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Barrierefrei studieren?

Verfügbar ja, aber wie?

Meine Dozenten gehen ganz unterschiedlich damit um, dass ich nicht mit Powerpoint arbeiten kann. Einer gibt mir zu Beginn jeder Stunde die entsprechenden Textpassagen auf einem Stick. So kann auch ich während der Stunde mitlesen. Vor allem aber ist das insofern eine Erleichterung, da es mir die Nachrecherche über Suchmaschinen erspart. Ich bin daher sehr froh über dieses Arrangement und frage mich ernsthaft, wieso andere Dozenten sich damit so schwer tun.

Ein Zweiter beschloss die Tutorin damit zu beauftragen, für mich die Textpassagen aus der Powerpointpräsentation herauszukopieren. Das ist sicher auch eine Lösung, wenngleich sie bedeutet, dass ich den Text nicht während, sondern erst nach der Stunde auf dem Computer habe. Also schreibe ich während des Seminars so gut es geht mit und schaue später, wenn mir die Powerpoint-Auszüge vorliegen, meine Mitschrift noch einmal genau durch.

Ein dritter Dozent, der mir wirklich helfen wollte, dachte immer wieder nicht daran, mir etwas zu schicken. Zuerst ging es um einen Mail-Anhang, der die Folien seiner Vorlesung enthielt. Ich musste den Dozenten wiederholt daran erinnern mir diesen zuzusenden, was ihm peinlich war. Dann, als klar war, dass ich seine Dateien nicht lesen kann, wollte er mir Ausdrucke per Post schicken. Und vergaß auch das, so dass ich abermals nachhaken musste.

Inzwischen habe ich die Unterlagen von ihm bekommen und die Verzögerung ist auch nicht schlimm, aber doch ärgerlich. Doch zugleich bleibt ein mildes Lächeln zurück.

Autor: Daniela  |  Rubrik: studium  |  Jun 6, 2008
Autor: Daniela
Rubrik: studium
Jun 6, 2008

Barrierefrei studieren

Ist weniger nicht vielleicht doch mehr?

Problematisch nicht zu sehen, was der Dozent projiziert, ist es auch, wenn viele fremde Namen auftauchen. Nicht nur deutsche, die ich nicht kenne, sondern auch Namen wie zum Beispiel die griechischen in der Geschichte der Antike. Namen von Politikern oder von Städten, oder andere Fachbegriffe. Sie ausgesprochen zu hören, verrät mir nicht immer, wie man sie tatsächlich schreibt.

Während die Sehenden also nicht weiter darüber nachdenken müssen - sie können sie ja einfach abschreiben -, muss ich jedes Mal wieder Kommilitonen, die neben mir sitzen, bitten mir den Namen zu buchstabieren. Ich mache das nicht gerne, denn mir gefällt es auch nicht, wenn ich mich auf die Vorlesung konzentriere und dabei gestört werde. Außerdem halte ich damit auch mich selber auf, denn natürlich geht die Vorlesung nahtlos weiter.

Eine andere Möglichkeit, die mir in diesem Fall bleibt, besteht darin, die Namen, bei deren Schreibweise ich mir nicht sicher bin, in meiner Mitschrift mit einem Fragezeichen zu versehen. Um sie später im Internet nachzurecherchieren. Manche finde ich mit Hilfe einer Suchmaschine, andere nicht. Das ist eine Sache des Glücks; und natürlich auch eine, die mich nicht gerade wenig Zeit kostet. Deswegen frage ich mich auch immer wieder, warum ich mir das eigentlich antue. Und weiß doch gleichzeitig, dass ich nie damit aufhören werde, denn ich habe nun einmal - vielleicht leider - den Anspruch, dass mein Skript möglichst vollständig und fehlerfrei ist.

Autor: Daniela  |  Rubrik: studium  |  Jun 5, 2008
Autor: Daniela
Rubrik: studium
Jun 5, 2008

Barrierefrei studieren?

Die kleinen Gemeinheiten meines Studiums

Es zeigte sich, dass die Vorlesung "Grundlagen der empirischen Sozialforschung" auch leicht zu verstehen war, ohne die Abbildungen zu sehen. Der Professor beschrieb sie sehr anschaulich und nannte zudem zahlreiche Beispiele, die seine Aussagen schön verdeutlichten. Ich hatte mir also umsonst Sorgen gemacht, wie oder ob ich das schaffen würde. Im Gegenteil, bei der abschließenden Prüfung war ich sogar eine der Besten.

Aber das Problem, dass ich vor einem Powerpoint-Dokument stehe und nichts davon lesen kann, ist natürlich nicht einmalig. Und ich spüre deutlich den Nachteil, den ich habe, wenn bei dem Vortrag eines Dozenten oder Kommilitonen wichtige Informationen an die Wand geworfen werden. Alle anderen können diese einfach abschreiben. Ich bin hingegen darauf angewiesen, dass alles auch angesprochen und erläutert wird. Denn woher sollte ich auch wissen, dass da noch mehr steht, wenn es keiner sagt?

Manchmal befürchte ich, dass mir auf diese Weise wichtige Informationen verloren gehen. Denn es ist schließlich auch möglich, dass die Dozenten einfach einmal vergessen, das eine oder andere zu erwähnen. Im Zweifelsfall kann es ohnehin jeder sehen - außer mir.

Wenn andererseits jemand anfängt einen Text, der für die anderen gut sichtbar ist, nur vorzulesen, habe ich ebenfalls keine Chance ihn abzutippen. Denn logischerweise lesen die Leute viel schneller als ich schreiben kann.

Das sind die kleinen Gemeinheiten; die kleinen Ungerechtigkeiten, die ich eben so hinnehmen muss.

 

Autor: Daniela  |  Rubrik: studium  |  May 30, 2008
Autor: Daniela
Rubrik: studium
May 30, 2008