interaktiv

Auszeit vom Studium

Ein nepalesischer Freund

Autor:
Thilo

Rubrik:
orientieren

06.02.2018

Drei Stunden hat der nepalesische Gottesdienst gedauert, zu dem ich von Pabi und Purnima, zwei jungen Frauen bei Shanti, die starke körperliche Einschränkungen haben, eingeladen wurde. Es fiel auf, dass sich erstaunlich viele Menschen mit Behinderungen in dieser Kirche befanden. Selbst die beiden Pastoren saßen im Rollstuhl. Sie alle sind Menschen, die in der nepalesischen Gesellschaft keinen Platz finden, sondern Verstoßene sind. Als ich mich während des Gottesdienstes umschaute, sah ich in strahlende Gesichter. Die Menschen tanzten zu den Liedern der jungen nepalesischen Band, mit Tränen in den Augen, oft jubelnd und klatschend. Christen gibt es in Nepal praktisch keine, diese Religion kommt von außen. Ich sehe Missionierung sehr kritisch, doch hier wurde ein Platz für Menschen geschaffen, die sonst keinen hätten.
Es sind Ausflüge wie dieser, die mir als Lichtblicke im nicht immer einfachen Alltag in Nepal dienen. Auch der nach Boudhanilkanta ist mir im Gedächtnis geblieben. In diese Stadt nahe Kathmandu machten wir uns auf, um an einem freien Tag auf den Shivapuri zu steigen, dem höchsten der Berge, die das Kathmandu-Tal umgeben. Stattdessen landeten wir zufällig im Homestay eines gemeinnützigen Projektes, das von Nepali geführt wird. Wir lernten Sujan kennen, der Wirtschaft studiert hatte, aber hier wenig berufliche Perspektiven sieht. Deshalb widmet er sich vollständig dem Projekt: Seine Familie hat eine kleine Schule für Waisenkinder eingerichtet. Auch ist Sujan für das Volontärs- und Gästehaus zuständig, in dem wir mit einer rumänischen Volontärin übernachten durften.
Am nächsten Tag führte er uns zu nahegelegenen Wasserfällen, zeigte uns einige religiöse Stätten und machte diverse Bilder und Videos von und mit uns, um damit Werbung für seine Organisation zu machen.
Kurz vor unserem Abschied aus Nepal entschieden wir uns dazu, mit zwei weiteren Volontärinnen nach Nagarkot zu fahren, um von dort aus den Mount Everest wenigstens aus weiter Ferne gesehen zu haben. In diesen zwei Tagen hatten wir unseren ersten Autounfall mit einem Roller, liefen durch kleine Dörfer auf einem Bergkamm entlang und schauten gemeinsam mit einem riesigen sitzenden Buddha ins Tal hinein, dabei kein einziger Tourist weit und breit. Schließlich durften wir noch ein letztes Mal den Sonnenauf- und -untergang über dem Himalaya genießen.
All das zeigte uns noch einmal: Nepal hat viel zu bieten und ist auch immer wieder krass – in jeder Hinsicht.

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