interaktiv

Auszeit vom Studium

Die Menschen geben den Inhalt – Teil 1

Autor:
Thilo

Rubrik:
orientieren

12.02.2018

Shanti wird vor allem durch die Geschichten der dort lebenden und arbeitenden Menschen geprägt. Jeder von ihnen hat Unvorstellbares erleben und erleiden müssen, es überstanden und sich ein Leben aufgebaut. Jede Biografie hätte es verdient, gehört und verbreitet zu werden. Julia und ich merkten schnell, dass wir nur eine dieser Lebensgeschichten am Tag anhören können, um sie verarbeiten und richtig einordnen zu können. Es ist schwer, eine kleine Auswahl zu treffen, doch versuche ich, ein paar Shanti-Biographien hier niederzuschreiben.
Beginnen wir mit Siddharta, benannt nach dem ersten Buddha. Er ist schätzungsweise 16 Jahre alt und lebt mit den anderen Kindern zusammen in der obersten Etage der Klinik. Seine Familie hat ihn auf der Straße am Tempel Pashupatinath ausgesetzt, wo er traumatisiert und mit Wunden übersät aufgefunden wurde. Inwieweit er tatsächlich geistige und körperliche Behinderungen hat, ist schwer auszumachen, da vieles auch von seinen traumatischen Erlebnissen herrühren kann. Er ist überaus wissbegierig und merkt sich Dinge, indem er sie etliche Male wiederholt, was zuweilen manchen Volontär verzweifeln ließ. Laufen kann er nur mit großer Unterstützung, manchmal versucht er es selbst, sich am Geländer hochzuziehen, ein paar Schritte zu tun, was aber meistens darin endet, dass er vornüber auf seine Hände fällt. Morgens steht er dennoch oft an der Brüstung der Klinik, um auf die Straße zu schauen und auf uns zu warten und uns zuzuwinken, wenn wir zur Arbeit kommen.

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