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Was tun nach dem Abi?

Eine Stadt im Nichts

Kasachstan – das neuntgrößte Land der Erde, das ich eigentlich gar nicht auf dem Schirm hatte, bevor ich meinen Freund Timo in Ust-Kamenogorsk besuchte. Die Stadt mit gut 300.000 Einwohnern befand sich im Nordosten des Landes und lag eingebettet in hügelige, grün-braune Steppenlandschaft. Einerseits trist, andererseits faszinierend, denn so viel „Nichts“ hatte ich vorher noch nie gesehen. Hier schien alles unberührt zu sein.
In Timos Wohngegend dominierten heruntergekommene Plattenbauten, unweit befand sich zudem ein veralteter Rummelplatz. Im Stadtzentrum zeigte sich dann doch die russisch-kasachische Investitionskraft verbunden mit einer dezenten Portion Nationalstolz. Es gab große Fontänen, eine Parkanlage mit Panzern und Kriegsdenkmälern, eine Uferpromenade am Fluss Irtysch und eine neue Moschee. Außerdem lief man von Timos Wohnung nur fünf Minuten zu einer kleinen, grünen Insel, die im Irtysch lag. Zuerst wusste ich nicht, was ich von der Stadt halten sollte. Aber nachdem Timo mir die genannten Orte gezeigt hatte, konnte ich nachvollziehen, warum er seinen Freiwilligendienst um ein Jahr verlängert hatte.
Überraschenderweise lebten in Ust-Kamenogorsk eher weniger Kasachen. Der Großteil der Bevölkerung war russisch – zumindest ethnisch gesehen. Die Kasachen erkennt man an ihren schmalen Augen und dunklen Haaren, wohingegen die Russen ein europäisches Aussehen haben. Über die Sprachen des Landes, Russisch und Kasachisch, erzählte mir Timo Erstaunliches. In den Schulen wurden beide Sprachen gelehrt, doch die Russen im Land machten sich angeblich wenig Mühe, die Sprache des Landes zu verinnerlichen, was dazu führte, dass in Kasachstan tatsächlich mehr Menschen Russisch als Kasachisch sprachen. Eine weitere Differenz zwischen den beiden Ethnien war ihre Glaubensrichtung. Die Kasachen gehörten zu den Turkvölkern und waren deshalb streng muslimisch. Auf der anderen Seite prägte die orthodoxe Kirche den Glauben der Russen. Im Konflikt schienen die beiden Religionen hier allerdings nicht zu stehen, jedenfalls erlebte ich einen friedlichen Umgang unter den Menschen.
In Ust-Kamenogorsk lernte ich heute Jakob kennen, ein weiterer deutscher Volontär, der an einer Schule im Nachbarsbezirk von Timos Schule ebenfalls als Deutschlehrer arbeitete. Gemeinsam bestiegen wir am Nachmittag den Kasachstanberg, einen Hügel leicht außerhalb von der Stadt. Zusammen genossen wir den Sonnenuntergang über der Stadt. Spätestens jetzt hatte ich Verständnis für Timo; hier konnte es sich definitiv leben lassen.

 

Autor: Max  |  Rubrik: orientieren  |  Nov 14, 2019
Autor: Max
Rubrik: orientieren
Nov 14, 2019

Was tun nach dem Abi?

