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Studieren im Ausland

Heimweh und Einsamkeit

Endlich in Spanien! Endlich in Málaga! Mein Erasmussemester hat begonnen. Nach langer Vorbereitung bin ich in den Flieger gestiegen und habe mich auf den Weg in den Süden gemacht. Der Abschied war emotional, aber die Aufregung überwog und nachdem ich mitten in der Nacht landete, wachte ich am nächsten Morgen in meinem neuen Zimmer auf. Im 15. Stockwerk! An Einkaufen oder Koffer auspacken war für mich gar nicht zu denken, nachdem ich ausgeschlafen hatte, schnappte ich mir meinen Rucksack und machte mich auf, die Stadt zu erkunden. Ich lief Richtung Zentrum, überwältigt von den neuen Eindrücken, von der Hitze und dem Lärm auf den Straßen. Nachdem ich eine Weile gelaufen war, setzte ich mich in ein Café, um zu frühstücken und da passierte etwas Merkwürdiges: Nachdem ich meinen Rucksack abgenommen hatte und die Karte in den Händen hielt, fühlte ich mich irgendwie komisch. Ich versuchte es zu ignorieren und bestellte mir etwas, doch das half nicht. Ohne, dass ich etwas tun konnte, stiegen mir die Tränen in die Augen. Ich realisierte meine Situation. Ich war in einem anderen Land, tausend Kilometer von meinem Zuhause entfernt. Ich verstand nicht, was die Leute um mich herum sagten. Ich fühlte mich allein, ich fühlte mich einsam. Und ich begann mitten in dem Café, mitten in der Öffentlichkeit, unaufhaltsam zu weinen. Die ganze Aufregung der letzten Tage suchte ihren Weg nach draußen in Form von Tränen. Weinend saß ich also da und aß. Ich schrieb meiner besten Freundin, dass es mir nicht gut geht und sie rief mich sofort an. Ich bezahlte, setzte mich raus an einen ruhigeren Ort und sie tröstete mich am Telefon, bis ich mich wieder ein wenig besser fühlte. Nach dem Telefonat fasste ich mir ein Herz und schrieb in eine Erasmus-Whatsapp-Gruppe, ob sich jemand mit mir treffen möchte. Noch am Abend traf ich mich mit einem sehr netten Mädchen in einer Bar. Mir ging es besser, doch das Heimweh hielt noch eine Weile an und wird mich sicher immer mal wieder einholen. Mittlerweile habe ich jedoch verstanden, dass es vollkommen okay ist, sich einsam zu fühlen. Dieses Gefühl ist ein wichtiges Signal meines Körpers, dass ich mich um mich kümmern muss. Mir hat es sehr geholfen, mich anderen mitzuteilen, mit Leuten offen darüber zu reden und schöne Sachen zu unternehmen, doch ich habe auch Zeit für mich gebraucht, um meine neue Situation anzunehmen und zu lernen, mit mir alleine sein zu können. Und ich merke, ich bin bereits stärker geworden.

Autor: Enne  |  Rubrik: studium  |  Sep 20, 2019
Autor: Enne
Rubrik: studium
Sep 20, 2019

