interaktiv

Auszeit vom Studium

Und, was bleibt?

Autor:
Thilo

Rubrik:
orientieren

20.02.2018

Es ist soweit: Julia und ich stehen am Flughafen Kathmandu und warten auf unseren Flug nach Bangkok. Zuvor hatten wir uns von allen Volontären, den Bewohnern von Shanti und unseren neu gewonnenen Freunden verabschiedet. Uns gehen unzählige Fragen durch den Kopf. Wir brechen mit gemischten Gefühlen auf – nicht sicher, ob wir eher glücklich oder traurig sind, ob unsere Erwartungen an diese Zeit erfüllt worden sind.
Eines steht fest: Die Zeit bei Shanti war eine der zermürbendsten, bereicherndsten, aufregendsten und zugleich erschütterndsten meines bisherigen Lebens. Diese knapp drei Monate haben uns an unsere Grenzen gebracht. Wir wurden jeden Tag aufs Neue herausgefordert, haben uns mit einer Kultur auseinandergesetzt, die von Grund auf verschieden zu der unsrigen ist. Ebenfalls nahmen wir stets eine Stunde Fußweg zwischen Müll, hupenden Autos, rauchenden Lastkraftwagen, bellenden Hunden, grasenden Kühen, brennenden Leichen und wehendem Staub auf uns, um zum Center zu kommen und unsere Projekte voranzutreiben.
Wir haben in dieser Zeit gelernt, was es heißt Verantwortung für Niederlagen und Erfolge gleichermaßen zu übernehmen und bei allen Aufgaben zu hinterfragen, ob sie tatsächlich mit Spenden finanziert werden sollten. Es war ein täglicher Kampf mit uns selbst. An vielen Abenden haben wir mit den anderen auf unserer Dachterrasse gesessen, über Kathmandus Häuser geschaut und uns gefragt, was wir hier eigentlich machen.

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