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Das kommt mir Spanisch vor (Teil 2)

Autor:
Daniela

Rubrik:
studium

30.12.2008

Das Spanischbuch, mit dem die Kurse an meiner Uni arbeiten, heißt „A tope", was ungefähr so viel bedeutet, wie „Gas geben". Aber sollte ich das jetzt auch tun? Die Zurückweisung der Spanisch-Dozentin war nicht nur eindeutig, sondern auch ziemlich hart für mich.

Das Gespräch mit ihr nach der ersten Unterrichtsstunde verlief ernüchternd: Nein, sie werde nichts an ihrem Lehrkonzept ändern. Also muss ich mich eben in den Unterricht, so wie sie ihn gestaltet, einfügen. Natürlich dürfe ich bleiben. Sie wird mir nur die neuen Worte nicht buchstabieren. Wofür muss ich denn wissen, wo ein Akzent gesetzt wird? Die Lehrerin schlug mir sogar vor, den Kurs im kommenden Semester zu wiederholen. Ganz nach dem Motto: Das Ziel ist nicht, dass ich es jetzt schaffe, sondern irgendwann später, vielleicht....

Es tut jedes Mal wieder weh, wenn ich wegen meiner Sehbehinderung benachteiligt und ausgegrenzt werde. An manche Umstände kann man sich eben nie gewöhnen. Und ich stand nun vor der Frage, ob ich sofort einen weiteren Anlauf in Spanisch unternehmen sollte. Das Semester war noch jung, so gesehen hätte ich erst wenige Stunden des Spanischkurses verpasst, wenn ich nun in einen anderen Kurs wechseln würde.

Aber natürlich war ich sehr verunsichert. Würden die übrigen Spanisch-Dozenten auch so abweisend reagieren? War ich wirklich dazu bereit, dieses Risiko gleich ein zweites Mal einzugehen? Ein paar Tage lang wälzte ich diese Frage unentschlossen hin und her. Mir war klar, dass ich, wenn überhaupt, mit einem unangenehmen Gefühl in einen zweiten Kurs gehen würde. Aber mir war auch bewusst, dass der Zeitpunkt dafür nicht entscheidend war. Dieses unangenehme Gefühl würde mich begleiten, ob ich es nun dieses Semester noch einmal versuchte oder erst im nächsten. Und von daher: A Tope!

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