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Die Last, einen Blinden zu kennen

Autor:
Daniela

Rubrik:
studium

30.06.2008

Wie oft haben Kommilitonen schon zu mir gesagt, sie würden einmal mit mir einen Kaffee trinken oder ein Eis essen gehen und dann ist nichts daraus geworden? Eine Zeit lang habe ich mich auf diese Verabredungen gefreut, aber dann nicht mehr. Denn irgendwann ist mir klar geworden, dass es meistens nur leere Worte sind. Die anderen wollen etwas Nettes sagen und dabei unverbindlich bleiben.

Ich habe längst aufgehört zu zählen, wie oft ich schon den Fehler gemacht habe diese Behauptungen ernst zu nehmen. Aber ich frage mich doch noch manchmal, ob die anderen zu oberflächlich sind, ob sie reden, ohne zu denken und danach sofort wieder vergessen, was sie gesagt haben. Oder ob es an mir liegt. Einerseits, weil ich solche Zusagen glaube. Andererseits, weil ich blind bin.

Blinde sind und bleiben eine Last. Davon bin ich im Grunde genommen überzeugt. Vielleicht haben die anderen ja Mitleid mit mir. Deswegen schlagen sie vor, einmal etwas mit mir zusammen zu unternehmen. Sie sehen mich, haben Mitleid und wollen mir eine Freude machen. Aber dann bin ich weg und sie verdrängen, dass es mich gibt. Zumal es viel schöner ist, wenn man auf niemanden „aufpassen" muss, während man in eine Kneipe oder ins Schwimmbad geht. Blinde, die man mitnimmt, müssen geführt werden. Man muss ihnen die Speisekarte vorlesen. Man muss Rücksicht auf sie nehmen, weil sie nicht von jedem Punkt in der Stadt alleine wieder nach Hause finden, aber vielleicht nicht so lange bleiben wollen wie die übrigen. Usw., usw. :-(

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