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Studieren im Ausland

Chaos im Krankenhaus

Als ich eine Auslandskrankenversicherung für meine Semester in Taiwan abgeschlossen habe, ist mir aufgefallen, dass ich tatsächlich noch nie zuvor im Ausland bei einem Arzt oder im Krankenhaus war. In Taipeh sollte sich das jedoch ändern: Ich habe schon länger Knieschmerzen bei starker Belastung, hatte es zuvor aber so im Griff, dass ich mir keine Gedanken über Sport machen musste. Nachdem ich in Taipeh an den Wochenenden oft wandern war, spürte ich meine Knie aber plötzlich ganz deutlich. Erst habe ich gehofft, bis zu meiner Rückkehr nach Deutschland durchzuhalten, dann ist mir klar geworden, dass das vermutlich keine Option ist.
Zuerst einmal hat mich das Krankenhaus in Taipeh total überrascht: Es gibt nämlich eine Übersetzerin, die in Vollzeit angestellt ist, fließend Englisch spricht und zwischen Patienten und Ärzten vermittelt. Für mich war das ein klarer Vorteil: Ansonsten hätte ich nur auf mein Knie zeigen und dabei auf Chinesisch sagen können, dass es mir nicht gut geht. Außerdem habe ich direkt einen Termin bekommen, obwohl ich kein Notfall war. Ohne Übersetzerin hätte ich vermutlich auch gar nicht verstanden, wann ich an der Reihe war: Statt die Patienten aufzurufen, wurde auf einer elektronischen Tafel angezeigt, wer das Zimmer betreten sollte. Da ich mit chinesischen Schriftzeichen nicht allzu viel anfangen kann, habe ich das glatt übersehen.
Chaotisch war die Behandlung dann aber doch: Alles funktionierte wie am Fließband, ganz besonders die Röntgenaufnahmen. Die Verständigung wurde zwar dank Übersetzerin einfacher, wirklich reden konnte ich mit dem zuständigen Arzt aber eben nicht. Der wollte mich letztendlich an einen Physiotherapeuten überweisen, bei dem ich aber so lange auf den nächsten Termin hätte warten müssen, dass mein Auslandssemester dann bereits vorüber gewesen wäre.
Letztendlich hat man mir also nicht weitergeholfen. Heilfroh war ich trotzdem, dass ich dank der Übersetzerin erklären konnte, dass meine Auslandskrankenversicherung die Kosten vermutlich nur übernimmt, wenn mein deutscher Name auf der Rechnung steht – und nicht der chinesische, den mir meine Gastuni zugeteilt hatte.

Autor: Marie  |  Rubrik: studium  |  Jun 3, 2019
Autor: Marie
Rubrik: studium
Jun 3, 2019

Studieren im Ausland

Ein Tag an der École Centrale de Marseille

Der Tag an meiner französischen Hochschule beginnt um acht Uhr mit der ersten Vorlesung. Zwischen den Vorlesungen, die jeweils zwei Stunden dauern, habe ich eine Viertelstunde Pause. Die Mittagspause dauert sogar über eine Stunde. Wenn ich tatsächlich den ganzen Tag Vorlesungen habe, kann der Tag bis 17.45 Uhr ganz schön lang werden. Da ich aber zwei Kurse weniger habe als regulär vorgesehen, muss ich nicht jeden Tag um acht Uhr hin. Zusätzlich sind Montag- und Donnerstagnachmittag für Sprachkurse und die studentischen Vereine vorgesehen – also habe ich keine Vorlesungen! Diese Regelung finde ich großartig, denn so hat man einen festen Zeitrahmen, in dem man sich kulturell weiterbilden kann sowie einen Anstoß, sich ehrenamtlich zu engagieren. Außerdem bietet die Schule im Rahmen verschiedener Kurse kostenlose Möglichkeiten an, Sport zu machen. Das sorgt für ein echtes Campusgefühl und ist außerdem praktisch, denn die Hochschule liegt am äußersten Rand der Stadt. Wenn man also alles gleich dort erledigen kann, spart man sich weite Wege. Mittags geht es typisch französisch zu: Die Mensa ist etwas chaotisch und man wartet oft lange an der Kasse. Selbstverständlich gibt es drei Gänge: eine kleine Vorspeise von einem kalten Buffet, eins von fünf zur Auswahl stehenden Hauptgerichten und einen Nachtisch in Form von Obst, Joghurt oder einem kleinen Stück Kuchen. Zusammen mit der Wartezeit braucht man, um das alles aufzuessen, schon mal eine Stunde. Anfangs hatte ich nach so einem üppigen Mittagessen oft Schwierigkeiten, am Nachmittag wach zu bleiben. Die Mischung aus Suppenkoma und technischem Französisch hat mich regelmäßig an den Rand meiner Aufmerksamkeitsschwelle getrieben. Inzwischen habe ich mich aber daran gewöhnt und überstehe auch die Nachmittage, ohne einzuschlafen.

Autor: Katha  |  Rubrik: studium  |  May 28, 2019

Studieren im Ausland

Auf Green Island

Ich finde Inseln ziemlich cool. Als ich mich dazu entschieden habe, ein Auslandssemester in Taiwan zu machen, haben natürlich auch andere Faktoren eine Rolle gespielt, aber toll ist es schon: Der Strand ist schließlich nie weit entfernt. Mit dem Schnellzug kann man in unter zwei Stunden von der größten Stadt im Norden zur größten Stadt im Süden fahren.
Genau das hatten wir vor, als wir nach Green Island fahren wollten: Taiwan besteht nämlich nicht nur aus einer Insel, die Hauptinsel ist von vielen kleineren Inseln umgeben. Green Island ist eine davon und liegt im Südosten. Leider waren wir wohl etwas zu spontan und buchten unsere Fahrt erst an dem Morgen, an dem wir auch losfahren wollten: Für den Schnellzug bekamen wir keine Tickets mehr. So wurden aus unter zwei Stunden ganze sieben Stunden mit dem Bummelzug.
Und es blieb abenteuerlich: Die Fähre, die uns auf die Insel bringen sollte, hatte es nämlich in sich. Mir hatte man vorher geraten, zum Horizont zu schauen, damit mir nicht übel wird. Meist konnte ich den Horizont aber nicht sehen, weil das Schiff so schief über die Wellen ritt, dass er vor dem Fenster verschwand oder Wellen an die Scheiben klatschten und uns die Sicht nahmen.
Als wir auf Green Island ankamen, waren meine Knie weich und mein Magen flau. Was wir auch nicht erwartet haben: So etwas wie öffentliche Verkehrsmittel gibt es auf der kleinen Insel nicht. Stattdessen ist die einzige Möglichkeit, sich schnell fortzubewegen, einen Roller zu mieten. Gesagt, getan: Theoretisch gesehen hätte man vermutlich in knapp einer Stunde um die Insel fahren können. Praktisch gesehen waren da aber so viele schöne Hügel, Strände und Aussichtspunkte, dass wir den ganzen Tag unterwegs waren.
Leider endete unser Kurzurlaub auf Green Island jedoch verfrüht: Die Wettervorhersage prognostizierte einen Tornado, sodass der Fährverkehr eingestellt wurde. Um dennoch zum Festland zu kommen, mussten wir also bereits einen Tag früher als geplant zurück fahren. Eines habe ich in Taiwan gelernt: Die Natur ist immer für Überraschungen gut.