interaktiv

Studieren mit Kind

Relativ wenig Geld

Autor:
Jasmin

Rubrik:
studium

30.09.2011

Möglich, dass es an der Nähe des Themas zu meinem eigenen Alltag liegt. Als Studentin mit Kind kommt es mir so vor, als könnte man den Begriff „arm“ viel öfter in Zeitungen lesen. Öfter als „prekär“, was vor wenigen Jahren recht beliebt war.

Und es kommt mir so vor, als ob Menschen, die vor wenigen Jahren noch sauber in ihren Grüppchen als Hartzer, Rentner, Studenten, Zeitarbeiter, Alleinerziehende etc. gehalten wurden, jetzt einfach unter der Kategorie „arm“ abgelegt werden.

Das vergrößert natürlich das Grüppchen und macht es auch ein wenig salonfähig, „arm“ zu sein. Weil es ja auch Referendare, Freiberufler, Volontäre betrifft und nicht nur die üblichen Verdächtigen. Und „arm“ versteckt sich auch gerne hinter Verdunkelungsbegriffen wie schlecht bezahlt, Geringverdiener, Dumping-Löhne, Billigarbeiter. So liest sich das in diversen Zeitungen.

Wenngleich „arm“ in Deutschland natürlich relativ ist: Arm ist, wer weniger als 60 Porzent des mittleren Einkommens zur Verfügung hat.

Wobei man natürlich nicht automatisch arm ist, wenn man mit Kind studiert. Und möglicherweise geht das ja auch vorbei, das mit dem chronischen Geldmangel. Aber man sollte sich schon darüber im Klaren sein, dass man relativ arm ist. Auch wenn man das bei diversen Beratungsstellen sicher blumiger beschreiben würde: als beinahe heroisch-mütterlichen Verzicht der natürlich tausendmal aufgewogen wird durch das, was man in der Beziehung zu seinem Kind blabla …Glaubt das bloß nicht! Wie auch immer: Man sollte es also nicht schlimm finden, das Kind (und sich selbst) auf dem Kindergartenbasar einzukleiden. Und neue (gebrauchte) Küchenstühle müssen warten bis irgendwann, vor allem, wenn man doch mal ausgehen will. Und immer schön brav selber kochen. Und Reste vom Sonntag am Dienstag aufwärmen (halt irgendwie so wie bei Oma früher, als „arm“ noch nicht so oft in der Zeitung stand). Leider erfordert es Zeit, selbst zu kochen. Und Koordination, wenn ich gleichzeitig mit Carla Memory spiele. Aber vor allem eine gewisse Frustrationstoleranz: Es schmeckt nämlich nicht immer. Auch Carla nicht. So ehrlich muss ich sein. Auch irgendwie: armes Kind. Aber zum Glück nur relativ.

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