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Barrierefrei studieren?

Die blinden Sehenden

Autor:
Daniela

Rubrik:
studium

26.02.2008

Ich falle nicht nur deswegen auf, weil ich als Blinde zwischen Sehenden studiere. Vielmehr zähle ich infolgedessen auch als die Ausnahme - wie groß sie ist, möchte ich nicht beurteilen -, was meine Leistungsnachweise betrifft. In diesem Zusammenhang kam es in einem Proseminar zu einer Sonderregelung, die mich nachdenklich stimmte.

Während meine Kommilitonen für den Scheinerwerb ein Referat halten und eine Klausur bestehen mussten, ersparte mir der Dozent das Referat. Vielleicht hing das ja damit zusammen, dass ich gleichzeitig in zwei seiner Seminare saß und er so den zusätzlichen Aufwand, den ich bei Literaturrecherche und Handouterstellung grundsätzlich habe, ausglich, indem er mir einmal die komplette Arbeit erließ. Ich war natürlich froh darüber, aber merkwürdig fand ich es trotzdem und mit Sicherheit nicht ganz gerecht.

Damit vergleichbar sind meine Gefühle bei der Festlegung eines bestimmten Klausurtermins. Zur gleichen Zeit wie alle anderen, ist in diesem Fall nicht möglich. Und warum sollte ich das Angebot, mich erst am nächsten Tag prüfen zu lassen, ausschlagen? Wird nicht zwischen meinen Kommilitonen und mir das Gleichgewicht wieder hergestellt, wenn ich bei so vielen Nachteilen manchmal auch einen Vorteil genießen kann?

Leider werden viele bloß dann auf meine Situation aufmerksam, wenn sie sehen, dass ich bevorzugt werde, mir z.B. mehr Zeit zur Vorbereitung zugesprochen wird. Dass sie es aber meistens viel leichter haben, dafür sind sie blind.

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