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Barrierefrei studieren?

Böses Blut

Autor:
Daniela

Rubrik:
studium

17.05.2010

Nicht selten stellen sich engagierte Studenten vor Unigebäude, um Flyer zu verteilen oder auf anderem Weg für bestimmte Veranstaltungen und Produkte Werbung zu machen. Sie wissen, dass sie hier die meisten Kommilitonen erreichen können. Aber mich sprechen sie in der Regel nicht an; als wäre ich nicht blind, sondern durchsichtig.

Für gewöhnlich beschäftigt mich das kaum, doch vor ein paar Tagen wurde ich so demonstrativ ignoriert, dass ich mich gedemütigt, ja sogar diskriminiert fühlte.

„Wollen Sie sich typisieren lassen?“, lautete diesmal die Frage. Nur kurz zum Blutabnehmen gehen, damit man in ein Verzeichnis für Knochenmarkspender eingeordnet werden kann. Allerdings herrschte vor der Mensa zu diesem Zeitpunkt nur wenig Betrieb. Und so kam es, dass ich nicht zufällig im Strom der Hinein- oder Herauseilenden übersehen werden konnte. Stattdessen ignorierte man mich bewusst. Ich stand keine drei Meter von den Fragenden entfernt, wo ich auf einen Freund wartete. Und ansonsten war weit und breit niemand da, den sie hätten ansprechen können. Doch anstatt mir ihr Anliegen vorzutragen, unterhielten sich die beiden Mädchen so lange über irgendetwas anderes, bis sie wieder einen Sehenden entdeckten, der sich dafür offensichtlich besser eignete.

Ihr Verhalten verletzte mich tief. Zugleich machte es mich aber auch wütend. Ist blindes Blut denn böses Blut? Beinahe hätte ich die Quatschenden mit dieser Frage konfrontiert und sie damit brüskiert, wie ich mich von ihnen bloßgestellt fühlte.

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