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Was tun nach dem Abi?

Alles zu seiner Zeit

Autor:
Janna

Rubrik:
orientieren

14.09.2012

Der Studienplatz steht. Nach gründlicher Auswertung aller Zu- und Absagen habe ich mich letztendlich für Düsseldorf entschieden. Und für Germanistik und Soziologie.

Immatrikuliert habe ich mich – und das ist typisch für mich – auf den letzten Drücker und etwas chaotisch („Mama, Papa, ich studiere jetzt übrigens in Düsseldorf und muss bis in einer Woche alle notwendigen Unterlagen abgeschickt haben, könnt ihr mir helfen?“), aber letztendlich habe ich den dicken Briefumschlag mit beglaubigten Zeugniskopien, Versicherungsbescheinigungen und so weiter doch rechtzeitig abschicken können. Natürlich nicht als Einschreiben, wie es mir meine Eltern noch geraten haben – manchmal sollte man vielleicht doch auf seine Erzeuger hören, aber da ich der deutschen Post vertraue, hoffe ich mal das Beste.

In der Zwischenzeit habe ich noch von ungefähr jeder anderen Universität, an der ich mich beworben habe, Zusagen bekommen, aber egal. Ich studiere jetzt in Düsseldorf. Und das ist vollkommen okay. Ich habe keine Lust und vor allem keine Zeit, mich jetzt nochmal um zu entscheiden.

Warum eigentlich keine Zeit?

Ich habe mal nachgerechnet: Bis am 4. Oktober meine Einführungsveranstaltungen beginnen, hatte ich ziemlich genau sechs Monate lang nichts zu tun. Okay, nichts außer ein paar nebensächlichen Abiturprüfungen und sowas. Und trotzdem hatte ich in der ganzen freien Zeit nie das Gefühl, nichts zu tun zu haben. Mindestens ein- bis zweimal pro Woche lädt abends irgendjemand aus meinem Freundeskreis zu sich ein, dazu kommen Treffen außerhalb der Reihe, um ins Kino, zum Friseur oder auf den Flohmarkt zu gehen, und bevor das Semester anfängt muss ich auch noch dringend in den Movie Park.

Und dann brauche ich eigentlich noch viel mehr Zeit für die Sachen, die wirklich wichtig sind. Ich sollte nach Düsseldorf fahren und herausfinden, welche Möglichkeiten es gibt, eine WG zu finden. Ich muss dringend ein T-Shirt zum bestandenen Abi für eine Freundin fertig gestalten. Ich verspreche meiner Mutter jeden Tag aufs Neue, mein Zimmer aufzuräumen – und ob das mal intensiver verwirklicht wird als nur Bett machen und ein, zwei Kleidungsstücke in die Wäsche zu werfen, ist fraglich.

Ich hatte mal vor, in der Zeit zwischen Abitur und Studium ganz viele Praktika zu machen, mir vielleicht einen Nebenjob zu suchen, um ein bisschen Geld zu sparen, oder eben auch das zu machen, was dringend notwendig ist. Nicht nur, um Erfahrungen zu sammeln, sondern auch, um mal ein bisschen was zu schaffen.

Letztendlich habe ich mich mehr oder weniger bewusst dagegen entschieden. Ich habe doch schon so viel geschafft. Ich habe mein Abitur recht ordentlich bestanden, ich habe einen Studienplatz, mit dem ich zufrieden bin, ich habe es geschafft, meine Freunde zu behalten und meinen Freundeskreis sogar zu erweitern, auch wenn die Schule uns nicht mehr Tag für Tag zusammen bringt.

Wenn in einem Monat die Uni anfängt, werde ich von ganz alleine wieder einen geregelten Tagesablauf bekommen. Und bis dahin ist mein Leben, wie es jetzt ist, wahrscheinlich genau das, was ich brauche.

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