interaktiv

Meine Abschlussarbeit

Wie soll ich das schaffen?

Autor:
Mia

Rubrik:
studium

19.12.2018

Mir tat alles weh, der Betreuer glänzte durch Abwesenheit und meine Nerven lagen blank. Nicht selten war ich während meiner Masterarbeit völlig am Ende. Ich hatte diese Abschlussarbeit, für die ich einheimische Pflanzen bestimmen musste, mit viel Enthusiasmus begonnen. Mein Betreuer war dann aber nur sehr selten da und oft mies gelaunt. Durch eine nie richtig auskurierte Sehnenscheidenentzündung war ich mittlerweile nicht mehr richtig in der Lage, zu schreiben. Dazu gesellten sich dann auch noch üble Rückenschmerzen, die mich eine Zeit lang völlig außer Gefecht setzten.
Von meinem Betreuer konnte ich keine allzu große Unterstützung erwarten, deshalb hatte ich eine Zweitbetreuerin gesucht, von der ich hoffte, sie könnte mir mehr helfen. Das tat sie zwar auch zeitweise, aber ihr war wohl auch nicht klar, dass ich nicht mittendrin Monate lang auf ihre Hilfe warten konnte.
Ich erinnere mich noch gut an eine letzte Besprechung mit meinem Erstbetreuer vor seinem berufsbedingten Umzug ins Ausland. Ich saß mit verbundener Hand und Halskrause bei ihm und wir besprachen das weitere Vorgehen. Ich erklärte ihm, dass es für mich an ein Wunder grenzen würde, wenn ich es in meinem Zustand schaffen sollte, meine Feldarbeiten fristgerecht zu Ende zu bringen. Mein Betreuer hatte ebenfalls Zweifel. Was danach passierte, grenzte an ein Wunder: Weil ich mit meiner Hand nicht schreiben konnte, bat ich Freunde und Familie, mich ins Grüne zu begleiten, um meine Hand zu sein. Und so kam es dann auch: Freunde, Ehemann und Familie waren zur Stelle, gingen mit mir in die Wälder und auf Wiesen, auf Äcker und in Gärten und notierten, was auch immer ich ihnen diktierte. Das war mitunter äußerst witzig, denn die vielen lateinischen Pflanzennamen wurden von meinen Freunden teilweise munter mit neuer Schreibweise festgehalten. Und bei den Pflanzen, für die ich einen Übergangsnamen brauchte, waren meine Helfer auch kreativer als ich: Zum Beispiel „Popopinsel“ für etwas, das ich einfach als „behaarte Asteraceae“ bezeichnet hätte. Dank dieser vielen lieben Menschen habe ich es tatsächlich geschafft, alle 50 Flächen für meine Forschungsarbeit abzugrasen.

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