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Barrierefrei studieren?

Ich fordere Gerechtigkeit (Teil 2 von 3)

Autor:
Daniela

Rubrik:
studium

16.12.2009

Dann stand mir die Zwischenprüfung bevor. Und ein paar meiner sehenden Kommilitonen sprachen sich dafür aus, dass ich für den Test ein weniger umfangreiches Lektürekonvolut vorbereiten sollte als sie selbst. Immerhin dauert das Lesen mit Händen und Ohren länger als das mit den Augen, weshalb ich auch für das Lernen eine Menge mehr Zeit brauche. Doppelt so lange, um das Gleiche bewältigen zu können. Sollte ich mich also nur über die Hälfte der Literatur prüfen lassen?

So etwas ist möglich, wenn vorgegeben ist, über wie viele Themen der Student grundlegend geprüft werden soll und wie viele Buchseiten auf die Anzahl der Themen zu verteilen sind. In Absprache mit dem jeweiligen Prof verringert der Student dann einfach das Textvolumen pro Thema. Aber heißt das nicht auch, dass der behinderte Student, der sich für diesen Weg entscheidet, weniger leistet als die übrigen?

Was mich betrifft, so habe ich sicherlich nicht weniger gearbeitet. Aber die inhaltliche Basis, die ich mir auf Grundlage der ausgewählten Bücher geschaffen habe, ist dennoch nicht so breit gewesen.

Nachteilsausgleich? Gerechtigkeit?

Es ließen sich zahlreiche Beispiele dafür anführen, dass Gerechtigkeit – wieder einmal – nur schwer zu gewährleisten ist. Wenn überhaupt.

So werden im Rahmen des Bildungsstreiks auch die Studienbedingungen für Behinderte verhandelt. Denn wer von ihnen kann die Anforderungen erfüllen, die ein Bachelorstudiengang an sie stellt? Ich jedenfalls bezweifle, dass ich einen Einserschnitt hätte erreichen können.

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