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Was tun nach dem Abi?

Gast aus Nicaragua

Autor:
Maja

Rubrik:
orientieren

26.06.2013

Gastfreundschaft wird für mich groß geschrieben, seit ich auf meiner Reise durch Mexiko, Guatemala und Kuba immer und überall sehr nett aufgenommen wurde. Wir haben bei Freunden, Bekannten, Freunden von Freunden oder auch einfach bei Leuten, die wir im Bus kennengelernt haben, geschlafen. In Deutschland ist so etwas undenkbar. Schon bei Freunden fühlt man sich nicht immer willkommen.

Ich will gerne die erlebte Gastfreundschaft zurückgeben, nur leider kommen nicht so viele Leute nach Nürnberg. So hat es sich gut getroffen, dass im April hier in Nürnberg Gastfamilien für einen Jugendaustausch mit San Carlos, der nicaraguanischen Partnerstadt Nürnbergs gesucht wurden.

Vor zwei Wochen haben wir also unseren Gast vom Flughafen abgeholt. Trotz ewig langem Flug war er gut gelaunt und sehr gesprächig. Wir haben richtig Glück gehabt, denn unser Gast ist wirklich nett und umgänglich. Besser geht es eigentlich gar nicht.

Es hat sich allerdings recht schnell herausgestellt, dass er viele Dinge, die für uns alltäglich sind, gar nicht kennt: Die ersten Tage hat er sich beispielsweise noch öfters in unserem bescheidenen Reihennhaus verlaufen. Auch Brot war für ihn etwas eher Ungewöhnliches. Er wusste nicht, wie man es aufschneidet und bestreicht. Züge kannte er nur aus YouTube und mit seinen 25 Jahren ist er in der Arbeit meines Vaters das erste Mal Aufzug gefahren. Er fand das eine klasse Sache und wollte gleich wissen, wie das technisch funktioniert.

Auch sonst fragt er sehr schlaue Sachen. Zum Beispiel ob ich mich nicht alleine fühle, wenn ich mit meinem Vater und Mutter alleine wohne? Ob hier nicht alle einsam sind? Was wir denn die ganze Zeit machen, weil wir gar nicht zusammen rumhängen …

Erstaunlich, mit welchen Fragen man sich beschäftigt, wenn mal jemand von außen kommt und ganz unvoreingenommen nachfragt. Ob es mir beim Rückaustausch wohl genau so geht?

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