Es kommt immer anders als man denkt

Nach vier Wochen fand meine Zeit in China ein Ende. Meine nächste Station war Kasachstan. In Ust-Kamenogorsk, einer größeren Stadt im Nordosten des Landes, würde ich meinem besten Freund Timo einen Besuch abstatten, der als Deutschlehrer an einer kasachischen Schule arbeitete. Also fuhr ich mit dem Zug einmal quer durch China nach Urumqi. Im Zug lernte ich Shue kennen. Sie war etwas älter als ich und sprach fließend Englisch, auch wenn sie das selbst nicht so sah.
In Urumchi stiegen Shue und ich aus dem Zug. Sie hatte mir ihre Hilfe zugesagt, denn ich musste noch das nächste Ticket für den Zug nach Kasachstan lösen.
Es dauerte ewig, bis wir zum Ticketschalter gelangten. Am Schalter erfuhr ich schlechte Neuigkeiten: Mein Zugticket konnte nur 24 Stunden vor Abfahrt gekauft werden. Einen Plan B hatte ich mir vorher nicht ausgedacht, deshalb musste ich jetzt improvisieren. Shue half mir bei der Suche nach einem Flug, und tatsächlich fanden wir einen vergleichsweise günstigen. Das Beste daran: Der Abflug war in derselben Nacht, am nächsten Morgen würde ich ankommen. Abgesehen von ihrer Hilfe als Dolmetscherin erwies sich Shue auch hier als meine Rettung, weil sie diesen günstigen Preis in einer chinesischen App gefunden hatte. Auf der normalen Website der Airline wäre der Flug doppelt so teuer gewesen.
Bis zum Abflug hatte ich noch viel Zeit, weshalb ich Shue als Dankeschön zum Essen einlud. Sie erzählte mir, dass sie in den USA studieren wird und deshalb schon ziemlich aufgeregt ist. In Peking hatte sie gerade ihr Visum abgeholt, wodurch der Reise nun nichts mehr im Weg stand. Wir redeten über den riesigen Konkurrenzkampf, der in China durch Überbevölkerung herrscht. Nur mit sehr guten Noten konnte man hier bestehen, ansonsten standen die Aussichten auf eine Karriere ziemlich schlecht. In der Schulzeit hatte Shue dementsprechend wenig Freizeit gehabt.
Da in China alle Uhren nach der Zeitzone Pekings gestellt waren, ging die Sonne gerade erst unter, als ich mich um 22 Uhr von Shue verabschiedete und mich in ein Taxi Richtung Flughafen setzte. Nach drei weiteren Sicherheitskontrollen saß ich schließlich am Gate und wartete auf den Flieger. Timo wusste noch gar nicht Bescheid, weil die chinesische Firewall WhatsApp blockierte. Auf sein Gesicht freute ich mich jedenfalls schon, wenn wir uns nach neun Monaten endlich wiedersehen würden.

Autor: Max  |  Rubrik: orientieren  |  Nov 4, 2019
Autor: Max
Rubrik: orientieren
Nov 4, 2019

Was tun nach dem Abi?

Ein Exempel der Menschheit

Viele Menschen, viele Fahrzeuge und dichter Smog – das kam mir doch alles sehr bekannt vor. Doch obwohl es diese Parallelen zu Kathmandu gab, war Peking komplett anders: dominiert von riesigen Limousinen statt schrottigen Tatas und breiten Straßen statt Holperpisten. Die Menschen trugen adrette, moderne Kleidung. Armut gab es auf den ersten Blick kaum, außerdem war Kriminalität absolute Fehlanzeige. In der Metro schaute jeder, wirklich jeder auf sein Handy. Sie lebten alle in ihrer eigenen Welt und schienen gar nicht zu bemerken, dass sich zeitgleich 22 Millionen andere Menschen um sie herum bewegten. Alles war topmodern, vom Bikesharing-Angebot über das bargeldlose Zahlen bis zu den LED-Wänden, die den sonst schwarzen Metrotunnel ausfüllten und Werbespots zeigten, die im gleichen Tempo neben der Bahn „mitfuhren“. Bei der modernen Infrastruktur fragte ich mich, warum hier trotzdem so viel Auto gefahren wurde – schließlich stand man immer im Stau.
Die erste Sehenswürdigkeit, die ich besuchte, war der Himmelstempel. Andere Anlagen wie der Park des Sommerpalasts hatten sich inzwischen zu Knotenpunkten für das Volk entwickelt, das hier dem Großstadttrubel entfliehen konnte. Zahlreiche andere Parks lagen im Stadtgebiet verteilt, aber auf den Wiesen durfte man nicht sitzen und Grillen war natürlich auch verboten. Außerdem musste man Eintritt zahlen und selbst hier durch eine Kontrolle gehen. Schön war es trotzdem: Viele ältere Leute trafen sich hier zum Tanzen, Singen, Thai-Chi oder Zeichnen. Ich war sehr fasziniert, als ich auf einen großen Chor stieß, der im Freien seine Lieder zum Besten gab. Dieses Gemeinschaftsgefühl und die Lebensenergie standen im Kontrast zu der totalen Abschottung einzelner Leute in der Metro.
An anderen Stellen wirkte Peking auf mich, als hätte man ein Exempel statuieren und beweisen müssen, zu was die Menschheit in der Lage ist. Bestes Beispiel: die chinesische Mauer. Jeder einzelne Backstein schien für die Ewigkeit verbaut worden zu sein.
In meinen Augen ist Peking schon lebenswerter als Kathmandu. In den zahlreichen Parks findet man Ruhe und dank der guten Infrastruktur bewegt man sich problemlos durch die Stadt. Allerdings sind die Mieten wahnsinnig hoch und stehen nicht im Verhältnis zum Einkommen der Menschen. Außerdem fehlt mir hier die Natur.

Autor: Max  |  Rubrik: orientieren  |  Oct 25, 2019
Autor: Max
Rubrik: orientieren
Oct 25, 2019