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Barrierefrei studieren?

Sprachausgabe

Ich brauche nicht nur mehr Zeit, um mir geeignete Texte herauszusuchen und sie anschließend einzuscannen, sondern vor allem auch, um sie zu lesen. Mit den Händen dauert es viel länger als mit den Augen und ich kann Texte z.B. nicht überfliegen. Bleiben die Ohren. So habe ich nicht nur eine Braillezeile, sondern mir steht zudem eine Sprachausgabe zur Verfügung. Hier kann ich beispielsweise vorgeben, in welcher Geschwindigkeit oder Lautstärke das Programm mir die Texte vorlesen soll und welche Sonderzeichen ich hören möchte. Auch lässt sich die Sprache wählen und vieles mehr.

Klingt gut, nicht wahr? Aber habt ihr schon einmal einen Text gelesen, ohne jedes Wort auszusprechen und dann einen anderen, den ihr ebenfalls nicht kennt und der genau so lang ist, den ihr aber laut vortragt? Dazwischen liegen Welten, wie ich feststellen musste, als uns in einem Seminar ein Text ausgeteilt wurde, den die Dozentin nicht in elektronischer Form mitgebracht hatte. Wir sollten ein paar kleine Fragen dazu beantworten.

Also fing der Student, der neben mir saß, damit an, mir den Text vorzulesen. Wir hatten vielleicht die Hälfte geschafft oder zwei Drittel, als die Dozentin den Kurs aufforderte, nun die Antworten auf die Fragen zusammenzutragen, die sie uns zuvor gestellt hatte.

Mir war ja klar, dass es da einen Unterschied gibt, denn ich bin immer schon langsamer gewesen als die anderen. Aber dass ich beim Lesen gegenüber den Sehenden derart viel Zeit verliere, erstaunt mich dann doch.

Autor: Daniela  |  Rubrik: studium  |  Jun 16, 2008
Autor: Daniela
Rubrik: studium
Jun 16, 2008

Barrierefrei studieren?

Braillezeile

Manchmal wünsche ich mir sehr, mit Stift und Papier in eine Vorlesung gehen zu können. Vor allem dann, wenn gerade der Akku meines Laptops leer ist und das Netzteil zu Hause liegt. Oder wenn mein Laptop wieder einmal nicht so will wie ich. Ich bin ständig darauf angewiesen, dass alles funktioniert.

Um zu lesen, kann ich an meinen Laptop die so genannte Braillezeile anschließen. Dieses Hilfsmittel ermöglicht es, Bildschirmzeilen auszulesen. Die Braillezeile setzt die Buchstaben, die auf dem Bildschirm angezeigt werden, in die entsprechenden Punkt-Kombinationen um. So kann jedes Zeichen bis zu sechs Punkte umfassen, die in zwei parallel verlaufenden Reihen angeordnet sind: links drei untereinander und rechts daneben noch einmal drei. Je nachdem, welche dieser sechs Punkte aus der Braillezeile heraus nach oben gedrückt und damit tastbar gemacht werden, kann ich die Zeichen erkennen.

Allerdings kann ich auf diese Weise nur vierzig Zeichen erfassen, bevor ich weiterschalten muss, damit mir die nächsten vierzig angezeigt werden. Und vieles wie zum Beispiel Stammbäume, aber auch alle anderen Grafiken und Diagramme kann ich mir damit gar nicht erschließen.

Ohne diese Unterstützung ist das Studium für Blinde trotzdem nur schwer vorstellbar. Vieles ließe sich dann nicht umsetzen und natürlich kann ich auch auf einen Scanner nicht verzichten.

Anders gesagt: Ich bin abhängig von einem Computer und wenn bei mir einmal die Technik versagt, bin ich im Bezug auf mein Studium nahezu handlungsunfähig.

 

Autor: Daniela  |  Rubrik: studium  |  Jun 11, 2008
Autor: Daniela
Rubrik: studium
Jun 11, 2008

Barrierefrei studieren?

Hier gibt es keine Scheine

Wie berichtet lege ich meine Prüfungen immer mündlich ab. Der Dozent stellt mir die Fragen und kreuzt bei meinen Antworten an, wie viele Punkte ich dafür bekomme. Folglich kann das Ergebnis später untergehen: Während der Dozent alle anderen Tests aus dem Kurs korrigiert, ist meiner zu diesem Zeitpunkt ja bereits benotet, weshalb er nicht bei den übrigen liegt. Zumindest muss das vermutlich der Fall gewesen sein, als der Dozent vergaß mir einen Schein auszustellen.

Im nächsten Semester hatte ich eine weitere Prüfung in diesem Fach, ebenfalls mündlich, aber bei einem anderen Dozenten. Zu diesem sagte ich, er solle meinen Schein bitte nicht vergessen. Kaum dass ich die Worte ausgesprochen hatte, taten sie mir schon wieder Leid. Das war albern und ich wollte dem Prof. doch nichts unterstellen. Er versicherte mir, dass er meine (mündliche) Klausur zu den anderen legen und sie so bei der Scheinvergabe auch berücksichtigen würde.

Als ich ein paar Wochen später ins Sekretariat kam, um die beiden Scheine abzuholen, suchte die Sekretärin lange, aber sie fand keinen von ihnen. Ich konnte das kaum glauben. Es ärgerte mich, dass ich da so lange hinterherrennen musste und nicht nur einmal. Denn auch der Schein aus der eingangs angesprochenen Prüfung fehlte mir noch immer, obwohl ich den Dozenten nicht zum ersten Mal darum bat, ihn nachzureichen.

Als ich sie endlich beide in den Händen hielt, atmete ich daher erleichtert auf. Und stöhnte bei dem Gedanken an die nächste Runde.

Autor: Daniela  |  Rubrik: studium  |  Jun 9, 2008
Autor: Daniela
Rubrik: studium
Jun 9, 2008