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Zwischen Bachelor und Master

Kulturschock Oberpfalz

Schönsee, Oberpfalz in Bayern. Stadt-Status. 2.471 Einwohner, sagt Wikipedia. Wenige Kilometer bis zur tschechischen Grenze. Ein Supermarkt, zwei Fleischer, drei Bäcker. Einmal in der Woche kommt der Grillhändl-Wagen, einmal der mit der Pferdewurst. Der Bahnhof hat dicht gemacht, ab und an fahren Busse zum nächstgelegenen Bahnhof. Ohne Auto ist das Leben hier hart. Schönsee, oder die Stadt mit den drei Lügen, wie sie manch einer nennt. Erstens: Keine Stadt. Zweitens: Kein See. Drittens: Nun ja, nicht wirklich schön. Und nun ist das mein Zuhause für die nächsten drei Monate.
Hierher verschlagen hat mich mein Praktikum im Centrum Bavaria Bohemia, einem bayerisch-tschechischen Kulturzentrum, das eine absolut einmalige Arbeit leistet. Als gebürtiger Sachsen-Anhalter, der zuletzt in einer Millionenstadt gelebt hat, habe ich in den ersten Tagen einen gehörigen Kulturschock erlitten.
Meine Bayern-Vorurteile? Sie wurden alle bestätigt. Dirndl und Lederhosen? Jawohl. Bei der Vergabe von Zertifikaten für Tschechisch-Kursteilnehmer tauchen einige der Schüler tatsächlich in bayerischer Kluft auf. Katholisch? Aber hallo! Die Glocken im Kirchturm läuten zu jeder Tages- und Nachtstunde. Auch mit dem Dialekt tue ich mir schwer. Nicht selten muss mein Gegenüber darum bitten, seinen Satz nochmal zu wiederholen. Und überall hört man Blasmusik.
Auch wenn Schönsee tatsächlich keinen See hat – stattdessen nur zwei „Weiher“, warum auch immer – und nicht die Vorzüge einer Stadt hat – schön ist es hier ja schon ein bisschen und die Natur ringsum lädt zu ausgedehnten Fahrrad- und Wandertouren ein. Und außerdem kann es mir sicherlich auch nicht schaden, über den eigenen Schatten zu springen und ein neues Fleckchen Deutschland zu entdecken. Also Schönsee, auf geht’s! Ich bin bereit für das Abenteuer Oberpfalz.

Autor: Ferdinand  |  Rubrik: orientieren  |  Jul 29, 2019
Autor: Ferdinand
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Jul 29, 2019

Zwischen Bachelor & Master

Tschüss Goethe - Teil 2

Und dann waren da noch all die vielen anderen Veranstaltungen und vielen tollen Momente im „Goethe“ zu nennen. Es gab die Übersetzungsdonnerstage, bei denen tschechische Übersetzer ihre frisch erschienenen Übersetzungen deutscher Literatur präsentierten. Es gab verschiedenste Filmvorführungen. Es gab die Museumsnacht, bei der über 1.000 Menschen dem Goethe-Institut einen Besuch abstatteten und es gab das Kloster Broumov, diesen großartigen und spannenden Ort, an dem ich zwei Lesungen moderieren durfte.
Mein Praktikum im Goethe-Institut, das waren sechs Monate voller spannender Erlebnisse und Erfahrungen. Ich konnte nicht nur einen Einblick in die Kulturarbeit in Prag und Tschechien bekommen, sondern auch in die Tätigkeiten des Goethe-Instituts in der gesamten Region Mittel- und Osteuropa und auf der ganzen Welt. Durch die vielen Texte, die ich geschrieben, lektoriert und übersetzt habe, konnte ich auch mein Tschechisch nochmal ordentlich verbessern.
Vermissen werde ich den Blick vom Balkon des Büros auf die Skyline von Prag, die lieben Kollegen, das deutsch-tschechische Sprachenwirrwarr und das Café Goethe mit dem Mittagessen und den großartigen Käsebrötchen für 28 Kronen, die nicht selten mein Frühstück waren.
Nach dem Bachelor erst mal Erfahrungen zu sammeln hat sich für mich vollkommen ausgezahlt. Und vielleicht kehre ich ja eines Tages in die Goethe-Sphäre zurück; nach Prag wohl so oder so.

Autor: Ferdinand  |  Rubrik: orientieren  |  Jul 18, 2019
Autor: Ferdinand
Rubrik: orientieren
Jul 18, 2019

Zwischen Bachelor & Master

Tschüss Goethe - Teil 1

Nach anderthalb Jahren Prag und sechs Monaten davon im dortigen Goethe-Institut, war es Zeit, Abschied zu nehmen. Es fiel mir nicht leicht, doch die nächste Herausforderung wartet schon. Zuletzt gab es aber nochmal einige Highlights zu erleben, die ich euch nicht vorenthalten möchte:
Zum einen war da die Prager Buchmesse „Svet knihy“ (Welt des Buches), bei der das Goethe-Institut gemeinsam mit dem Österreichischen Kulturforum und der Schweizer Botschaft deutschsprachige Autoren präsentierte. Nachdem ich schon einen Gastlandsauftritt von tschechischen Autoren bei der Leipziger Buchmesse miterleben durfte, konnte ich nun dabei sein, wie deutsche Autoren in Prag Lesungen hielten und diskutierten. Im Gedächtnis wird mir sicher die Lesung der Nobelpreisträgerin Herta Müller bleiben, die eindrücklich von sich und ihrer Arbeit erzählte. Für mich war das auch eine großartige Gelegenheit, einige deutsche und tschechische Schriftsteller und Übersetzer kennenzulernen.
Im Theaterbereich war die Prager Quadriennale (PQ) eines der ganz großen Events des Jahres. Bei der alle vier Jahre stattfindenden Weltausstellung für Szenografie, Bühnenbild und Performance-Design stellten sich einzelne Länder und Regionen vor. Spannend war, an wie vielen Ständen mit Virtual Reality gearbeitet wurde. Mir persönlich lieber war dann aber doch die klassische Arbeit mit Material und Raum. Deutschland war mit einer Retrospektive auf den 2015 verstorbenen Bühnenbildner Bert Neumann vertreten. Für mich war es eine spannende Erfahrung, den deutschen Standauftritt von einem der ersten Treffen mit den Künstlern und Partnern, über die Pressekonferenz bis hin zur Eröffnung begleiten und unterstützen zu können. Bei der „PQ“ fanden auch Fachgespräche statt, welche vom Goethe-Institut mitorganisiert wurden. Eine besondere Freude war für mich als gebürtigen Hallenser dabei natürlich die Vorstellung der Raumbühne Heterotopia, die im Bereich Bühnenbild für Opern neue Maßstäbe setzen konnte.

 

Autor: Ferdinand  |  Rubrik: orientieren  |  Jul 10, 2019
Autor: Ferdinand
Rubrik: orientieren
Jul 10, 2019