interaktiv

Auszeit vom Studium

Und jetzt?

Autor:
Thilo

Rubrik:
orientieren

25.05.2018

Nach meiner Rückkehr musste ich mich zuerst von der Illusion verabschieden, lange weg gewesen zu sein. Für mich war es völlig neu, mehr als zwei Wochen nicht in Deutschland zu leben, deshalb kamen mir die fünf Monate ewig vor – den Menschen zu Hause aber offenbar nicht. Zu Anfang war es noch aufregend, all die Menschen wiederzusehen, die ich schmerzlich vermisst hatte. Dann war ich aber doch sehr schnell genervt von mir und meinen Erzählungen. Das erlebte nutzte sich ab.
Ich schreibe diesen Text nun einige Wochen, nachdem ich wieder nach Deutschland zurückgekommen bin. Das ist gut, weil nun in meinem Kopf alles sortierter ist. In den ersten beiden Wochen musste ich mich erst finden. Ich musste entscheiden, wo ich mit all den gesammelten Erfahrungen hin möchte. Auch bin ich mit der Tatsache konfrontiert worden, dass wir für kurze Zeit nur einen kleinen Ausschnitt dieser großen Welt kennenlernen durften. Da ich nach unserer Heimkehr kein Geld mehr habe, arbeitete ich zwei Wochen lang bei der Fundraising-Agentur, für die ich schon einmal tätig gewesen war. Somit stellte sich schnell Routine ein – überall, wo ich hinkam, wurde ich mit meinem alten Ich konfrontiert.
Bei der intensiven Arbeit als Fundraiser eckte ich aber auch mit meinem neuen Ich an. So werde ich von meinen Freunden merkwürdig beäugt, wenn ich mich einfach an den Straßenrand hocke, um auf den Bus zu warten, wie es in all unseren Reiseländern, in denen wir waren, üblich war. Ich war plötzlich halt- und orientierungslos in meinem gewohnten Umfeld und verstand nicht, wie eingefahren manche sind. Es waren also doch fünf Monate vergangen. Neben dem Arbeiten war ich viel mit Freunden feiern und suchte die Freiheit, die wir in Asien genossen haben. Gleichzeitig habe ich die Zeit dort emotional von mir fern gehalten. Es hat zum Beispiel lange gedauert, bis ich zu unserer Gastfamilie wieder Kontakt aufnahm.
Doch ich kann mir selbst und meinen Erlebnissen nicht ewig entkommen. Von nun an möchte ich stattdessen versuchen, alle Abschnitte meines Lebens zusammenzufügen.

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