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Was tun nach dem Abi?

Studieren auf Hindi

Autor:
Manuel

Rubrik:
auszeit nach dem abi

19.08.2011

Delhi erstreckt sich auf über 100 Kilometern und dutzende Millionen Menschen leben hier. Wenn es in München im ersten Semester Maschinenbau überfüllte Hörsäle mit rund 1.000 Studierenden gibt, wie wird das dann erst hier in der Metropole des Subkontinents Indien sein?

Zusammen mit meinem Kumpel, der aus Deutschland angereist ist, und seinem ehemaligen Austauschschüler, machten wir uns auf zum Hindu College, North Campus. Einfach mal ein bisschen in den Alltag reinschnuppern. Über eine Stunde sind wir mit der Metro gefahren und dann haben wir uns noch eine Fahrrad-Rikscha geschnappt. Doch vor uns lag dann kein monumentaler Bau, sondern ein Backsteingebäude aus dem 19. Jahrhundert. Von großen Hörsälen keine Spur.

Der Vorlesungssaal war nicht größer als ein Klassenzimmer, in dem sich circa 40 Studierende in die engen Holzbänke drängten. Economics stand auf dem Plan, die Nachkriegszeit, die Unabhängigkeit Indiens und die Entwicklung des Wirtschaftssystems. In „Hinglisch“ konnte man da nur schwer folgen und der Professor schien auch etwas durcheinander zu sein. Über der Tafel nisteten zwei Tauben, die die Stunde mit ihrem geschäftigen Treiben interessanter gestalteten. Die Hälfte der Studierenden hat geschlafen, die andere Hälfte schrieb fleißig mit. Der Grund: Es kommt auf die Anwesenheit an, denn die wird kontrolliert und mit Punkten belohnt. „I know all the stuff or I'm gonna study it at home. That's how it works here", meinte Kunjal, um seine eigene Ruhepause während der Stunde zu entschuldigen. In den technischen Universitäten sähe das aber auch noch mal ganz anders aus. Das Hindu College lege aber absichtlich Wert auf diese kleinen Kurse, wodurch natürlich auch weniger Studenten zugelassen werden.

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