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Barrierefrei studieren?

Leseförderung (Teil 2 von 2)

Sicher, jede Tabelle wird erläutert. Die Literatur greift die wichtigsten Punkte im Fließtext wieder auf. Aber eben nicht alle. Und vielleicht habe ich ja eine Frage an die Tabelle, die der zugehörige Text für irrelevant hält.

Tabellen sind also das eine Übel. Ungleich schlimmer ist aber, woraus Studien sonst noch bestehen: aus Diagrammen. Säulendiagramme, Balkendiagramme und viele mehr. Optisch ansprechend und für den ersten Blick vermutlich noch aussagekräftiger als Tabellen.

Der Blinde hingegen ist schon froh, wenn ihm eine Vorstellung davon vermittelt wird, wie ein Balkendiagramm theoretisch aussieht. In der Praxis lässt es sich nicht erfassen, zumindest nicht mit Braillezeile und Sprachausgabe. Was der Scanner mir liefert, erkennt meine blindenspezifische Software bestenfalls als „Grafik“. Auch die Bildunterschrift wird ausgegeben. Aber was nützt das?

Es gibt spezielle Folien und Einrichtungen, in die man sie einspannt, damit sie nicht verrutschen. Ich habe sie Zeichenbrett während der Schulzeit genannt. Mit einem Kugelschreiber Linien auf die Folien malen – Säulen oder Balken ...  Diese dann beschriften. Alles möglichst groß und nicht mit allzu vielen Details, da der Blinde, der mit dem räumlichen Vorstellungsvermögen ohnehin Probleme hat, ansonsten schnell die Orientierung verliert. Man kann Diagramme also auch für Blinde sichtbar machen. Oder mit Worten erklären, was sie zeigen. Aber auch hierfür braucht der behinderte Student viel Konzentrationsvermögen

Autor: Daniela  |  Rubrik: studium  |  May 6, 2010
Autor: Daniela
Rubrik: studium
May 6, 2010

Barrierefrei studieren?

Leseförderung (Teil 1 von 2)

Derzeit besuche ich ein Seminar, das sich mit aktuellen Diskussionen zur Lese- und Leserforschung befasst. Ein sehr interessantes Thema, wie ich finde. Zugleich aber kein barrierefreies. Denn zu einem großen Teil müssen wir hierfür Studien analysieren.

Studien bedeutet zuallererst: Tabellen. Nirgendwo unterlaufen dem Scanner so viele Umsetzungsfehler wie bei Zahlen. Wenn ich eine Tabelle vorliegen habe, muss sie deshalb zuerst Korrektur gelesen werden. Aber auch nachdem dieser Schritt ausgeführt worden ist, kann ich mit ihr nicht glücklich werden.

Was für Sehende der Vorteil einer Tabelle ist, wird für mich zum Nachteil: dass man das Wichtige auf einen Blick erfassen kann. Auf einen Blick? Meine Software kann das nicht. Wie berichtet, arbeite ich mit Braillezeile. Dieses Gerät bildet immer nur einen kleinen Auszug aus einer Gesamtdarstellung ab. 40 nebeneinander liegende Zeichen, um genau zu sein. Eine Spalte einer Tabelle schnell zu erfassen, ist daher nicht möglich. Stattdessen muss ich mühsam zwischen den eingetragenen Faktoren hin und her navigieren. Und wenn die unterste Zeile erreicht ist, sind die Daten der obersten schon wieder vergessen.

Eine Tabelle zu lesen, bedeutet für einen Blinden somit alles andere als ein Vergnügen. Diese Arbeit erfordert nicht nur Ausdauer und Geduld, sondern insbesondere eine hohe Konzentrationsfähigkeit. Und eine Menge von Notizen, die ich mir mache, bis mir erst einmal klar geworden ist, wo die zentrale Aussage der Tabelle liegt.

Autor: Daniela  |  Rubrik: studium  |  May 3, 2010
Autor: Daniela
Rubrik: studium
May 3, 2010

Barrierefrei studieren?

Warum dauert das so lange?

Es gibt einige Seniorenstudenten (Gaststudenten, die nach dem Berufsleben ein Studium beginnen), die freundlich und hilfsbereit sind. Es gibt aber auch andere. Ich erinnere mich noch gut daran, wie ich vor ein paar Semestern in einer Vorlesung saß, wie so oft in einer der vordersten Reihen. Die Plätze um mich herum waren alle von Seniorenstudenten belegt. Nachdem der Dozent die Sitzung beendet hatte, wollte ich meinen Computer herunterfahren, um anschließend zusammenzupacken und zu gehen.

Doch das passte den Seniorenstudenten nicht. Warum sie denn nicht vorbei dürften, drängelten sie. Warum das denn so lange dauere? Eine halbe Minute vielleicht, würde ich sagen. Und ausgerechnet die Leute, die von früh bis spät Zeit haben, haben in solchen Situationen keine Geduld und sind nicht bereit, Rücksicht zu nehmen.

Eine ähnliche Situation habe ich zu Beginn dieses Semesters erlebt: Der Professor legte mehrere Stapel Papier auf einem Tisch aus. Ich trat hinzu und fragte, was das denn sei.

„Literatur“, vermutete eine Seniorin.

„Können Sie mir das auch geben?“

„Nein.“ Sie raffte zusammen, was sie brauchte. „Das müssen Sie schon selbst ...“

Sie wusste nicht, dass ich blind bin, hatte meinen Langstock nicht gesehen. Aber darauf kommt es ja hier nicht an, sondern generell auf die mangelnde Hilfsbereitschaft. Warum ich das nicht verstehe? Mich macht dieses egoistische Verhalten wütend, es verbittert mich und tut mir weh – nicht zuletzt, weil es solche Leute überall gibt, unter Studenten meines Alters ebenso wie unter den Dozenten.

Autor: Daniela  |  Rubrik: studium  |  Apr 29, 2010
Autor: Daniela
Rubrik: studium
Apr 29, 2010