Studieren im Ausland

Die Haut ganz genau ins Auge fassen

Sorgfältig schauen wir uns die Wunden des Patienten an. Sie sind rötlich, teilweise nässend, teilweise trocken und übersäen den ganzen Körper. Der Patient leidet unter dem Juckreiz. Einige Medikamente wurden schon ausprobiert, manches brachte Erfolg, doch die Wunden kamen immer wieder. Es bleibt ein Rätsel.
Die Dermatologie, das medizinische Fachgebiet, das sich auf die Haut spezialisiert hat, ist ein breites, vielfältiges und auch herausforderndes Fach. So spannend es auch sein kann, so langweilig und monoton war leider der Kurs, den ich in Riga dazu belegt hatte.
Meistens hatten wir theoretischen Unterricht und gingen Krankheitsbilder durch. Selten haben wir Patienten gesehen.
Besonderes Durchhaltevermögen verlangte uns die Einheit zu sexuell übertragbaren Krankheiten ab. Doch deren Behandlung im Unterricht ist wichtig, da sie im Alltag eines Arztes häufig vorkommen – insbesondere, weil viele Menschen sich nicht davor schützen. In Lettland ist die Situation noch prekärer als in Deutschland. Lettland ist spürbar ärmer und die Krankenversorgung ist nicht so gut wie bei uns. Und auch die Aufklärungsarbeit hat erst in den letzten Jahren wirklich Fahrt aufgenommen.
Das führt dazu, dass sich Krankheiten finden lassen, die es in Deutschland kaum bis gar nicht gibt. So zum Beispiel Tuberkulose, die bei uns eine Seltenheit darstellt, aber in Lettland fast so gewöhnlich wie eine Lungenentzündung ist. Manche der anderen Erasmus-Studierenden hatten das Fach „Infektiöse Krankheiten“ und mussten für die Tuberkulose-Unterrichtseinheiten in ein spezielles außerhalb liegendes Krankenhaus fahren, in einem Bus voller kranker Menschen – ein Mundschutz war dabei ein Muss. Manche Krankheiten konnte man in fortgeschrittenen Stadien sehen, da sie nicht früh genug erkannt und behandelt wurden. Syphilis gehört dazu, aber auch andere Geschlechtskrankheiten, die nicht nur schmerzhaft sind, sondern auch gefährlich sein können.
Am Ende des Kurses hatte ich zumindest eine klare Erkenntnis: Dermatologe möchte ich nicht werden.

 

Autor: Thilo  |  Rubrik: studium  |  Aug 16, 2019
Autor: Thilo
Rubrik: studium
Aug 16, 2019

Studieren im Ausland

Marseille – das Fazit

Während meines Auslandssemesters habe ich Marseille intensiv kennengelernt. Deshalb möchte ich, jetzt da das Semester vorbei ist, meine Eindrücke mit Euch teilen.
Die drei Adjektive, die Marseille meiner Meinung nach am besten beschreiben, sind: laut, dreckig und bunt. Es gibt sehr viele verschiedene kulturelle Einflüsse – am stärksten ist die Stadt durch die Immigranten aus Nordafrika geprägt. In meinem Viertel bin ich als blonde große Frau sehr aufgefallen und oft angesprochen worden. Am Anfang wusste ich das nicht so recht einzuordnen. Ich denke, im Marseille herrscht einfach weniger Distanz zwischen Fremden. Die Stadt ist aber nicht nur ungewohnt kontaktfreudig, sondern auch sehr lebendig und hat viele Gesichter. Gerade läuft man noch durch das Paris-ähnliche Viertel „Joliette“, in dem breite Straßen von schicken klassischen Fassaden gesäumt werden – und schon gelangt man zum Hafen, an dem sich die Restaurants und Bars drängen. Das Zentrum von Marseille ist erstaunlich klein und man kann praktisch alles zu Fuß machen. Wenn man ein wenig Pause von dem Chaos der Stadt braucht, kommt man mit dem Bus ganz unkompliziert an das südliche Ende von Marseille. Von dort kann man hervorragend in die „Calanques“ einem Nationalpark mit spektakulären Felsformationen und wunderschönen Buchten. Überhaupt ist die Lage am Meer ein wahnsinniger Pluspunkt für die Stadt. Außerdem scheint die Sonne quasi täglich und das Klima ist zumindest während der Semesterzeiten extrem angenehm.
Das Nachtleben in Marseille spielt sich hauptsächlich um den Vieux Port und den Cours Julien ab. Meine Lieblingsbars finden sich am Cours Julien, denn der belebte Platz bietet eine bunte Mischung an Bars und kleinen Clubs. Die Stimmung ist locker, alternativ und studentisch und das Ambiente unter den Bäumen und in den bunt bemalten Gassen ist unschlagbar.
Marseille hat zweifelsohne einen sehr eigenen Charakter. Auch wenn ich eine gewisse Eingewöhnungszeit brauchte, habe ich diese Stadt am Ende lieben gelernt.

Autor: Katha  |  Rubrik: studium  |  Aug 2, 2019
Autor: Katha
Rubrik: studium
Aug 2, 2019