interaktiv

Auszeit vom Studium

Unterschiedliche Chancen

Autor:
Thilo

Rubrik:
studium

14.12.2017

Wenn ich eine Volontärin hier erzählen höre, scheinen in ihrem Abi-Jahrgang diejenigen Außenseiter zu sein, die nicht ins Ausland gehen. Sie berichtet davon, wen sie alles in Kambodscha und Laos auf ihren Reisen treffen wird, welche Freunde in Projekten in Thailand, Kasachstan oder der Mongolei arbeiten und welche in Kanada, Schottland und Litauen studieren. Ich vermute einen Trend …

Denn auffällig ist, dass die Mehrzahl der Freiwilligen hier bei Shanti aus gut situierten Familien kommt. Ihre Eltern übernehmen die Hälfte der Reisekosten, wenn nicht sogar mehr. Ich bekomme etwa 1.000 Euro – viel Geld, aber etwas weniger als ein Fünftel meines gesamten Budgets – und bin ihnen dafür sehr dankbar. Mehr habe ich nicht erwartet. Ich glaube, dass es anderen Kindern, deren Eltern keine Akademiker sind, genauso geht und sie daher nicht so leicht ins Ausland gehen können. Es scheint ein Privileg der Reichen zu sein, all diese Auslandserfahrungen zu sammeln. Viele der Freiwilligen waren zuvor sogar schon auf Schulen in Schottland, Kanada, England oder den USA. Auch diese Chance gab es für mich nicht, weil das Geld dafür fehlte. Für mich ist es keine Normalität, für viele Monate ins Ausland zu reisen und mehr als fünf Monate hätte ich mir vor dieser Reise, diesem Ausbruch nicht zugetraut.

Aber die Sichtweise der Volontäre hier lehrt mich auch, dass es möglich ist. Es ist nur leider für manche mehr, für andere weniger Arbeit, um diese Erfahrungen finanzieren zu können.

Wäre ich erneut in der Position, würde ich anders denken, handeln, entscheiden – und mich nicht entmutigen lassen.

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