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Barrierefrei studieren?

Behindert? - Nein danke.

Es ist nichts Ungewöhnliches, dass man sich in Freundschaften auseinanderlebt oder dass sich gute Bekannte aus den Augen verlieren. Aber bei mir ist da noch die Hürde der Behinderung, die viele lieber nicht nehmen wollen; oder nicht nehmen können?

Die Freundin, von der ich im letzten Beitrag gesprochen habe, weiß inzwischen, wie es sich anfühlt blind zu sein. Ich hatte ein Treffen mit meinem früheren Mobilitätstrainer vereinbart, der ihr Brillen gab, welche verschiedene Sehschärfen und Gesichtsfeld-Einschränkungen simulieren. Er nahm sich Zeit für uns, so dass sie in Ruhe versuchen konnte, sich in das Leben eines Blinden hineinzufinden. Ich freute mich darüber, dass sie es ausprobierte. Denn fest steht, dass es nicht leicht ist als Blinde Sehende zu finden, die bereit sind, sich auf so etwas und auch auf eine solche Freundschaft einzulassen.

Ich kenne einige Blinde, die integrativ studieren und habe von einigen anderen gehört. Und fast alle sagen sie dasselbe: dass sie keine sehenden Freunde haben und auch nicht viele sehende Bekannte.

Ich weiß auch von gelähmten und lahmen Studierenden an unserer Uni. Sie sind meistens alleine unterwegs, genau wie ich. Aber woran liegt das? Ich kann es mir selbst noch nicht ganz erklären. Was ich während meines Studiums erlebe, habe ich auch schon in der Schule erlebt: Ignoriert, weil ich blind bin, während die Klassenkameraden sehen können. Und, die Sehenden sind neidisch auf die Vorteile, die mir meine Behinderung einbringt und blind für die Nachteile.

 

Autor: Daniela  |  Rubrik: studium  |  Jun 26, 2008
Autor: Daniela
Rubrik: studium
Jun 26, 2008

Barrierefrei studieren?

Wieder verloren, aber warum?

Ich schrieb bereits über mein Verhältnis zu den sehenden Kommilitonen, aber längst noch nicht alles. Auch gegen Ende des vierten Semesters habe ich außer Ewgenij keine Freunde unter ihnen; oder besser gesagt, nicht mehr.

Schon vor dem ersten Studientag lernte ich ein Mädchen kennen, das nicht nur wie ich Politik studiert, sondern zudem im gleichen Wohnheim wohnt. Sie war aufgeschlossen für meine Behinderung und wir standen beide alleine in der neuen Umgebung. Schon bald verstanden wir uns sehr gut. Ich fühlte Zuversicht, dass ich während des Studiums nicht wieder Außenseiterin sein würde wie schon früher in der Schule.

Aber mit der Zeit fand sie andere Freunde. Freunde, die Partys bevorzugten, während ich viel lernte. Da wurde ich uninteressant, wenn nicht sogar zur Streberin. Zu Beginn hatte auch sie noch viel gelernt, aber dann ließ sie sich auf die andere Seite ziehen. Die Versuchung war einfach zu groß. Doch ich ging diesen Weg nicht mit.

Manchmal war ich dabei, wenn sie ihre Freunde traf. Ich fand nicht witzig, worüber die Gruppe lachte und schon war ich wieder Außenseiterin. Ihre Gesprächsthemen sprachen mich nicht an. Außerdem wurde viel über Gesten kommuniziert, was es mir erschwerte der Unterhaltung zu folgen und mich daran zu beteiligen.

Natürlich steckte dahinter keine böse Absicht. Ich glaube auch nicht, dass die Freundin mich jemals als eine Last empfand. Viele tun das. Aber sie mochte mich wirklich. Schade, dass sich unsere Freundschaft verloren hat. Ist dieser Zustand noch zu ändern?

Autor: Daniela  |  Rubrik: studium  |  Jun 23, 2008
Autor: Daniela
Rubrik: studium
Jun 23, 2008

Barrierefrei studieren?

Freunde seit dem Mittelalter

Viele Freunde habe ich hier nicht, sogar kaum oberflächliche Bekannte. Aber eine große Ausnahme gibt es und darüber bin ich sehr froh.

Wie wir immer im Scherz sagen, kenne ich Ewgenij seit dem Mittelalter: seit der Einführungsvorlesung in die mittelalterliche Geschichte, die wir beide im vergangenen Semester besuchten. Nach einer der Sitzungen musste ich noch etwas mit dem Prof. besprechen, der daraufhin anbot mich zu dem Raum zu bringen, in dem jede Woche das anschließende Tutorium stattfand. Da ich zwar den Weg kannte, aber noch nicht genau wusste, wo auf dem Flur das entsprechende Zimmer liegt, nahm ich an. Zudem ist das Büro des Professors nicht weit von dem Tutoriums-Raum entfernt.

Nach dem Tutorium sprach Ewgenij mich an und wir gingen gemeinsam ein längeres Stück, bis jeder von uns in eine andere Richtung weiter musste. Von Woche zu Woche wurde dies dann zur Gewohnheit und irgendwann erfuhr ich auch warum.

Was ich überhaupt nicht damit in Zusammenhang gebracht hatte, hatte für ihn den Ausschlag gegeben mich nach dieser denkwürdigen Tutoriums-Sitzung anzusprechen: Die Tatsache nämlich, dass der Professor mich dort hin gebracht hatte. Schließlich konnte Ewgenij ja nicht wissen, dass das bloß ein Zufall war. Er sah nur, dass der Dozent mich begleitete. Und er fand es unglaublich, dass dies auf den Prof. zurückfiel, anstatt dass sich einer der Kommilitonen um mich kümmerte. Daher entschied er das zu ändern. Und mit der Zeit sind wir gute Freunde geworden. Vielen Dank dafür!

Autor: Daniela  |  Rubrik: studium  |  Jun 18, 2008
Autor: Daniela
Rubrik: studium
Jun 18, 2008