interaktiv

Meine Abschlussarbeit

Von der Kunst, sich zu entspannen

Autor:
Noelle

Rubrik:
studium

29.03.2018

„Hast du es gut! Ich wäre auch gerne schon so weit!“ Von meinen Freunden habe ich solche oder ähnliche Sprüche in letzter Zeit häufig zu hören bekommen. Ich kann schon verstehen, dass einem das Ende des Studiums reizvoll erscheint, wenn man mitten im Studium steckt und sich mit allerhand Prüfungen und Abgabeterminen herumschlagen muss. Ich selbst kann es kaum glauben, dass ich das Schreiben meiner Masterarbeit nun hinter mir habe. Die monatelange Recherche und das Tippen von immerhin 85 Seiten entpuppten sich vor allem gegen Ende als sehr ermüdend. Dementsprechend froh war ich, als ich die gebundenen Exemplare endlich beim Prüfungsamt einwerfen konnte. Und tatsächlich: Die Gewissheit, mein Studium mit den letzten Credit-Points beendet zu haben, hat etwas Beruhigendes – keine Hausarbeiten mehr, keine Referate und auch keine schnöden Klassiker der Literaturgeschichte.
Trotzdem kann ich mich nicht richtig entspannen. Irgendwie fühle ich mich nutzlos und die Sorge, nicht rechtzeitig einen Job zu finden, sitzt mir wie ein kleiner, fieser Parasit im Nacken. Mindestens ein Dutzend Bewerbungen habe ich geschrieben, doch bis auf zwei Absagen kam bisher keine Reaktion. Da ist es nicht verwunderlich, dass ich langsam, aber sicher an mir zweifle: Wieso habe ich nichts anderes studiert? Wieso kann ich nichts Sinnvolles? Wieso gibt mir niemand eine Chance?
Derartige Gedanken führen aber in die falsche Richtung. Zumindest versuche ich, das meinem inneren Schweinehund zu sagen. Denn was hätte ich davon, jetzt den Kopf in den Sand zu stecken? Genau, nichts. Doch wie soll ich es schaffen, diese Negativspirale auszuschalten? Ich versuche, mir andere Aufgaben zu suchen, die mir Spaß machen – nähen zum Beispiel oder kochen und backen. Dazwischen schreibe ich weitere Bewerbungen, mache etwas für meinen redaktionellen Nebenjob und sorge ein wenig für Ordnung. Und wie so oft hilft mir eine To-do-Liste dabei, meinen Tag zu organisieren. Kann man Punkt für Punkt abhaken, kommt man sich gar nicht mehr so nutzlos vor, sondern sieht, was man alles geschafft hat. Und bei all den erledigten Aufgaben schaffe ich es vielleicht doch, mich ein wenig auf die faule Haut zu legen – so entspannt wird es schließlich vermutlich nie wieder!

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