interaktiv

Meine Abschlussarbeit

Stand der Dinge: Augenringe

Autor:
Luisa

Rubrik:
studium

23.05.2018

Die Deadline für die Abgabe der Masterarbeiten naht. In der Mensa ist sie (fast) das einzige Gesprächsthema. Alles dreht sich um Fragen wie: Wie viele Wörter musst du noch schreiben? Wie viele Fußnoten hast du? Wie lang ist das Literaturverzeichnis? Die Atmosphäre ist eine Mischung aus gespannt und gelöst, denn: Der Sommer hat auch das manchmal graue Brügge erreicht, und für die meisten hier sind die Klausuren nach der Masterarbeit der Anfang vom Ende. Unglaublich: Meine zehn Monate am College of Europe sind schon fast vorbei.
In der Mensa mag die Stimmung noch gemischt sein, in der Bibliothek ist sie eindeutig: Stress, Stress, Stress. Dem habe ich mich schon von Anfang an entzogen und es mir in meinen eigenen vier Wänden gemütlich gemacht. Aber auch mich erwischen die ganz großen Zweifel kurz vor Ende. Nach vier Monaten schaue ich mir erneut meinen theoretischen Unterbau an und hinterfrage alles von Grund auf: Habe ich die Theorie überhaupt richtig verstanden? Passt das, was ich in meiner Arbeit behaupte, überhaupt zu der Theorie? Besonders als Nicht-Politikwissenschaftlerin geht hier die Panik mit mir durch. Denn eines ist klar: Ich habe eh keine Chance, alles zu ändern. Dann gebe ich lieber eine schön formulierte Masterarbeit mit einem falschen theoretischen Unterbau ab. Doch ein paar Gespräche mit „richtigen“ Politikwissenschaftlern beruhigen meine Nerven zum Glück wieder. Und so kann ich, mit nur einer halb durcharbeiteten Nacht auf dem Buckel, entspannt meine Masterarbeit zum Drucken schicken. Eine Unterschrift später bin ich das Ding los.
Zur Feier des Tages gibt es an unserer Mensa ein Festmahl und selbst Petrus gibt sein Bestes. Gut gestärkt schwinge ich mich aufs Rad – in nur zehn Minuten verlasse ich am Kanal entlang die Stadt, fahre durch Felder, entlang an Wiesen mit Schafen, Kühen und Pferden, nichts außer dem sausenden Wind im Ohr. Eine Stunde später habe ich die Küste erreicht. Und nach dieser ganzen Arbeit entlohne ich mich mit einem Sprung ins Meer – was stört es mich schon, dass das zu dieser Jahreszeit 12 Grad kalt ist, ich habe meine Masterarbeit hinter mir!

Diesen Artikel teilen

Diese Webseite verwendet Cookies und das Webanalyse-Tool Matomo. Das hilft uns, dir ein gutes Nutzungserlebnis zu bieten und unsere Website zu verbessern. Wenn du durch die Seiten surfst, erklärst du dich hiermit einverstanden. Hier erfährst du mehr über die Nutzung deiner Daten und Möglichkeiten zum Widerspruch.