.
Viel Freude bereitet mir das Seminar „Tschechische Kultur nach dem Zweiten Weltkrieg“, in dem es umfassend um tschechische Literatur, Architektur, Film, Musik nach 1945 geht. Der architektonische Reichtum Prags wird mir in diesem Seminar immer wieder bewusst.
Großartig am Studieren in Prag ist, dass Menschen aus vielen verschiedenen Ländern zusammenkommen, die alle aus irgendwelchen Gründen Tschechisch lernen wollen. So sitze ich mit Studierenden aus Polen, Russland, Japan, Korea, Ungarn und natürlich Leipziger Kommilitonen im Seminar. Oft tauschen wir uns in den Uni-Veranstaltungen über unsere verschiedenen Kulturen aus.
Das Studieren an der Prager Uni läuft auch sonst ein wenig anders ab als in Leipzig. Mir scheint es, als müsse deutlich mehr geleistet werden, um die gleiche Anzahl an Credits zu bekommen wie in Deutschland. Zum Beispiel herrscht an der Karls-Uni Anwesenheitspflicht. Kann man zur Veranstaltung nicht erscheinen, fordert die Lehrkraft unter Umständen eine Ausgleichsleistung ein.
Was meiner Meinung nach jedoch sowohl für das Studium in Prag als auch für das in Leipzig gilt: Am besten lernt man eine Fremdsprache, wenn man sie tatsächlich in Gesprächen anwendet.