interaktiv

Studieren im Ausland

Digital detox 2 – Dumme Telefone?

Autor:
Ferdinand

Rubrik:
studium

15.06.2018

Mittlerweile sehne ich mich nach meiner Zeit ohne Smartphone zurück. Vorigen Sommer wurde ich rückfällig und holte mein Gerät nach zwei Jahren Abstinenz aus der Schublade. Gerade auf Reisen ist das Smartphone einfach spitze: Fahrkarten unterwegs kaufen, Abfahrtspläne checken und sich zum Ziel navigieren lassen, auf dem Fahrrad oder zu Fuß in einer fremden Stadt – einfach praktisch.
Doch auch in meinen zwei Jahren ohne Smartphone war ich viel unterwegs, habe viel von der Welt gesehen, bin immer ans Ziel gekommen und habe statt tausender Fotos von einer Reise analoge Bilder mit Geschichte aufgenommen. Ich habe gelernt, Menschen nach dem Weg zu fragen – was man ja nur noch äußerst selten tut – und auch, Reisen mit Notizen zu Zugverbindungen, Skizzen von Wegen und mehr vorzubereiten. Zum Musikhören hatte ich meinen mp3-Player, außerdem einen papiernen Kalender und ein Notizbuch. Mein Tschechisch-Wörterbuch war ein kleines Taschenwörterbuch zum Anfassen. Wenn ich im Zug saß, saß ich im Zug und habe keine Zeit damit verbracht, E-Mails zu checken oder Nachrichten zu lesen. Klar, das habe ich dann daheim am Rechner gemacht. Aber Zeit spart das Smartphone meines Erachtens trotzdem nicht. Stattdessen verbringt man nur mehr Zeit im Netz.
Durch die Reduktion von Messaging-Diensten erhalten Nachrichten für mich wieder einen Wert. Sende ich jemandem eine SMS für neun Cent, versuche ich, in den 160 Zeichen alles auf den Punkt bringen. Eine Tugend, die heute schon längst verlernt wurde. Auch Sprachnachrichten tragen dazu bei, dass wir eine oft unnötig große Menge an Informationen weitergeben. Und nichts ersetzt ein gutes altes Telefonat.
Ohne Smartphone zu leben, wurde von meinem Umfeld ebenso gut angenommen wie meine Facebook-Abwesenheit. Deshalb ist es wahrscheinlich, dass mein Smartphone bald wieder in der Schublade verschwindet. Mein altes Handy mit Schwarz-Weiß-Bildschirm hat bestimmt noch ein paar Balken Akku für mich bereit.

Diesen Artikel teilen

Diese Webseite verwendet Cookies und das Webanalyse-Tool Matomo. Das hilft uns, dir ein gutes Nutzungserlebnis zu bieten und unsere Website zu verbessern. Wenn du durch die Seiten surfst, erklärst du dich hiermit einverstanden. Hier erfährst du mehr über die Nutzung deiner Daten und Möglichkeiten zum Widerspruch.