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Zwischen Bachelor & Master

Das Chodenfest in Domažlice

Das Centrum Bavaria Bohemia ist im Grenzgebiet ein vielfältig aufgestellter Kulturplayer. Veranstaltet werden nicht nur Konzerte, Vorlesungen, Ausstellungen oder Tschechisch-Kurse, sondern auch die sogenannten KulturTouren. Hierbei wird Interessierten die Möglichkeit gebeten, einige Highlights Tschechiens zu erleben und so die Grenze zu überschreiten. Während die erste KulturTour, die ich begleiten durfte, an Familien gerichtet war und den Pilsner Zoo und den dortigen Dino-Park als Ziel hatte, führte mich meine zweite nun nach Domažlice, wo das 65. Chodenfest Tausende Besucher anzog.
Die Choden sind die Volksgruppe um Domažlice. Hier in der Grenzregion, waren sie historisch dafür verantwortlich, die böhmische Grenze zu sichern, woher auch ihr Name kommt: „chodit“ heißt im Tschechischen „gehen“, oder eben auch „patrouillieren“. Das Chodenfest hat seine Ursprünge in der Mitte des 19. Jahrhunderts mit der Laurentiuskirchweih. Die ursprünglich rein christliche Tradition hatte schnell auch den Charakter einer Kirmes. Nach der kommunistischen Machtübernahme in der Tschechoslowakei war ein kirchliches Fest undenkbar und so wurde das Chodenfest unter anderem als Tag der Grenzwache gefeiert. Heute ist es wieder ein buntes Fest mit viel Folklore aus dem Chodenland, ganz Tschechien und der ganzen Welt.
Highlights des Chodenfestes sind nach wie vor die Aufführungen der Folklore-Gruppen. Davon war auch ich sofort begeistert. Die Gruppen musizieren und tragen klassische Geschichten vor. Und außerdem wird natürlich getanzt. Die bunten Kleider der Frauen wehen im Wind, die Männer stampfen mit ihren schwarzen Stiefeln, dunkelgelben kurzen Hosen und dunkelblauen Westen auf den Boden. Außer den Tanz- und Musikauftritten gab es freilich noch einiges mehr zu entdecken beim Chodenfest, so wurden in etwa beim Handwerkermarkt schöne Produkte aus der Region angeboten.
Für mich war das Chodenfest eine überaus spannende Erfahrung und ich habe es dabei sehr genossen, einen Einblick in eine für mich bisher noch unbekannte Tradition Tschechiens zu bekommen.

Autor: Ferdinand  |  Rubrik: orientieren  |  Aug 27, 2019

Zwischen Bachelor & Master

Die Grenze: gestern

Auch meine Wege führen mich hier regelmäßig an die Grenze oder darüber hinweg. Jede Woche bin ich mindestens einmal im Nachbarland, überschreite den ehemaligen Eisernen Vorhang, der hier schon eine Weile Geschichte ist. Wenn ich auf meinen Fahrradtouren den Blick über die Landschaft schweifen lasse, stelle ich immer wieder eindrücklich fest, wie die Natur sich jeden Grenzen entwindet.
Im Rahmen meines Praktikums verbrachte ich nun auch schon einige Zeit auf der Bügellohe, einer verlassenen Siedlung, wenige Kilometer von der Tschechischen Republik entfernt. Als nach dem Zweiten Weltkrieg die Sudetendeutschen aus der Tschechoslowakei vertrieben wurden – auch dieser Teil der Geschichte ist hier in und um Schönsee allgegenwärtig – bauten sich einige Bewohner des Dorfes Wenzelsdorf Baracken kurz hinter der Grenze. Nur kurz wollten sie verweilen, und später wieder zurückkehren in die Heimat. Doch spätestens als Wenzelsdorf in Flammen aufging, wurde es Gewissheit, dass die Bügellohe ein Zuhause für längere Zeit werden sollte. Ohne fließendes Wasser, Strom oder eine Straße lebten die Menschen ihr Leben, der letzte der Bewohner verließ 1970 die Siedlung. Heute sind die Häuser verfallen, nur zwei Gebäuderuinen sind geblieben.
An einer Hauswand wurde nun ein Land Art von Pilsner Künstlern installiert – in Kooperation mit dem Centrum Bavaria Bohemia. Zuvor jedoch musste die verwucherte Gebäudeecke freigelegt werden. Hierfür machte ich mich mit einem Kollegen mit Rasentrimmer und Werkzeug ausgestattet an die Arbeit. Für mich war es eine besondere Erfahrung, an diesem geschichtsträchtigen Ort zu arbeiten. Rasenmähen an der Grenze – ich denke die Vielfältigkeit meines Praktikums liegt auf der Hand. Als dann bei der Vernissage zum ersten Mal das Segel, das aus einem alten Blechdach eines der Häuser gefertigt wurde, über der Bügellohe „wehte“, war ich begeistert. In Sichtweite der Grenze, hilft ein Kunstwerk dazu, die Vergangenheit zu verarbeiten. Und dazu, dass sich Deutsche und Tschechen einen weiteren Schritt näher kommen.

Autor: Ferdinand  |  Rubrik: orientieren  |  Aug 21, 2019

Zwischen Bachelor und Master

Die Grenze: heute

Seit einigen Wochen lebe ich nun in Schönsee in der Oberpfalz, wenige Kilometer von der tschechischen Grenze entfernt. Blickt man auf eine Karte im Netz ist sie unübersehbar. Beinahe scheint es, dass die rote Nadel mit dem Standort Schönsee direkt auf dem schwarzen Streifen liegt, der die beiden Länder trennt. Und auch vor Ort spürt man die Grenze tagtäglich, denn überraschenderweise passiert hier  ziemlich viel Grenzüberschreitendes.

Ich war davon ausgegangen, dass es keine Berührungspunkte mit den Nachbarn gäbe. Nun wurde ich eines Besseren belehrt. Nicht nur, dass die Bedienung in der Pizzeria in Schönsee sich als Tschechin herausstellt – seit 23 Jahren pendelt sich nach Schönsee zum Arbeiten – auch von deutscher Seite ist das Interesse an Tschechien groß. So sprechen hier in der Region nicht wenige Menschen ein passables Tschechisch. Oft kommen Leute in meine Praktikumsstelle, um sich Informationen für ihre bevorstehenden Reisen einzuholen. Und die Wanderwege der Region gehen längst über jegliche Grenzen hinweg. Auch Beschriftungen sind oft zweisprachig. Und Tag für Tag bin ich beim Blick in die hiesige Zeitung überrascht, wie viel grenzüberschreitend berichtet wird.

Der Grenze widmeten sich auch zwei Freilichtspiele, die „Irrlichter“ und die „Pascher“, die Jahr für Jahr hier im Sommer auf dem Eulenberg bei Schönsee aufgeführt werden. Wenige Meter von der Grenze entfernt gehen sie auf die Geschichte des Ortes ein. In den Theaterstücken wird teilweise auch tschechisch gesprochen – zum Glück, denn das verstehe ich immer noch deutlich besser als das Oberpfälzische.

Autor: Ferdinand  |  Rubrik: studium  |  Aug 13, 2019
Autor: Ferdinand
Rubrik: studium
Aug 13, 2019