Logo Bundesagentur für Arbeit
Logo Bundesagentur für Arbeit
  • Drucken
  • Versenden
  • PDF (Öffnet sich in neuem Fenster)

Kategorien

Barrierefrei studieren?

Recht und Gerechtigkeit

Darf ich als Blinde eigentlich darauf bestehen, dass ich in einen Kurs aufgenommen werde? Ob man einen normal sehenden Studenten mehr oder weniger unterricht, ist eigentlich kein Problem. Sitzt aber ein Blinder darunter, wird es schwierig: Er kann beispielsweise keine Tafelanschriften lesen. Und der Dozent kann die Tafelanschriften auch nicht einfach durch Powerpointpräsentationen ersetzen, die er sich aus dem Internet herunter lädt, weil die blindenspezifische Software diese Präsentationen nicht auslesen kann. Ich könnte diese Liste noch lange fortsetzen. Der Punkt ist aber: Die Dozenten müssen sich auf mich einstellen. Auf meine besonderen Bedürfnisse Rücksicht nehmen, damit ich im Unterricht nicht schlechtere Bedingungen habe als die übrigen Seminarteilnehmer.

Nun kann man fragen: Können die Dozenten das leisten? Wollen sie es überhaupt?

Oder man fragt: Habe ich das Recht zu verlangen, dass mich unter diesen Voraussetzungen jeder gleichberechtigt in seinem Kurs aufnimmt? Ich denke, im Grunde genommen ja. Die Vorlesungen und Seminare stehen doch schließlich allen Studenten offen, nicht nur den normal sehenden. Und das Gesetz habe ich sicherlich auch auf meiner Seite.

Trotzdem: So leicht ist das nicht. Wer erwartet, dass er als Sehbehinderter überall behandelt wird wie die Kommilitonen und dass alle Dozenten nicht nur bereit, sondern auch bemüht sind, einen Blinden durch ihren Kurs zu bringen, der wird leider manchmal eines Besseren belehrt; so wie ich in meinem Spanischkurs.

Autor: Daniela  |  Rubrik: studium  |  Dec 9, 2008
Autor: Daniela
Rubrik: studium
Dec 9, 2008

Barrierefrei studieren?

Beide, eine oder keine?

In der Schule hatte ich zwischen der neunten und elften Klasse Französischunterricht. Aber in der Kollegstufe kam dann leider kein Französisch-Grundkurs zustande. Und privat wandte ich die Sprache auch nirgendwo mehr an. So lernte ich zwar drei Jahre lang Französisch, sprach es danach aber vier Jahre nicht mehr. Ich dachte lediglich von Zeit zu Zeit darüber nach, meine Französischkenntnisse in einem der Sprachkurse aufzufrischen, die das Erlanger Sprachenzentrum den Studenten anbietet.

Dann verbrachte ich mit einem meiner besten Freunde, der ebenfalls blind ist, einen aufregenden Urlaub an der Costa del Sol. Die Spanier dort sprachen kein Englisch, sodass wir manchmal ziemlich unbeholfen zurück blieben. Was folgte, war der gemeinsame Besuch eines zehntägigen Spanisch-Intensivkurses im Sommer - den wir besser vor als nach dem Urlaub besucht hätten ...

Wir lernten und übten in diesem Kurs sehr viel, aber eben - wie das für einen Intensivkurs so üblich ist - auch sehr schnell. Deswegen überlegte ich mir anschließend, die Sprache noch einmal systematisch zu lernen. Und vor allem mit viel mehr Ruhe und Zeit! Doch wenn ich das wirklich tue, was wird dann aus dem geplanten Französisch-Sprachkurs? Beide zu belegen, das würde ich nicht schaffen. Ich musste mich also entscheiden. Leicht gefallen ist mir das nicht. Und vielleicht hätte ich es doch anders machen sollen. Aber jetzt lerne ich Spanisch!

Autor: Daniela  |  Rubrik: studium  |  Dec 2, 2008
Autor: Daniela
Rubrik: studium
Dec 2, 2008

Barrierefrei studieren?

Buchwissenschaft ja, aber warum?

Obwohl die Berufsperspektiven für eine Blinde in der Buchbranche nicht gerade gut sind, studiere ich begeistert Buchwissenschaft. Sicherlich, da ich trotz allem glaube, dass ich später in diesem Bereich arbeiten kann. Denn als Buchwissenschaftler stehen einem viele verschiedene Türen offen. Und da werde ich schon irgendetwas finden.

Außerdem sind meine Berufsperspektiven ja auch nicht nur nach diesem Studiengang eingeschränkt. Ganz egal, was ich studiere: Meine berufliche Flexibilität hält sich danach immer in überschaubaren Grenzen. Und wieso sollte ich dann nicht das studieren, was mir Spaß macht? Noch dazu, da ich sehr gerne Bücher lese und auch schreibe.

Falls ich beruflich also doch nicht Fuß in der Buchbranche fassen sollte, so profitiere ich zumindest in meiner schriftstellerischen Tätigkeit sehr davon. Zwei Verlage boten mir bisher an, einen meiner Romane zu veröffentlichen. Beim ersten Mal hielt ich die Sache für unseriös und lehnte ab. Beim zweiten Mal sagte ich zu und wurde verschaukelt. Doch inzwischen hat mir mein Studium gezeigt, wie das moderne Buchhandels- und Verlagswesen organisiert ist. Ich weiß, worüber die Branche diskutiert, vor allem aber, wie sich der Ladenpreis eines Buches berechnen lässt oder auch was in einem Verlagsvertrag stehen muss.

Derartiges Fachwissen bewahrt mich seitdem davor, mich wieder blauäugig auf irgendwelche Geschäfte mit dubiosen Verlagen einzulassen. Denn wer Eindrücke von der Branche hat, der geht nicht mehr so naiv vor.

Autor: Daniela  |  Rubrik: studium  |  Nov 26, 2008
Autor: Daniela
Rubrik: studium
Nov 26, 2008